Vom Büro in den Klostergarten

Nach über zwanzig Jahren hatte sie genug: Martina Hauser kündigte ihren Job als Polygrafin. Statt Druckdaten aufzubereiten, pflegt sie heute den Garten im Kloster.

Martina Hauser hat sich bewusst für die Arbeit in der Natur entschieden. LiWe
Martina Hauser hat sich bewusst für die Arbeit in der Natur entschieden. LiWe

Motorsägegeräusche und Holzgeruch. Fast im Minutentakt längen die sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Klostergärtnerei die Stämme von Rot-, Blau- und Nordmanntannen ab, entfernen Laub, Gras und Farn. Schon bald werden die Weihnachtsbäume von der Klostergärtnerei auf den Rathausplatz transportiert. Ab Samstag verkaufen Freiwillige der Katholischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) dort die Bäume. Der Erlös geht an Sozialinstitutionen im In- und Ausland.

Zum zweiten Mal hilft auch Martina Hauser beim Paratmachen mit. «Es ist ein harter Job, aber ich bekomme viel retour», sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht. Die Kälte, das Draussen-Sein, das alles mache ihr nichts aus. Im Gegenteil: Sie hat sich bewusst für diese Arbeit in der Natur entschieden. «Ich musste etwas ändern», sagt die 47-Jährige. Nach der obligatorischen Schulzeit bildete sie sich als Schrift- und Reklamengestalterin aus und als Polygrafin weiter. Mit 45 hatte sie genug davon, Druckdaten für Kunden aufzubereiten. «Ich konnte immer weniger kreativ sein und wollte nicht mehr fast den ganzen Tag sitzen.» So rief sie den Leiter der Klostergärtnerei an. Zwei Wochen später hatte sie die Zusage für ein dreimonatiges Praktikum. «Die Arbeit mit den Händen, die Umgebung und das Team gefielen mir so gut, dass ich mich danach für eine fixe Stelle bewarb.» Dafür nimmt sie auch rund ein Viertel Lohneinbusse in Kauf. Seit einem Jahr arbeitet sie nun zu 80 Prozent in der Gärtnerei. Bereut hat sie den Wechsel nie – im Gegenteil: «Es gefällt mir so gut, dass ich am liebsten noch eine Zusatzlehre als Gärtnerin absolvieren würde.» Dafür würde sie auch in Kauf nehmen, mit Teenagern die Schulbank zu drücken. «Ich habe keine Berührungsängste und finde, dass es nie zu spät ist.» Auch von ihrem Umfeld habe sie ausschliesslich positive Reaktionen auf den Job-Wechsel erhalten. «Sie finden es mutig und super.» (LiWe)

Weihnachtsbaumverkauf vom 10. bis 23. Dezember auf dem Rathausplatz Wettingen. Montag bis Freitag von 9 bis 12 und 13.30 bis 18.30 Uhr und am Samstag von 9 bis 17 Uhr.

Weitere Artikel zu «Wettingen», die sie interessieren könnten

Gemeindeammann Markus Haas muss die Steuern erhöhen.
Wettingen16.09.2026

Steuerfuss soll 15 Prozent steigen

Der Gemeinderat schlägt das Budget 2027 mit einem Steuerfuss von 110 Prozent vor.

Gemeindeammann Markus Haas (FDP) sprach an der Medienorientierung zum Budget…

Gekonnt wird auf der Tanzfläche zur Swingmusik getanzt.
Wettingen16.09.2026

«Einmal im Jahr Party muss sein»

Die Wettinger Seniorinnen und Senioren zeigten am Herbstfest, dass sie noch lang nicht zum alten Eisen gehören. 430 Gäste liessen sich von der Argovia Swing…

Michelle Gusset mit den Zwillingskälbern Nala und Noa.Bild: MK
Wettingen09.09.2026

Wo Kuh und Kalb Familie sein dürfen

Die Mutterkuhhaltung ist in der Rindermast eine etablierte Nische. Auf Milchbetrieben ist sie noch selten. Ein Besuch auf dem Herterenhof.

Hofhund Nero liegt…