Die Unternehmer sind kreativ

Normalerweise herrscht im März und April Hochbetrieb bei Bauer Sport. Nun ist der Laden geschlossen. Untätig sind Geschäftsinhaber Severen Trösch und sein Team aber keineswegs. Wie viele andere Betriebsinhaber ist er kreativ, um das Geschäft trotzdem aufrechtzuerhalten.

Severen Trösch bei Bauersport, wo nur die Werkstatt geöffnet ist. Melanie Bär
Severen Trösch bei Bauersport, wo nur die Werkstatt geöffnet ist. Melanie Bär

Die Flyer für die Frühlingsausstellung Ende März waren gedruckt, die neuen Fahrräder, Sportbekleidung und das Zubehör im Laden parat. Doch der Start der Hochsaison muss warten. Seit dem Lockdown bleibt die Ladentür auch bei Bauer Sport geschlossen. Nur die Werkstatt ist offen. «Für uns kommt die Schliessung zum schlimmsten Zeitpunkt. Die dreitägige Ausstellung und der Verkauf in den darauffolgenden Wochen sind im Bike-Geschäft die wichtigste Zeit und machen einen grossen Teil der Einnahmen aus», sagt Severen Trösch. 

Der 29-Jährige hat vergangenes Jahr das Geschäft von Robin Bauer übernommen. Bauer ist seit Herbst mit seiner Familie auf Weltreise. Aufgrund der Krise hat er sein Abenteuer knapp drei Monate früher als geplant abgebrochen und kehrt in diesen Tagen von Australien nach Wettingen heim. 

Kurzarbeit statt Frühlingsausstellung und Firmenjubiläum

Statt dieses Jahr mit der Frühlingsausstellung das 40-Jahr-Jubiläum des Wettinger Familienunternehmens zu feiern, muss Geschäftsinhaber Severen Trösch nun sogar für einen Teil der zehn Mitarbeiter Kurzarbeit einreichen. Und trotzdem sei er dankbar, dass zumindest die Werkstatt offen bleiben dürfe – Fahrräder gelten als wichtiges Fortbewegungsmittel.

Statt den Kopf hängen zu lassen, greifen Trösch und sein Team jetzt zu ungewöhnlichen Mitteln. Die Verkäufer, die sonst Kunden im Laden beraten, holen die Fahrräder bei Kunden daheim ab und bringen sie nach dem Service in der Werkstatt wieder zurück. Der Werkstatttermin kann online oder telefonisch gebucht werden. Seit ein paar Tagen läuft zudem eine Gutscheinaktion: Wer für 90 Franken einen Gutschein bezieht, bekommt einen 100-Franken-Gutschein zugestellt. Über die Website des Importeurs können Kunden Produkte im Moment auch online bestellen und von Bauer Sport abwickeln lassen. «Wir müssen flexibel sein», sagt Trösch und fügt an: «Aber ich hoffe natürlich, dass die Kunden mit dem Kauf warten und es dann nachholen, wenn wir wieder offen haben.» 

Hofft, dass Schweizer ihr Geld später im eigenen Land ausgeben

Sollte sich der Verkauf nur verzögern und nicht minimieren, wäre der Schaden verkraftbar, sagt Trösch, der auf die Solidarität seiner Kundschaft hofft. Statt dem persönlichen Kontakt im Laden kommuniziert er im Moment telefonisch oder per Mail mit ihr. Die Mitarbeiter in der Werkstatt arbeiten auf Hochtouren und auch er selber sei wegen des administrativen Aufwands gefordert. Erholung findet er beim Biken. «Halt nicht wie vorher in der Gruppe, sondern alleine.» 

Er hofft, dass das dieses Jahr auch viele andere tun. «Und wer weiss, vielleicht verbringen dieses Jahr vielleicht auch mehr Leute ihre Sommerferien daheim und investieren das gesparte Feriengeld für Aktivitäten in der Schweiz oder sogar in ein neues Fahrrad, um damit die Schweiz zu erkunden.»  Er hofft es. Ebenso, dass er die verpasste Frühlingsausstellung ein paar Wochen verspätet nachholen darf. «Es hängt von den Weisungen des Bundesrats ab, die wir vollumfänglich unterstützen – auch wenn es unsere Branche hart trifft», sagt der Jungunternehmer. 

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