«Ideen entstehen in der Diskussion»

Warum die Medienunternehmer Peter und Michael Wanner an die Zukunft des Journalismus glauben und wie sie sich gegen Tech-Riesen wehren wollen.
18 Tageszeitungen, 10 Anzeiger, 10 TV-Sender, 11 Radiosender, 2 Zeitungsdruckereien, Online-Portale und rund 1800 Mitarbeitende. Das Portfolio von CH Media ist umfangreich. Und trotzdem sagte Verleger Peter Wanner am Gesprächsabend des Würenloser Kulturkreises: «Medien haben Einfluss, aber keine Macht. Macht haben Politiker, die entscheiden.» Um seine Aussage zu untermauern, nennt er den Links-Rutsch bei den Zürcher Stadtratswahlen Anfang Monat. «Die bürgerlich-liberale NZZ muss zuschauen, wie Zürich immer linker wird, obwohl sie dagegen schreibt.» Auch wenn er sich manchmal darüber ärgere, was in den eigenen Zeitungen stehe, so nehme er selbst keinen Einfluss auf den Inhalt, so Wanner.
Seine Ideen seien im Unternehmen hingegen fast schon berühmtberüchtigt, sagte Roman Würsch. Er hat den Anlass des Würenloser Kulturkreises mitorganisiert und jahrzehntelang bei CH Media gearbeitet. «Es gibt den einen und anderen Mitarbeitenden, der durchaus sagt, Peter Wanner solle sich etwas mehr mit der Strategie als mit dem Operativen befassen», verriet Würsch und sorgte damit nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Sohn Michael Wanner für Lacher.
Konkurrenz aus dem Silicon Valley
Seit April 2023 führt Michael Wanner das Unternehmen als CEO. Zuvor hat er die digitale News-Plattform Watson mitaufgebaut. «Wir waren die zwei Einzigen, die glaubten, dass wir Watson zum Laufen bringen. Alle anderen haben die Hände verworfen», erinnert sich Peter Wanner zurück. Nicht nur Watson wächst, sondern auch konkurrenzierende Online-Produkte. Vielfach ist der Inhalt kostenlos zugänglich. Hinter einigen stehen grosse Tech-Firmen. Michael Wanner schätzt, dass mehr als ein Drittel der rund 6 Milliarden Werbegelder aus der Schweiz an Unternehmen im Silicon Valley gehen. «Ohne dass sie Journalisten angestellt haben oder relevante Steuern zahlen in der Schweiz.» Sie füttern ihre Technologien mit journalistischen Inhalten. Andere kopieren Artikel und geben sie leicht abgeändert wieder. Eine mögliche Lösung sieht Wanner in einer Regulierung.
Trotzdem – oder gerade deswegen – glauben die Wanners an den Journalismus. Dieser liefere den Rohstoff und sei elementar für eine funktionierende Demokratie. «Deshalb ist es wichtig, dass es weiterhin bezahlte Medien gibt.»
Neue Kanäle für die Jungen
Im Gespräch wollte SRF-Sternstunde-Moderatorin Olivia Röllin wissen, wie das Unternehmen mit dem Spardruck umgeht. «Wenn wir gespart haben, dann möglichst wenig im Journalismus und erst zuletzt im Regionalen», antwortete Michael Wanner. Er zeigte sich optimistisch, dass auch Junge weiterhin Qualitätsjournalismus konsumieren werden. «Der Trick ist, dass wir schwere Themen wie Abstimmungen in den Formaten, der Tonalität und den Kanälen so verpacken und erklären, wie sie es sich gewohnt sind.» Trotz Herausforderungen in der Medienbranche sei für ihn schnell klar gewesen, dass er ins Familienunternehmen einsteigen und keinen externen Manager anstellen will. Zusammen mit zwei seiner drei Geschwister ist die Firma seit November 2025 im Besitz der fünften Generation. Anna Wanner ist Verwaltungsrätin und Vorsitzende des Publizistischen Ausschusses. Florian Wanner ist in der Unternehmensleitung und als Leiter Regionale Elektronische Medien tätig. Eine Tochter von Peter und Maja Wanner ist Ärztin.
Familie als Sparringpartner
Auch wenn Michael Wanner keinen Druck gespürt habe, ins Unternehmen einzusteigen, so sei es nicht immer einfach, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Dank externer Hilfe und guter Organisation gelinge es ihm und seiner Frau, die auch Unternehmerin ist. Auch der «Nonno» hilft mit. «Doch die Nonna macht mehr», fügt Peter Wanner lachend an.
Dafür steht er seinem Sohn mit unternehmerischem Rat zur Seite. Michael Wanner gesteht, dass man in der Chef-Position auch einsam sei. «Ich telefoniere viel mit Peter. Gute Ideen entstehen häufig in der Diskussion, meistens sind wir uns einig», sagt Michael Wanner. Denn schliesslich will auch die fünfte Generation ein starkes Unternehmensportfolio behalten, um auch in zehn Jahren gut dazustehen. «Mit unserer journalistischen DNA, einem starken Unterhaltungsteil und finanziell erfolgreich, damit wir investieren können.»


