Wettingen
29.01.2020

2021 wollen sie den Atlantik überqueren - mit einem Rudermot

«Helvetic Waves» nennt sich das Ruderteam, das an der «Talisker Whisky Atlantic Challenge» teilnehmen will. Bis dahin haben sie noch einiges vor.

Von: rahel Bühler

1400 Kilometer Atlantik. Von der kanarischen Insel La Gomera nach Antigua in der Karibik. Drei Brüder, ein Cousin, ein Ruderboot. Das ist die Kurzvariante des Projekts. Die lange lautet so:

Die Hochseeregatta «Talisker Whisky Atlantic Challenge» führt über den Atlantik. Das jedes Jahr stattfindende Rennen gilt als eines der härtesten Ruderrennen der Welt. 2019 nahmen 35 Boote daran teil. Die Brüder Stocker, das sind Peider, 17, Sebastian, 22 und Georg, 25, sowie ihr Cousin Matthias Odermatt, 20, haben sich die Teilnahme an diesem Rennen im Dezember 2021 zum Ziel gemacht. Zusammen sind sie «Helvetic Wave». Das Spezielle: Vorher hat keiner von ihnen gerudert. «Ich habe schon immer die Herausforderung gesucht», sagt Georg beim Interview im Ruderclub Baden. Dort sind die vier extra für ihr Projekt Mitglied geworden. Die drei Brüder stammen aus Wettingen, Matthias aus Hunzenschwil.

Angefangen hat alles im Sommer 2018. Damals hat sich Georg seit einem halben Jahr mit Videos des Rennens befasst. Die Faszination war geboren. «Auch mich hat es von Anfang an gepackt», sagt Sebastian. Peider habe ebenfalls nicht gezögert, als ihm seine Brüder von der Idee erzählt haben. Der Vierte im Boot, Matthias, ist selbst auf die Brüder zugegangen, als er von der Idee hörte.

Seit November 2018 sind sie am Trainieren. Alle vier sind sportlich. Zuerst mussten sie das Rudern jedoch erlernen. Jetzt geht es darum, fit zu bleiben: Alle trainieren mehrmals pro Woche. Georg sagt, er trainiere sechs bis sieben Mal pro Woche. Mit einem strikten Zeitplan bleibe etwas Freizeit übrig. Je näher der Start rücke, desto weniger. Georg und Sebastian studieren, Matthias beendet im Sommer seine Schreinerlehre, Peider lernt Maurer. Für ihr Abenteuer werden sie entweder ein Zwischensemester einlegen oder unbezahlten Urlaub nehmen.

Nebst dem sportlichen Fit-Halten gibt es viel für die Reise vorzubereiten: Deshalb nehmen sie auch noch nicht im Dezember 2020 teil. Sie haben einen Verein gegründet. Ihr Budget beträgt 175000 Franken. Derzeit sind sie auf Sponsorensuche. Das Geld brauchen sie unter anderem für Material, das Boot, Verpflegung. Alles, was nach dem Rennen übrig bleibt, spenden sie der IG Familie 3+, einer Organisation, die Familien mit mehr als drei Kindern unterstützt. Alle vier kommen aus Grossfamilien. Ihr nächstes grosses Ziel ist der Kauf des Boots: ein hochseetaugliches Ruderboot, mit Schlafkabinen und Solarpanels. Kostenpunkt: etwa 75000 Franken. Damit wollen sie vor dem Rennen auch auf dem Meer trainieren. Im September werden sie Kurse in England absolvieren, damit sie an der Challenge teilnehmen können: unter anderem einen Seerettungs- und einen Seenavigierungskurs. «Wir werden uns mit anderen Teams austauschen», sagt Gregor. Jeder der vier wird auf See eine andere Rolle haben. Georg wird der Captain sein.

Während des Rennens werden immer zwei Personen rudern. Während zweier Stunden. Die anderen haben Pause. Trainieren könne man diesen Schlafrhythmus nicht, sind sie sich sicher. Essen werden sie getrocknete Nahrung, die mit Milch angerührt ist.

Wieso tun sich die vier dieses extreme Rennen an? «Um aus dem Alltag auszubrechen, etwas durchzuziehen, stolz zu sein», sagt Matthias. Die anderen nicken. Angst? «Vor den Präsentationen danach», sagt Peider. Angst vor Streit hätten sie nicht. «Steckt jemand in einem mentalen Loch, können wir uns immer gegenseitig aufmuntern», sagt Georg. «Etwas Angst habe ich vor dem Moment, wenn wir mitten in der Nacht einen technischen Defekt erleiden», meint Sebastian. Trotzdem: Aufgeben kommt für die vier nur bei einem medizinischen Notfall infrage. Vorfreude herrsche schon jetzt: auf die Natur und das Ankommen in der Karibik.