Soziale Dienste verzeichnen nicht viele neue Fälle wegen Covid-19

Die Arbeitslosenzahlen im Kanton Aargau steigen. Dies hat (vorerst) nur geringe Auswirkungen auf die kommunalen Sozialdienste.

Schalterbesuche bei den Sozialen Diensten sind derzeit nur begrenzt möglich. Dafür gibt es mehr Telefonate.CH Media/Archiv
Schalterbesuche bei den Sozialen Diensten sind derzeit nur begrenzt möglich. Dafür gibt es mehr Telefonate.CH Media/Archiv

Im März betrugt die Arbeitslosenquote des Kantons Aargau 3 Prozent. Dies geht aus der aktuellen Statistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) hervor. Im Februar betrug sie noch 2,7 Prozent. Dieser Anstieg scheint vorerst keine starken Auswirkungen auf die kommunalen Sozialen Dienste zu haben. 

Dies zeigt eine Umfrage in den Gemeinden Neuenhof, Wettingen und Spreitenbach: «Wir haben zwei bis drei coronabedingte Neuanmeldungen», berichtet Jelena Lolic, Leiterin der materiellen Hilfe des Sozialdiensts Neuenhof. Auch aus Spreitenbach heisst es: «Wir spüren im Moment noch nicht allzu grosse Auswirkungen.» Dies schreibt Marcel Lang, Gemeinderat und verantwortlich für das Ressort Sozialwesen. Die Sozialen Dienste Wettingen verzeichnen hingegen seit Jahresbeginn 14,5 Prozent mehr Gesuche. Laut Rudolf Hochuli, Leiter der Sozialen Dienste Wettingen, gibt es dafür mehr als eine Erklärung: «Nebst schlechteren wirtschaftlichen Bedingungen können auch familiäre Veränderungen und persönliche Schwächen dazu führen, dass jemand nicht mehr in der Lage ist, für sich zu sorgen oder seine Angelegenheiten selber zu erledigen.» 

Eine Erklärung für den ausbleibenden Anstieg in Neuenhof liefert Lolic: «Der Märzlohn wurde normal ausbezahlt.» Viele Arbeitnehmende würden mit dem Aprillohn erste Einbussen erhalten. Etwa, weil ihr Betrieb Kurzarbeit hat oder sie ihre Stelle verloren haben. «Wenn sich eine Person ihre Existenz dann nicht mehr sichern kann, wird es unter Umständen zu einem Fallanstieg in der Sozialhilfe kommen.»
Verliere man seinen Job, sei die erste Anlaufstelle immer jedoch die Regionale Arbeitsvermittlung (RAV) beziehungsweise die Arbeitslosenkassen, erklärt Lolic. Lang bestätigt: «Die Sozialen Dienste kommen als letzte Anlaufstelle zum Zug.» Geht ein Sozialhilfegesuch ein, muss der Sozialdienst zuerst überprüfen, ob er zuständig ist. Oder ob allenfalls die Arbeitslosenversicherung oder sonstige Erwerbsergänzungsleistungen zum Zug kommen. 

Der Betrieb in Wettingen sei ruhiger, aber die Abklärungen schwieriger

Jene Neuanmeldungen, die die Sozialen Dienste Neuenhof erhalten haben, sind laut Lolic vor allem von Selbstständigen und Menschen, die im Stundenlohn angestellt sind und ihre Stelle nun verloren haben.
Als die Coronamassnahmen Mitte April in Kraft traten, hätten die Sozialen Dienste Neuenhof auch einige Beratungsanfragen gehabt. «Das waren zum Beispiel Leute aus der Hotelbranche im Stundenlohn, die sich erkundigt haben, wie sie jetzt vorgehen müssen», so Lolic. Mittlerweile habe sich dies aber gelegt. 

Die Sozialdienste kümmern sich nach wie vor um ihre bisherigen Klienten. Sie können dies allerdings nicht mehr so oft persönlich tun. «Wir führen die Gespräche per Telefon durch», sagt der Spreitenbacher Gemeinderat Lang. Wer einen Termin will, muss sich vorher telefonisch anmelden. Auch Neuenhof und Wettingen machen die Beratungen telefonisch. In beiden Gemeinden gibt es allerdings die Möglichkeit eines Schalterbesuchs im Ausnahmefall. «So können wir die Klienten trotzdem persönlich beruhigen», erklärt Lolic. Der Schalter ist mit einem Plexiglas geschützt. Gerade bei Klienten mit psychischen Beeinträchtigungen sei es teilweise schwierig, bei einem Telefongespräch zu spüren, wie es ihnen gehe. Manchmal sei es auch nicht ganz einfach, jemandem, der schlecht Deutsch spricht, etwas per Telefon zu erklären. In Wettingen ist die Zeit am Schalter auf 15 Minuten begrenzt.

Rudolf Hochuli vom Wettinger Sozialdienst sagt, durch die wegfallenden Schalterkontakte sei der Betrieb ruhiger, die Abklärungen aber schwieriger geworden: «Es werden häufiger Anmeldungen per Post eingereicht. Dadurch fehlen häufig Unterlagen, die zur Klärung des Anspruchs notwendig sind. Diese müssen nachträglich eingefordert werden.»

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