«Hürden» belasten Amphibienretter

Seit mehreren Jahren kümmern sich Christian Anner und Raphael Spörri aus Würenlos um Amphibien. Die Frösche und Kröten werden über die stark befahrene Limmattalstrasse transportiert.
500 Meter lang ist der Zuzugzaun an der Grenze zu Oetwil. Amphibien wie Erdkröten und Grasfrösche wandern im Februar und März vom Wald am Hüttikerberg zum Laichgebiet an die Limmat. Damit die Tiere bei ihrer Reise auf der Strasse nicht überfahren werden, wurde vor sechs Jahren zum ersten Mal ein Zuzugzaun errichtet auf Initiative von Christian Anner und seinem Kollegen Raphael Spörri. Anner sagt: «Ich war schon immer am Naturschutz und an der Fauna interessiert, habe schon mit acht Jahren Fröschli gerettet», erzählt er. In Spreitenbach gab es mal eine grosse Zerstörung von Feuchtbiotopen, die zugeschüttet wurden, um bauen zu können. «Das ging dannzumal – in den 80er-Jahren – noch. Wir retteten Gelbbauchunken, die Art ist höchst gefährdet und heute sind die gesetzlichen Hürden auch höher.»
Was Christian Anner kritisiert: «Es werden immer mehr Hindernisse für die Amphibien gebaut.» Er spricht davon, dass die Strasse zwischen Würenlos und Oetwil immer stärker befahren wird. Sie wurde 2018 und 2019 verbreitert und mit einem Rad- und Gehweg sowie Stützmauern ausgestattet. Die Zugstelle der Amphibien fehlte in den KARK-Plänen und wurde darum bei der Planung der Strassensanierung nicht berücksichtigt. «Amphibienunterführungen sind in so einem Fall Pflicht», sagt Anner.
Unterführung am falschen Ort
Eine Privatperson meldete die Zugstelle beim Projektleiter, dieser rechtfertigte sich damit, dass gemäss KARK-Karte keine Zugstelle vorhanden ist, die Planung abgeschlossen und die Kredite gesprochen seien. Die Sache wurde vom Naturschutzverein Würenlos weiterverfolgt. Doch dann spielte vermutlich der «Kantönligeist» eine Rolle, weil die Strecke die beiden Kantone Aargau und Zürich betrifft. «Also baute man eine Amphibienunterführung in Würenlos. Nicht im Bereich des Waldes, nicht auf dem Weg zwischen Wald und Laichgebiet an der Limmat, sondern im Rebberggebiet. Ich ärgere mich sehr», sagt Christian Anner. Man habe zirka 50000 Franken für eine Amphibienunterführung ausgegeben, die sich am falschen Ort befinde. «Ich weiss nicht, ob dort jemals ein Fröschli untendurchgeht.»
Und dort, wo die Hauptzugstelle ist, hat man Stützmauern hingebaut. Wenn die Amphibien in Richtung Laichgebiet wollten, müssten sie teilweise über die Mauer hüpfen und auf dem Retourweg stehen die Amphibien zusätzlich an einem Randstein, welcher fast auf der gesamten Strecke erstellt wurde. Verheerend sei dies vor allem für die Jungtiere. «Die Jungtiere haben eine Grösse von 1 bis 2 Zentimetern, sie können den Randstein nicht mehr überwinden. Die Zugstelle wird sterben, prognostizierte mir ein Wildbiologe.» Und das Verrückte an der Geschichte: «Amphibien haben einen ähnlichen Schutzstatus wie Wolf und Luchs.»
Über 5000 Tiere waren es im 2023, die durch die eifrigen Helferinnen und Helfer die Kantonsstrasse unbeschadet passieren konnten. Der Kanton habe schliesslich für den Rückzug Aufstiegshilfen aus Eichen an den Stützmauern erstellt. «Wir wissen nicht, ob diese auch genutzt werden», so Anners Meinung.
Weitere Laichplätze im Wald
Deshalb ist Christian Anner dran, andere Lösungen zu finden. Eine davon wäre, dass die Tiere die «Reise» via Strasse gar nicht mehr machen müssten. «Es geht um weitere Laichplätze im Wald, da sind wir momentan dran. Das ist das grosse Thema, das mich beschäftigt. Ob bei der Strasse was geht, ist unklar. Die Zukunft ist ungewiss», sagt er. «Bekannt sind drei Laichplätze: Einen haben wir neu geschaffen, ich habe den Bau eines Weihers initiiert – organisiert wurde er durch das Forstrevier Oetwil und finanziert durch die Gemeinde Oetwil. Dieser Platz befindet sich auf Oetwiler Seite, am Bickbach, oberhalb der Zugstelle. Dort sind auch weitere Weiher geplant, jedoch noch nicht bewilligt. Dann gibt es in der Nähe des Hüttiker Parkplatzes einen Weiher, doch je nach Witterung trocknet dieser aus. Ich bin mittlerweile Mitglied des Naturschutzvereins Würenlos und wir sind dran, mit dem Naturschutzverein Hüttikon Kontakt aufzunehmen. Es ist das Ziel, Massnahmen zu planen. Ich bin dran mit dem Würenloser Förster auf Würenloser Boden einen Laichplatz zu verbessern, damit Amphibien dort vermehrt laichen könnten.» Allerdings sei dieser Ort Privatwald und man müsse mit den Eigentümern sprechen.
«Eine weitere Idee wäre es, Lebensraum an der Limmat zu schaffen. Dafür müssten die Gemeinden Würenlos und Oetwil Land erwerben und diese dem Naturschutz zur Verfügung stellen. Ich denke dabei an einen sehr breiten Heckengürtel angrenzend an die Limmat.»
Zurück zur Hilfe an der Strasse: «Der Februar war nicht schlecht, doch der März war viel zu trocken. Ende März war es dann zu kalt, dann ging auch wieder nichts. Wir waren lange zu wenig Helfende. Einige Helfer fielen dann aus gesundheitlichen Gründen aus.» Im Jahr 2025 schliesslich starteten sie einen Facebook-Aufruf in Würenlos, welcher schliesslich 15 neue Mitglieder brachte und ein Aufruf in der Limmatwelle ergab nochmals fünf weitere Helfende. «Jetzt sind wir 40 Leute und zirka die Hälfte davon ist sehr aktiv.»
Rund 24 Zugstellen im Kanton
Nebst Würenlos war gab es auch in Killwangen eine Zugstelle. Gemäss Sabine Kräuchi von der Koordination Amphibienzugstellen des Kantons Aargau habe sich die Lage in Killwangen beruhigt. «Jedoch sind die Amphibienwanderung und die Gefahrenstellen an Strassen im Kanton Aargau weiterhin ein Thema. Im ganzen Kanton gibt es immer noch ungefähr zwei Dutzend Zugstellen, an denen während der Wanderung von Grasfröschen und Erdkröten zahlreiche Freiwillige im Einsatz stehen, um die Amphibien sicher zu ihren Laichgewässern zu bringen», sagt sie.(LiWe/zVg)


