Philipp Faur übernimmt das Kommando bei der Feuerwehr

Konflikte zwischen Feuerwehr und Gemeinderat sorgten für Schlagzeilen, danach blieb der Chefposten eineinhalb Jahre vakant. Nun übernimmt Philipp Faur das Kommando. Der 43-Jährige spricht über das zerschlagene Geschirr, seine Ziele und Feuerwehrnachwuchs aus der eigenen Familie.
«Feuerwehr ohne Kommandant»: Darüber sei in der Region schon fast ein Running Gag entstanden, sagt Philipp Faur. Damit ist nun Schluss. Am 18. September hat der 43-Jährige an der Hauptübung offiziell das Kommando der Feuerwehr Neuenhof übernommen.
Seit Ende des Jahres 2024 ist der Posten vakant. Nach dem Rücktritt von Johannes Santner führte Vizekommandant Thomas Schweizer die Feuerwehr interimistisch. Weil der 50-Jährige im Februar ins Solothurnische gezogen ist und Ende des Jahres sein Amt niederlegen wird, musste eine dauerhafte Lösung her. Dass diese Faur heissen würde, stand keineswegs von Anfang an fest. «Ich hatte grossen Respekt vor der Aufgabe», sagt der neue Kommandant. Schritt für Schritt übernahm er Aufgaben von Thomas Schweizer. «Ich merkte: Das ist lässig. Und ich spürte die Unterstützung meiner Kameradinnen und Kameraden.» Nach mehreren Monaten sei der Entschluss gereift: «Warum nicht? Wagen wir den Schritt.»
Faur bringt reichlich Erfahrung mit. 2004 trat der gelernte Elektromonteur und diplomierte Techniker Telekommunikation erstmals einer Feuerwehr bei – damals in Lenzburg. Seit 2013 ist er mit Unterbrüchen Teil der Feuerwehr Neuenhof. Faur war unter anderem Maschinist, Chauffeur und Atemschutzgeräteträger. Später wurde er Gruppenführer und Offizier. Beruflich arbeitet er im Bereich einsatzkritischer Kommunikationsinfrastruktur.
Faur übernimmt keine unbelastete Organisation. 2022 trat Kommandant Marcel Gerny und aktueller SVP-Gemeinderat nach einem Konflikt mit dem damaligen Gemeinderat zurück. Mehrere Offiziere und Feuerwehrleute verliessen danach das Korps. Insbesondere die Rolle der damaligen Feuerwehr-Ressortleiterin Petra Kuster Gerny (SVP) – die Stiefmutter von Marcel Gerny – und des früheren Kommandanten und aktuellen Vizeammanns Daniel Burger (parteilos) sorgte intern für Kritik.
Als Ende des Jahres 2024 erneut ein Kommandant gesucht wurde, erklärte ein interner Offizier gegenüber dieser Zeitung sogar, er würde den Posten nur übernehmen, wenn Kuster Gerny das Ressort abgebe und Burger die Feuerwehr verlasse.
Inzwischen ist der Gemeinderat neu zusammengesetzt, das Feuerwehrressort wird derzeit von Fred Hofer (FDP) geführt. Dieser hat jedoch kürzlich seine Demission bekannt gegeben. Hat die neue Konstellation in der Neuenhofer Exekutive Faurs Entscheid erleichtert?
«Beide Seiten haben sich die Finger verbrannt»
Er wolle die Vergangenheit nicht schönreden, sagt er. «Beide Seiten haben sich zwei-, dreimal die Finger verbrannt. Deshalb sind wir vorsichtig.» In seiner bisherigen Zusammenarbeit mit der Politik habe er jedoch keine Einmischung erlebt. Der Austausch funktioniere. «Nach dem vielen zerschlagenen Geschirr gehen beide Seiten respektvoller miteinander um», sagt Faur.Dass ehemalige Mitglieder nun wegen der neuen Führung zurückkehren, erwartet er nicht. Einige hätten sich inzwischen bei anderen Feuerwehren etabliert. Dennoch ist Neuenhof auf Verstärkung angewiesen. Derzeit zählt die Feuerwehr rund 70 Mitglieder, etwa zehn Prozent davon sind Frauen. Der Sollbestand liegt bei 73 Personen.Faur will die Organisation zunächst «festigen und gesund wachsen lassen». Durch die Turbulenzen und Austritte sei eine Lücke bei den 1980er-Jahrgängen entstanden. Jüngere Mitglieder sollen deshalb gezielt aufgebaut und geeignete Leute früher zu Gruppenführer- und danach zu Offizierskursen geschickt werden.
Gleichzeitig will Faur Brücken bauen – zu anderen Feuerwehren, aber ebenso zu Schulen, Vereinen und Firmen in Neuenhof. Nach Bekanntwerden seiner neuen Funktion hätten ihm Kommandanten umliegender Feuerwehren rasch die Hand gereicht. Gemeinsame Übungen und ein stärkerer Erfahrungsaustausch sollen folgen.
Auch in Neuenhof soll sich die Feuerwehr häufiger präsentieren. Damit will Faur neue Mitglieder gewinnen, vor allem Personen, die in der Gemeinde wohnen und arbeiten. «Sie sind wichtig für die Einsatzbereitschaft tagsüber.»
Kulturelle Vielfalt soll sich in der Feuerwehr widerspiegeln
Faur will überdies die kulturelle Vielfalt Neuenhofs nutzen. Das passt zu seiner eigenen Familiengeschichte: Sein Vater stammt aus Rumänien, seine Mutter aus Griechenland. Faur selbst wuchs in Zürich Höngg und später in Lenzburg auf. Vor rund 20 Jahren kam er nach Neuenhof – ursprünglich als «Notlösung», wie er lachend verrät.Faur bezeichnet sich als «Weltenbürger». Neuenhof mit seinen vielen Nationalitäten passe deshalb gut zu ihm. Diese Vielfalt würde er gern noch stärker in der Feuerwehr sehen. «Ich will integrieren und die Leute dazu bringen, mitzumachen und Verantwortung zu übernehmen», sagt er. Gerade die Feuerwehr könne Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen: Im Einsatz zähle nicht, woher jemand komme, sondern dass man sich aufeinander verlassen könne.
Bei einem Rundgang durchs Magazin schwärmt er von den Fahrzeugen, der Technik, dem Handwerk und der Kameradschaft. «Ich bin einfach gern Feuerwehrmann», sagt er. Und man glaubt es ihm sofort.
Diese Begeisterung hat Faur bereits weitergegeben. Seine 14-jährige Tochter ist Mitglied der Jugendfeuerwehr Baden. «Papi, wenn ich 18 bin, komme ich zu euch», habe sie ihm angekündigt.


