70 Jahre Theaterleidenschaft und ein Papagei, der alles ausplaudert
Zum 70-Jahr-Jubiläum bringt die Theatergesellschaft Spreitenbach (TGS) die turbulente schweizerdeutsche Komödie «Hesch en Vogel?» auf die Bühne. Rasante Dialoge, überraschende Verwicklungen und Papagei Fridolin als heimlicher Star versprechen beste Unterhaltung.
Buchhalter Robert Binggeli (Fabio Snozzi) hat ein Problem: Sein Konto ist leerer als ein Kühlschrank am Monatsende. Da kommt der Vorschlag seines Cousins Carlo Stalder (Dodo Riolo) gerade recht – zumindest in Carlos Augen. Der ist nämlich notorischer Krimineller und überzeugt Robert, eine Bank auszurauben. Doch die Flucht läuft schief, und die beiden müssen sich in ihrer Not in einer Werbeagentur verstecken. Dort bleiben sie nicht lange unentdeckt. Um nicht aufzufliegen, verstricken sich die beiden Gauner in ein Lügengeflecht.
Zu allem Überfluss tauchen noch neue Kunden auf, der zerstreute Agenturinhaber Daniel Wagner (Guido Weber) sorgt für zusätzliche Verwirrung, und ein Papagei plappert unermüdlich genau das, was besser niemand hören sollte. Für die beiden Halunken wird der Agenturalltag zur turbulenteren Herausforderung als jeder Banküberfall.
Sieben Jahrzehnte Theaterleidenschaft
Die TGS blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1956 gründete Jakob Hirzel mit weiteren Theaterbegeisterten den Verein. Im legendären Sternensaal führte die damalige Theatercrew «Via Mala» auf. 1978 entdeckte auch sein Sohn Ueli Hirzel die Leidenschaft fürs Theater. Nach Schauspiel- und Regiekursen stand er selbst auf der Bühne und inszenierte zahlreiche Stücke. Zum 40-Jahr-Jubiläum gelang ihm mit «Belinda» ein besonderer Erfolg: Die TGS durfte das Schauspiel als Gastspiel im renommierten Bernhard-Theater in Zürich aufführen – mit Vater Jakob auf der Bühne.
Auch den aktuellen Dreiakter «Hesch en Vogel?» von Atréju Diener inszeniert Ueli Hirzel. «Regie bedeutet für mich, gemeinsam mit Menschen ein Stück zu interpretieren und den Texten Leben einzuhauchen», erklärt er. Entscheidend sei, mit Mimik, Betonung und Bewegung jede Szene lebendig werden zu lassen.
Vertraute Gesichter und neue Talente
Daniela Sieber kehrt für das Jubiläumsstück auf die Bühne zurück. Ihren ersten Auftritt bei der TGS hatte sie vor 37 Jahren. «An den Jubiläen bin ich immer dabei, alle zehn Jahre spiele ich mit», sagt sie schmunzelnd. Diesmal verkörpert sie die Frau des Agenturinhabers, die einen Blumenladen führt und Papagei Fridolin über alles liebt.
Familie Baumann ist ebenfalls prominent vertreten: Mutter Helga feiert 20 Jahre Theatererfahrung und spielt die Nonne Schwester Constanza, die Menschen wieder für die Kirche begeistern möchte. Tochter Yolanda steht zum dritten Mal auf der TGS-Bühne und versucht als neue Sekretärin, im turbulenten Agenturalltag den Überblick zu behalten. Die Theaterlaufbahn ihrer Schwester Jasmine begann einst mit dem Verkauf von Lösli. Mit 16 Jahren spielte sie bei der Jugendbühne Neuenhof, und vor drei Jahren verhalf sie der TGS zu neuem Leben. Im aktuellen Stück wirkt sie hinter den Kulissen als Co-Regisseurin und organisiert alles rund um die Inszenierung. Auf der Bühne verkörpert sie die durchgeknallte Influencerin Katy Flowervalley, die erkennt, dass das Leben mehr bietet als Instagram, Facebook und Tiktok.
Neu im Ensemble sind Dario Kalt und Rahel Rohr. Dario Kalt leiht dem gefiederten Star Fridolin seine Stimme, der in der Werbeagentur so manches aufschnappt. Rahel Rohr spielt eine Malerin, die sich selbst aber als Designerin sieht.
Mit «Hesch en Vogel?» feiert die TGS nicht nur ihr 70-jähriges Bestehen, sondern auch die Menschen, die den Verein über Jahrzehnte geprägt und mit Leben erfüllt haben.
Aufführungen
In der Turnhalle Boostock in Spreitenbach am Freitag, 6. und 13. November, sowie Samstag, 7. und 14. November. Türöffnung 18.45 Uhr, Beginn 20 Uhr. Warme und kalte Küche sowie Barbetrieb. Weitere Infos unter www.tgs-spreitenbach.ch










