Stimmbürgerin: «Schönstes Gebäude in Neuenhof»: Gemeinde kann Villa Ermitage trotzdem verkaufen

Eine Stunde debattiert der Souverän über den Verkauf der Villa. Nun kann die Gemeinde einen Teil ihrer Schulden tilgen.

Mit Maske und Plexiglasscheiben: Der Neuenhofer Gemeinderat. Rahel Bühler
Mit Maske und Plexiglasscheiben: Der Neuenhofer Gemeinderat. Rahel Bühler

Um etwa 21 Uhr erreichte die Diskussion um den Verkauf der Villa Ermitage ihren Höhepunkt. Einige Votanten sprachen sich für den Verkauf aus: «Sie muss so schnell wie möglich weg. Sonst bringen wir die Schulden nicht herunter.» Andere nannten die sie «das schönste Gebäude in Neuenhof». Es müsse instand gehalten und dürfe nicht abgerissen werden. Während der Debatte stellte Einwohner Christoph Meier den Antrag, das Geschäft zu verschieben, bis klar sei, ob die Villa mit oder ohne Substanzschutz verkauft werden soll. Der Schutz ist in der BNO verankert und sorgt dafür, dass die Villa nicht abgerissen werden kann. Ein anderer Anwohner, Toni Benz, stellte den Antrag, diesen Schutz bei einem Verkauf zu behalten.

Nach einstündiger Debatte kam es zur Abstimmung: Die Mehrheit der 80 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmte sowohl gegen den Antrag von Meier als auch gegen jenen von Wiederkehr. Schliesslich nahmen 52 Personen den Antrag des Gemeinderats, die Villa zu verkaufen, an. 16 Neuenhofer waren dagegen. Jetzt wird die Gemeinde mit potenziellen Investoren in Kontakt treten und versuchen, einen möglichst guten Preis beim Verkauf der Villa und der beiden Parzellen, auf der sie steht respektive an die sie angrenzt, zu erzielen. Das ist das Ziel: Der Gemeinderat will das Geld, das er durch den Verkauf der Villa erzielt, nutzen, um die Schulden der Gemeinde zu verkleinern.

Die weiteren Entscheidungen

Auch traktandiert war die Jahresrechnung 2019. Sie schliesst mit einem Plus von 3,8 Millionen Franken ab. Grund dafür sind ausserordentlich hohe Steuererträge. «Wenn man so hohe Steuererträge hat, darf man auch mal etwas ‹blöffen›», meinte Finanzverwalter Hanspeter Frischknecht. Der Souverän nahm die Rechnung einstimmig an. Mit einer Gegenstimme sprach er sich auch für einen Kredit für den Rückbau zweier Schulpavillons und eines Kindergartens im Gebiet Hard aus. Das Neuenhofer Budget für das nächste Jahr sieht ein Minus von 1,5 Millionen Franken vor. Dies wegen kleinerer Beiträge aus dem Finanz- und Lastenausgleich und wegen Steuerausfällen, die der Coronapandemie geschuldet sind. «Wenn die Ausfälle so hoch sind wie erwartet, müssen wir uns weiter verschulden», sagte der Finanzverwalter. Auch, weil die Gemeinde ab 2021 grössere Investitionen plant. Die Stimmberechtigten nahmen das Budget mit einer Gegenstimme an. (rb)

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