Umfrage soll Antworten liefern

Im Gespräch Bibliotheksleiterin Sabine Hofmann spricht mit einer Passantin am 28. August am Wochenmarkt.Bild: Melanie Bär
Im Gespräch Bibliotheksleiterin Sabine Hofmann spricht mit einer Passantin am 28. August am Wochenmarkt.Bild: Melanie Bär

16 Aargauer Bibliotheken nehmen an einer europaweiten Studie zu ihrer Bedeutung teil. Die Umfrage läuft in einer Zeit, in der die Bibliothek Wettingen im Fokus von Sparmassnahmen steht.

«Möchten Sie an der Umfrage teilnehmen», fragt Sabine Hofmann Ende August eine Frau und hält ihr einen Flyer hin. Die Leiterin der Gemeindebibliothek kommt am Wochenmarkt auf dem Rathausplatz mit Einwohnerinnen und Einwohnern ins Gespräch und macht auf die Publikumsstudie von Sentobib aufmerksam. Seit dem 24. August kann sich die Bevölkerung zur Gemeindebibliothek äussern. Das Ziel: herausfinden, welche Bedeutungen Bibliotheken für Nutzerinnen und Nutzer sowie für die Gemeinden haben, insbesondere für Alltag, Bildung, Kultur, Begegnung und Lebensqualität. 16 Bibliotheken im Kanton Aargau nehmen an der diesjährigen Umfrage teil, die letztes Jahr erstmals als Pilotprojekt durchgeführt wurde. Die europaweite wissenschaftliche Studie wurde in Zusammenarbeit mit Universitäten und nationalen Bibliotheksverbänden entwickelt.

Sparmassnahmen stehen zur Diskussion

Für die Wettinger Bibliotheksleiterin kommt die Umfrage zur richtigen Zeit. Im Rahmen der angespannten Finanzlage von Wettingen wird der Einwohnerrat am nächsten Mittwoch über Kürzungsanträge diskutieren, die unter anderem die Gemeindebibliothek betreffen. Die Finanzkommission schlägt dem Einwohnerrat vor, bei der Bibliothek gesamthaft 166 000 Franken zu streichen (Artikel S. 4/5). Dass die Umfrage gerade jetzt laufe, sei jedoch ein Zufall, sagt Hofmann. «Unabhängig von der ganzen Budgetdiskussion war mir klar, dass das für uns von Nutzen sein könnte.» So könne man zeigen, dass die Bibliothek an der Kapazitätsgrenze sei und mehr Raum benötige, um die grosse Nachfrage nach Sprach- und Leseförderungsangeboten für Kinder zu decken.

Längst sei die Bibliothek nicht mehr nur ein Ort, an dem Medien ausgeliehen würden: Sie wirke der Vereinsamung entgegen, leiste Integrationsarbeit und führe viele unterschiedliche Veranstaltungen durch, unter anderem zur Sprachförderung von Kindern. «Viele Kinder verfügen heutzutage über ein eingeschränktes Vokabular, weil sie zu Hause zu wenig kommunikative Interaktion erfahren. Lesen ist noch schwieriger. Die Bibliothek ist ein Ort, der hier entgegenwirken kann», so Hofmann. Die Bibliothek bekommt nicht nur Besuch von Eltern mit Kleinkindern, sondern auch von Lehrpersonen mit ihren Schulkindern, im Jahr 2025 waren es insgesamt rund 1900 Kindergartenkinder sowie Schülerinnen und Schüler. Bei älteren Personen steht der persönliche Kontakt und Austausch beim Bibliotheksbesuch im Vordergrund. Gemäss Rechenschaftsbericht gab es im Jahr 2025 74 551 Bibliotheksbesuche, 3744 aktive Kunden und 565 Neuanmeldungen. Seit vergangenem Jahr öffnet die Bibliothek ihre Türen in bisher geschlossenen Zeitfenstern, ohne Personal an der Infotheke. Gut 20 zusätzliche Stunden konnten der Kundschaft dadurch «geschenkt werden», heisst es im Rechenschaftsbericht.

Personal schneidet gut ab

Noch bis zum 24. Oktober kann man sich an der Umfrage beteiligen. Bereits einen Monat nachdem Hofmann auf dem Rathausplatz auf die Umfrage aufmerksam gemacht hatte, haben mehr als 434 Personen an der Umfrage teilgenommen. Darunter sind über 60 Personen, die keine Kunden der Bibliothek sind. Während man damit die Rücklaufqoute von 10 bis 30 Prozent bei den Abonnentinnen erreicht, will man noch mehr Leute befragen, die nicht Kunden sind. Das Bibliotheksteam will so herausfinden, was es brauchte, damit das Angebot genutzt wird.

Die Umfrage kann auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch durchgeführt werden. Es benötigt einige Minuten Zeit, um die Fragen zu beantworten. Abgefragt wird nicht nur das eigene Nutzungsverhalten, sondern auch Wünsche und Zufriedenheit mit dem Personal. Zu Letzterem hat Hofmann bereits erfreuliche Rückmeldung erhalten: 297 von 315 befragten Personen beurteilen das Personal als freundlich oder sehr freundlich, 291 sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Ansprechbarkeit des Personals, und 254 Personen würden die Gemeindebibliothek Familie, Freunden oder Bekannten weiterempfehlen. Die detaillierte Auswertung der gesamten Umfrage erhält Hofmann im November. Sie hofft, dass das Budget bis dahin nicht gekürzt wird und die Bibliothek das Angebot nicht reduzieren muss.

qr-code zur umfrage

Noch bis zum 24. Oktober kann man an der Umfrage teilnehmen und seine Meinung zur Bibliothek abgeben.

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