Mit Walen nähert sie sich der Jugend

Die Wettinger Autorin Monica Cantieni veröffentlicht ihren ersten Jugendroman am 21. September. Warum ihr Buch junge Menschen zum Lesen animieren soll.

Der Jugendroman «Zwischen Leben» ist ab 21. September erhältlich. 
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Der Jugendroman «Zwischen Leben» ist ab 21. September erhältlich. sib

Schriftstellerin Monica Cantieni hofft, dass sich Jugendliche in ihrem Roman wiedererkennen.Sibylle Egloff

Schriftstellerin Monica Cantieni hofft, dass sich Jugendliche in ihrem Roman wiedererkennen.Sibylle Egloff

Die Wale Liv und Kat landen im Nirgendwo in einer Schleuse und merken, dass sie tot sind. Am Schalter bleiben die Optionen: nichts, Wiedergeburt, immer und ewig. Sie merken, dass sie nicht nur tot, sondern auch ausgestorben sind. So startet der neue Jugendroman «Zwischen Leben» der Wettinger Schriftstellerin Monica Cantieni. Eine irrwitzige Geschichte in Dialogform über die aktuellen Herausforderungen der Zeit: Artensterben, Klimawandel, Konsumgesellschaft und Chancengleichheit. Im Zentrum stehen neben den beiden Walen die Jugendlichen Sadri und Ben. Nach einem Unfall trifft Letzterer an der Schleuse auf Liv und Kat und ihre Leben verschmelzen zu einem.

Mit «Grünschnabel» wurde sie bekannt

Bekannt wurde Cantieni mit dem 2011 erschienenen Bestseller «Grünschnabel». An ihrem ersten Roman, der von einem Adoptivkind aus dem Immigrantenmilieu in den 70er-Jahren zur Zeit der Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach handelt, schrieb sie zehn Jahre lang. Für das neue, 60-seitige Werk benötigte die 58-Jährige acht Wochen. «Die direkte Dialogform vereinfachte den Schreibprozess», sagt die Autorin. Workshops des Goethe-Instituts Südasien, die sich den Themen Inklusion und Diversität im Literaturbetrieb der Jugendliteratur widmeten, inspirierten Cantieni dazu. Sie fragte sich, wie sie die Resultate daraus in einem belletristischen Jugendbuch umsetzen könnte, und schritt zur Tat.

«Beim Schreiben half mir meine jahrelange literarische Arbeit mit Schulklassen in der Schweiz und in Asien. Dank dieser Schulbesuche komme ich jungen Menschen nahe und erfahre, was sie beschäftigt.» Freundschaften, Beziehungen, erste Liebe, aber auch Hoffnungslosigkeit, soziale Missstände sowie Traumatisierung prägten ihre Welt, so Cantieni. Sie sieht es als Schreibende als ihre Aufgabe, diese Probleme zu benennen und zur Diskussion zu stellen. «Mit der Literatur generiere ich eine Plattform dafür. Zudem geht es auch darum, dass Jugendliche und ihre Anliegen ernst genommen und gesehen werden», sagt Cantieni.

So will sie bewirken, dass die Jungen das Handy und alle anderen Ablenkungen für die Lektüre beiseitelegen. Für sie ist klar: «Das schönste Kompliment für mich wäre, wenn sie sich im Text wiedererkennen.» Damit nicht nur der Inhalt, sondern auch die Sprache in «Zwischen Leben» Jugendliche anspricht, setzte die Autorin auch auf die Unterstützung einer ihrer Teenager-Söhne. «Ich liess ihn Probe lesen, und er wies mich auf gewisse Ausdrücke hin, die ich anpassen musste. Die Geschichte mit den beiden Jungs aus Bern gefiel ihm besonders», sagt Cantieni.

Dialogform soll Fremdsprachigen das Lesen ermöglichen

Wichtig ist Cantieni aber nicht nur, wie ihr Roman bei jungen Menschen ankommt, sondern auch, dass Erwachsene ihn ansprechend finden. «Er muss auch Lehrpersonen überzeugen und Spass machen, damit sie das Buch überhaupt im Unterricht behandeln.» Geeignet sei der Roman aufgrund der einfachen Sprache und der Dialogform auch für Fremdsprachige, die nicht über ein C2-Level in Deutsch verfügen. Also auch hier folgt der Text dem Inklusionsanspruch.

Ab dem 21. September ist «Zwischen Leben» im Handel erhältlich. Ob das Buch zu einem Bestseller wie «Grünschnabel» wird, steht in den Sternen. «Das ist wie bei einer Blackbox. Man weiss nicht, wie das Buch am Schluss rezipiert wird.» Nicht schlecht steht es um die Reichweite des Buches. «Ich habe bereits Angebote von den Goethe-Instituten in Kalkutta und Pune, den Roman in Bengali und Marathi zu übersetzen», sagt Cantieni. Damit befindet sich «Zwischen Leben» bereits vor Veröffentlichung auf den Spuren von «Grünschnabel». Das Buch wurde in sechs Sprachen übersetzt.

Egal, wie weit sich die Geschichte der zwei Wale und der beiden Freunde über den Globus spannt, so hofft die Autorin vor allem, dass der Inhalt zu Handlungen und Verhandlungen führt. Sei das im kleinen Rahmen in der Familie oder in der Schulklasse oder im grossen Rahmen in der Gesellschaft und der Politik. Denn für Cantieni ist eines gewiss: «Schreiben ist nicht nur meine Leidenschaft und mein Beruf, sondern ein politischer Akt.»

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