100 Jahre und kein bisschen müde
Einen ganz besonderen Tag, der nicht allen vergönnt ist, durfte Albert Kern am 6. Dezember feiern: seinen 100. Geburtstag. Glückwünsche kamen von der Familie, von Freunden, dem Personal vom Regionalen Pflegezentrum Baden und vom Wettinger Gemeindeammann Markus Dieth.

Beim Interviewtermin einen Tag vor dem grossen Wiegenfest wird der rüstige Senior jedoch von Bauchschmerzen geplagt. Zum Glück legen die sich schnell. «Ich hab einfach zu viel zum Frühstück gegessen», sagt er. Umso mehr kann er sich nun darauf freuen, dass es an seinem Geburtstag am Samstag, 6. Dezember, zum Mittagessen Schnitzel und Pommes frites geben wird.
Geniessen kann er seine Leibspeise in Gegenwart seiner beiden Söhne, deren Familien und enger Freunde, die seinen 100. Geburtstag selbstverständlich mit ihm feiern möchten. Darauf freut er sich sehr.
«Die Weihnachtstage machen mir nicht wirklich Freude», sagt er. Das läge daran, dass ein viel zu grosses «Gstürm» darum gemacht werde. «Wir haben früher einfach einen geschmückten Baum gehabt, ein paar Lieder gesungen und etwas Feines gegessen. Das war für mich Weihnachten.» Häufig kam Schinken mit Dörrbohnen und selbst gemachten Pommes auf den Festmahlteller. «Das war immer etwas Besonderes.» Trotzdem wird es sich Albert Kern wohl kaum nehmen lassen, an der Weihnachtsfeier im RPB teilzunehmen. Und er wird sich bestimmt auch über das Geschenk freuen, welches das Pflegepersonal für ihn ausgesucht hat. Es kennt die Vorlieben und Wünsche ihrer Bewohner. Für das Personal ist es eine Selbstverständlichkeit, dass es ein Geschenk sein muss, das auch passt. Was es bei Albert Kern sein wird, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Aufgewachsen ist Albert Kern in Villigen, zusammen mit zwei Schwestern und zwei Brüdern, die bereits verstorben sind. Er erinnert sich gerne an seine Jugendjahre: «Ich war ein ‹Luuscheib›. Der Lehrer hatte nicht immer nur Freude an mir», sagt das Geburtstagskind lachend. So erstaunt es denn nicht, dass er am Wochenende zur Strafe häufig mit seinem Vater, dem Schulhausabwart, beim Putzen der Schulzimmer anzutreffen war. Die Prüfung zur Aufnahme in die Bezirksschule habe er leider vermasselt, trotzdem konnte er eine Lehre als Feinmechaniker machen. Unter anderem war er danach in Bern tätig, bei einer Firma, die während der Mobilmachung im Zweiten Weltkrieg für das Militär arbeitete. «Eines Tages kam der Portier zu mir und sagte: ‹Pack dein Zeug und fahr sofort heim.› Zu Hause angekommen, schlüpfte ich in meine Militäruniform und radelte nach Böttstein. Dort errichteten wir Barrikaden. Und obwohl ich inzwischen den Grad eines Wachtmeisters hatte, war ich immer noch ein Luuscheib», verrät er mit einem verschmitzten Lächeln.
Während des Krieges hat er seine Frau Anna Marie kennen gelernt. «Sie war eine hübsche junge Frau.» Zusammen haben sie nicht nur zwei Söhne gross gezogen, sondern auch viele schöne Wanderungen in den Schweizer Bergen unternommen. Sie hatten auch Reben in Villigen – am Schlossberg. «Wir waren bekannt für unsere edlen Tropfen», sagt der Hundertjährige voller Stolz. Seine Vitalität verdankt er bestimmt seinen Turnübungen, die er jeden Tag macht. Als langjähriger begeisterter Turner sei das eine Selbstverständlichkeit für ihn.


