Auf zu Nachbars Lumpi

Im Museum Eduard Spörri wirds animalisch. Die Ausstellung öffnet die Tore zur tierischen Kunstwelt.

Eine wahre Schönheit findet sich im Museum ein.   zVg
Eine wahre Schönheit findet sich im Museum ein. zVg

Das Tierreich und die Kunstwelt sind zwei untrennbare Pole der Gesellschaft. Sämtliche Kulturen verehrten ihre Götzenbilder oder tun es heute noch. Man denke an die Steinreliefs an den babylonischen Bauten oder im pharaonischen Ägypten oder an die atemberaubend schönen Höhlenmalereien in Frankreich und Spanien. Noch heute zieren vergoldete Tiere Stupas in Indien und Nepal. Doch nicht nur als Sprache in Hieroglyphen oder als Götzenbilder funktionieren Tiere gut. In Trickfilmen und Fabeln nehmen sie gar menschliche Züge an, mimen unsere Gestik und sind uns vertraut. Donald Duck, Goofy, Pluto: Tiere schliessen wir zuweilen in unser Herz, so wie damals das wuschelige Eisbär-Baby Knut. Tiere können derweilen auch symbolgeladen erscheinen. So die Friedenstaube, der schlaue Fuchs oder der Hund als Treuesymbol. In unserer Kulturgeschichte ist das Tier omnipräsent. Was fasziniert uns Menschen denn so an unseren engen Begleitern, ob zu Hause, in der freien Wildbahn, im Zoo oder eben im Museum?

Tiere begeistern Künstler

Beim Überblicken von Eduard Spörris Werk wird seine Freude an Tieren schnell deutlich. Auf Bleistiftskizzen, Kohlezeichnungen, als Gipsmodelle und Bronzegüsse hat der Wettinger Künstler Hund, (Wild-)Katze, Pferde und Stier verewigt. Sein Strich zeigt Detailtreue und Feinheit, seine Modelle Kraft und Dynamik – auf Papier wie auch als Brunnenfiguren auf Dorfplätzen weit über seinen Geburtsort Wettingen hinaus.

Marc Philip Seidel, Kurator der aktuellen Ausstellung «WAU! Tiere als Kunst» ging also von Spörris Tierwelt aus und suchte in seinem unmittelbaren Umfeld, bei seinen Künstlerfreunden und Zeitgenossen wie Turo und Giuliano Pedretti, die eine enge Freundschaft verband, oder seinen Nachbarn und Berufskollegen Walter Huser. Eine wunderbare kleine Zeichnung von Giovanni Giacometti zeigt ein Pferdegespann und einen Hund, der genüsslich an den Karren pinkelt. Ein Geschenk vom bedeutenden Bündner Künstler an dessen Freund Turo Pedretti. Das Künstlergen geerbt hat Lea Jaecklin. Ihr grosses blaues Gemälde mit den bellenden Hunden ist inspiriert vom ebenfalls ausgestellten Aquarell «Hund und Mond bei Pontresina», einer poetische Arbeit ihres Grossonkels Turo Pedretti. Die Ausstellung wird hervorragend erweitert in Farben, Formen und Techniken bis ins Heute. Vom Figürlichen ins Abstrakte schafft die junge Künstlerin Aletheia Zoeys den Spagat. Ihr chromglänzendes Porzellanhündlein drückt augenzwinkernd eine geläufige Redeweise aus: «Hier liegt der Hund begraben». Das Wursträdlein bei der Pfote des wurstförmigen Objekts dürfte eine ironische Sinnebene haben.

Ein Zeichen für den Frieden

«1000 Kraniche» aus Papier ist eine langfristig angelegte Performance, die am Eröffnungstag beginnt. Dominik Lipp wird da im Museum bunte Papiervögel als Friedenssymbol falten. Wer Lust hat, mitzufalten, ist herzlich eingeladen. Das Ausstellungsplakat zeigt im Hintergrund unzählige bunte Kraniche und nimmt diesen friedvollen Ansatz. (rfb/zVg)

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