«Wald hat Fieber»

Knapp 70 Personen am Politapéro im Zentrumsschopf.Bilder: Melanie Bär

Knapp 70 Personen am Politapéro im Zentrumsschopf.Bilder: Melanie Bär

Susanne Scalia, die neue Leiterin der Finanzabteilung.

Susanne Scalia, die neue Leiterin der Finanzabteilung.

Markus Plapp ist als Mitglied der Finanzkommission gewählt.

Markus Plapp ist als Mitglied der Finanzkommission gewählt.

Wie sieht Spreitenbach im Jahr 2050 aus? Wie geht es dem Wald? Und wann kann die Bau- und Nutzungsordnung endlich öffentlich aufgelegt werden? Am Politapéro gab es Antworten.

«Wir sind Dorf und Stadt, das ist unsere Stärke», sagte Gemeindepräsident Markus Mötteli (Mitte) bei der Vorstellung des Leitbilds 2026–2029. Diese Stärke will Spreitenbach behalten, zusammen mit der Besonderheit, dass in Spreitenbach sehr viele Menschen mit verschiedenen Kulturen zusammenleben. Gleichzeitig will man die urbanen Chancen der Lage im Limmattal nutzen. Mehr Gewicht erhalten sollen zudem Kultur, Freizeit, Grün- und Naherholungsräume sowie eine nachhaltige Entwicklung. Das ambitionierte Ziel des Gemeinderats lautet: «Spreitenbach ist der Wunschwohnort Nummer 1.»

Zu den konkreten Vorhaben bis 2029 gehören unter anderem die erste Umsetzungsetappe des Neumattparks, die Klärung der Zukunft der Boostock-Turnhalle und zusätzliche Veranstaltungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Auch eine niederschwellige Anlaufstelle für Jugend, Familie und Alter sowie Angebote zur frühen Förderung sind vorgesehen. Auch Anlässe für die Bevölkerung sind geplant. «Denn sobald wir etwas organisieren, kommen die Spreitenbacher», sagt Mötteli erfreut.

Spreitenbach bleibt Besitzerin

Eine Strategie hat die Gemeinde auch mit ihren Immobilien. Das Portfolio kann sich sehen lassen: 69 Gebäude mit einem gesamthaften Versicherungswert von 162 Mio. Franken. 71 Prozent davon entfallen auf die Schul- und Bildungsinfrastruktur. «Die Gemeinde setzt auf erneuerbare Energie, strategisch wichtige Liegenschaften bleiben im Besitz der Gemeinde», sagt Gemeinderat Mike Heggli (parteilos). Mittels Software sollen alle Gemeindeliegenschaften erfasst werden.

Zu den wichtigsten Handlungsfeldern gehören Bildung, Sport und Freizeit sowie die Feuerwehr. Gemeinderat Mike Heggli veranschaulichte den Modernisierungsbedarf mit dem Beispiel des Feuerwehrgebäudes. Dort gebe es lediglich eine Damentoilette. «Das war vor zwanzig Jahren noch kein Problem, heute schon», sagte Heggli und sorgte damit für Lacher im Publikum. Daneben beschäftigen die Gemeinde unter anderem die Bibliothek, der Spycher und der Neumattpark.

1800 Schüler, 240 Lehrpersonen, 3 Schulstandorte, 17 Kindergärten

Vor einem grösseren organisatorischen Wandel steht auch die Schule Spreitenbach. Bis spätestens 2032 werden sieben von neun Mitgliedern der Schulleitungskonferenz altersbedingt pensioniert, ein grosser Teil bereits bis 2029. Damit droht viel Wissen und Erfahrung verloren zu gehen. Die Gemeinde will den Generationenwechsel nutzen, um die Führungs- und Verwaltungsstruktur grundsätzlich zu überprüfen. «Ziel der Analyse ist auch, die Schule weiterzuentwickeln und die Effizienz zu verbessern», sagt Verwaltungsleiter Patrick Geissmann. Er vertrat die Vizegemeindepräsidentin Doris Schmid (FDP), die ferienabwesend war.

«Der Wald hat Fieber»

«Wie geht es unserem Wald?», fragte Förster Peter Muntwyler in die Runde und gab die Antwort gleich selbst: «Er hat Fieber.» Vom trockenen und warmen Sommer geschwächt, ist der Wald besonders anfällig. Pilze, Insekten und Käfer setzen dem Wald deshalb besonders zu. Wie gross das Schadensausmass ist, wird sich im Frühjahr zeigen. Die langfristigen Folgen seien schwierig abzuschätzen. Besonders die Buche, die Muntwyler als «Mutter des Waldes» bezeichnete, gerate zunehmend unter Druck. Bäume könnten ihrem Standort nicht ausweichen, wenn es dort zu warm und trocken werde. Andere Arten wie die Kastanie kommen hingegen besser mit den Bedingungen zurecht. Muntwyler rechnet deshalb mit einer Veränderung des Waldes. «Die Buche verkriecht sich ins Alpengebiet», so der Förster. Er geht davon aus, dass sie in den nächsten Jahren in der Region verschwindet. «Das macht Respekt.»

Am Schluss informierte Mötteli darüber, dass die Gemeinde Ende August die Stellungnahme des Kantons zur Bau- und Nutzungsordnung (BNO) erhalten hat. «Wir werten aus und machen, wo nötig, Anpassungen.» Aus diesem Prozess ausgenommen ist die Weilerzone Heitersberg. Dort fehlt die rechtliche Grundlage, es braucht noch umfangreiche Abklärungen, wie eine Weilerzone aussehen soll. Um die Revision der BNO nicht weiter zu verzögern, wird diese Planung separat gemacht. «Damit wir die BNO hoffentlich im Frühjahr öffentlich auflegen können», sagt Mötteli.

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