Brandschutz stoppt Pläne im Spycher

Ehemaliger Wagenschopf dient gerade als Zwischenlager – nicht zur Freude aller.

Ehemaliger Wagenschopf dient gerade als Zwischenlager – nicht zur Freude aller.

Das Obergeschoss im Spycher kann aufgrund des Brandschutzes nicht als Eventraum genutzt werden.Bild: Melanie Bär

Das Obergeschoss im Spycher kann aufgrund des Brandschutzes nicht als Eventraum genutzt werden.Bild: Melanie Bär

Zwischengelagerte Möbel im denkmalgeschützten Spycher sorgen in Killwangen für Kritik. Sie sollen nun verschwinden. Gleichzeitig scheitert die Idee, das historische Gebäude für die Bevölkerung zu öffnen, am Brandschutz.

Weisse Mauern, dunkle Holzbalken, Giebeldach und Holztreppe: Das kleine Häuschen an der Verzweigung des Schürwegs und der Rütihaldenstrasse ist nicht zu übersehen. Wer den QR-Code an der Hausmauer scannt, erfährt, dass es sich beim Spycher um ein ehemaliges landwirtschaftliches Nebengebäude handelt, das möglicherweise 1818 entstand. Es wurde als Remise, Speicher, Werkstatt und zeitweise als Wohnraum genutzt, gehört der Ortsbürgergemeinde und ist denkmalgeschützt. «Der halb offene Bereich diente vermutlich als Wagenschopf», schreibt die Aargauische Denkmalpflege in ihrem Inventarbericht. Seit Monaten stehen darin Holztisch und Bänke. Damit werde der Spycher «verschandelt», schreibt Leserin Barbara Lang der «Limmatwelle». «Es wird nichts unternommen, um den unmöglichen Zustand in Ordnung zu bringen, was eine Schande ist», kritisiert die Einwohnerin Gemeinde und Ortsbürgergemeinde.

«Die Möbel gehören nicht dorthin. Wir haben es geduldet, weil wir angenommen haben, sie würden gleich wieder weggeräumt», zeigt Roland Maurer, Präsident der Ortsbürgerkommission, Verständnis für die Kritik. Die Gemeinde ist der Sache nachgegangen und hat festgestellt, dass es sich um ein Missverständnis handelt. Die Möbel gehören einer Privatperson, wurden neu lasiert, und anstatt sie an die Privatadresse zu liefern, hat sie der Gärtner irrtümlich im Spycher deponiert. Man werde nun dafür sorgen, dass der Eigentümer sie wieder entferne.

Schützenswert und schön

Man ist sich einig: «Der Spycher ist ein schützenswertes und schönes Gebäude, das man nicht verfallen lassen will», so Maurer. Der in Mischbauweise aus Stein und Fachwerk erstellte längliche Bau sei 1984 im Auftrag der Ortsbürgergemeinde sorgfältig instand gestellt worden, schreibt die Denkmalpflege. Weil sich insbesondere der Zwischenboden zum Obergeschoss in einem maroden Zustand befand und nicht mehr sicher begehbar war, liess ihn die Ortsbürgergemeinde kürzlich ersetzen.

Eine einfache traufseitige Holztreppe führt ins Obergeschoss, das mit Einzelfenstern und einer grosszügigen stirnseitigen Aufzugsöffnung ausgestattet ist. «Vermutlich hatte der nicht weiter unterteilte Raum seit jeher eine vielfältige Nutzung als Speicherraum, Werkstatt und womöglich auch als einfacher Wohnraum inne», heisst es im Bericht des Kantons. Heute wird er kaum mehr genutzt. Hin und wieder trafen sich dort die Ortsbürger für ihre Anlässe.

Vermietung ist ausgeschlossen

Roland Maurer brachte die Idee ein, die Räumlichkeiten künftig der Bevölkerung zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. Nach dem Brand in Crans-Montana waren die Ortsbürger auf das Thema Brandschutz sensibilisiert und liessen die Liegenschaft von einem Architekten einschätzen, der zugleich Brandschutzfachmann ist. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: «Für Anlässe sind die Brandschutzvorschriften klar nicht erfüllt», so Gemeindeammann Markus Schmid (Mitte). Roland Maurer wird die Ortsbürger an der nächsten Sitzung im Oktober darüber informieren.

Im halb offenen Erdgeschossbereich hätten sich auch schon Jugendliche getroffen und geraucht. Es gab Reklamationen aus der Nachbarschaft. Deshalb wurde im Frühjahr ein Rauchverbotsschild angebracht.

Derzeit gibt es also keine konkreten Pläne für eine Nutzung. «Wenn die Möbel weg sind, kann die Bevölkerung im unteren offenen Bereich immerhin vor dem Regen Unterschlupf finden», resümiert Roland Maurer.

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