«Das Gummiband, das zurückhält»

«Parkinson und Pinselstrich» heisst die Kunstausstellung von an Parkinson erkrankten Künstlerinnen und Künstlern. Tina Fischer aus Würenlos ist eine von ihnen.
Heute Abend findet die Vernissage von «Parkinson und Pinselstrich» in der Kunstwerkstube Baden statt. Die zwölf Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz leben alle mit der Diagnose Morbus Parkinson. Das Ziel ist es, auf die Krankheit und die damit verbundenen Herausforderungen aufmerksam zu machen.
«Wir haben ein Netzwerk von Parkinson-Betroffenen, vor allem von jung Betroffenen», erzählt Tina Fischer. Silvia Lerch hatte das Netzwerk «Move for young Parkinson Disease» gegründet. «Ein Mitglied, Urs Bratschi, hat die Ausstellung ins Leben gerufen. Er macht Pasta-Kunst.» Der Künstler hatte schon einmal in der Kunstwerkstube ausgestellt und fand, es wäre gut, einmal nur etwas für Parkinson-Betroffene zu machen. Und darüber zu informieren, dass nicht «nur» ältere Menschen daran leiden können.
Nicht nur Nicht-Mediziner hätten das Bild des alten, zitternden Mannes vor sich, der an Parkinson leidet. Dass auch junge Menschen wie sie betroffen sein könnten, daran denkt man weniger. Rund 10 Prozent der an Parkinson erkrankten Menschen sind unter 50 Jahre alt.
Feinmotorik wurde schlechter
Tina Fischer erhielt die Diagnose vor rund 7,5 Jahren. Die Logopädin und Mutter zweier erwachsener Buben stellte fest, dass ihre Feinmotorik schlechter wurde. Details wie Spaghetti drehen oder Zähne putzen wurden schwieriger. «Wie wenn man versucht, mit angezogener Handbremse loszufahren, oder wie ein Gummiband, das einen zurückhält», erläutert sie ihre Beobachtungen. «Parkinson fängt häufig einseitig an. Das war bei mir ganz extrem, es betraf die rechte Seite. Und es ist immer noch so, dass ich links weniger Symptome habe.» Man dachte zunächst an einen eingeklemmten Nerv, ehe ein Orthopäde fand, sie soll es von einem Neurologen untersuchen lassen, und da war es relativ schnell klar.»
Malen und Tischtennis
«Eine meiner Kraftquellen ist das Malen, Zeichnen und Gestalten», sagt Tina Fischer. Bereits in ihrer Kindheit und Jugend malte sie viel. Als sie die Parkinson-Diagnose erhielt, begann sie wieder mit Malen. «Das hat mich total reingezogen», erzählt sie.
Ein weiteres Hobby, das ihr guttut, ist das Tischtennis. Seit drei Jahren spielt sie bei PingPongParkinson Regionaltraining Nordwestschweiz. Der Sport fördert Koordination, Beweglichkeit und Konzentration. Die Krankheit verläuft bei jungen Patienten oft langsamer als bei älteren. Da die Menschen jedoch mitten im Leben stehen, beeinflusst dies das Familienleben und die Berufskarriere.
«Anfangs habe ich extrem viel gegoogelt. Mittlerweile schaue ich mir an, ob es in der Forschung etwas Neues gibt. Ich finde wichtig, sich darüber zu informieren, welche Möglichkeiten man hat. Es ist nicht nur eine neurologische Krankheit, sondern sie geht auf den ganzen Körper.» Nebst den motorischen Symptomen seien da diejenigen des vegetativen Nervensystems. «Deshalb finde ich es wichtig, dass man mit verschiedenen Fachärzten verknüpft ist.» «Ich habe einen langsamen Verlauf bis jetzt, ich kann noch sehr vieles machen. Ich muss meinen Alltag gut einteilen, denn ich habe Schlafstörungen und muss meine Energie für den Tag einteilen.» Grosse Unterstützung erhält sie durch ihren Mann und ihre beiden Söhne.
«Parkinson und Pinselstrich», Vernissage am 5. März, 18 bis 21 Uhr, Kunstwerkstube Baden. Die Ausstellung dauert bis zum 15. März.


