Wettingen
07.11.2019

Die «Oase» wirft viele Fragen auf

980 Millionen Franken kostet das umstrittene Verkehrskonzept für die Region Baden- Wettingen.

Rahel Bühler

Das regionale Verkehrskonzept «Oase» bewegt. Etwa 150 Personen fanden den Weg in die Aula der Berufsschule Baden. Die Fragerunde am Schluss dauerte aber fast länger als die Präsentation selbst. Die «Oase» ist das regionale Gewesamtverkehrsprojekt Ostaargau. Es ist in drei Gebiete eingeteilt: Raum Brugg-Windisch, unteres Aaretal und Raum Baden-Wettingen. Regierungsrat Stefan Attiger und Fachleute vom Departement für Bau, Verkehr und Umwelt informierten vergangene Woche über das Vorhaben im Raum Baden.

Im Verlauf des Abends betonte Attiger immer wieder, es handle sich noch nicht um ein konkretes Projekt. Ebenso oft hoben die Protagonisten die Dynamik der Region hervor: «Unsere Region wird eine massive Entwicklung durchmachen. Darauf müssen wir vorbereitet sein», sagte etwa Roland Kuster, Präsident des Planungsverbands Baden Regio und Gemeindeammann von Wettingen.

Laut Richtplan soll die Bevölkerungszahl in der Region im Jahr 2040 30 Prozent grösser sein als heute. Das bringt mehr Verkehr mit sich. Deshalb sieht die «Oase» im Raum Baden mehrere Lösungen vor. Der Kanton will das Velofahren mit zusätzlichen Wegen, sogenannten Velovorzugsrouten, attraktiver machen. Zudem müsse in die Sicherheit des Velofahrens investiert werden, sagte Carlo Degelo, Leiter der kantonalen Abteilung Verkehr. Deshalb sieht der Kanton vor, Velostreifen von 1,20 Metern auf 1,80 Meter zu verbreitern.

Der Kanton will auch die S-Bahn ausbauen. Angedacht sind unter anderem ein 15-Minuten-Takt und eine neue Haltestelle im Tä- gerhard in Wettingen. Auch die Verlängerung der Limmattalbahn (LTB) von Killwangen nach Baden war ein Thema am Informationsanlass. Es sei immer klar gewesen, dass die Bahn bis Baden führen werde, sagte der Baudirektor. Sie sei keine Konkurrenz zur S-Bahn oder zu den interregionalen Zügen, sondern eine Ergänzung. Quasi wie ein Bus. Nur könnten Busse die Pendlerzahlen bei einem Bevölkerungswachstum von 30 Prozent nicht mehr schlucken. Dies soll die LTB übernehmen. Derzeit läuft ein separates Anhörungsverfahren dazu.

Die grössten «Oase»-Baustellen werden wohl die Umfahrung Baden West und die Umnutzung der Hochbrücke in Baden sein. Es soll einen zweispurigen Umfahrungstunnel durch den Martins- und den Chrüzlibergtunnel geben, der die Stadt entlastet. So soll der Verkehr aus Siggenthal Richtung Autobahnzubringer Neuenhof umgeleitet werden. Dafür wird die Bruggerstrasse, die heute die Innenstadt meist vierspurig quert, auf zwei Spuren zurückgebaut.

Die Hochbrücke in Baden soll in Zukunft nur noch für Velos, Fussgänger und den öffentlichen Verkehr, inklusive LTB, zugänglich sein. Autos und Lastwagen müssen den Tunnel benutzen. Dies allerdings nur, wenn die Limmattalbahn tatsächlich bis Baden weitergeführt wird. Als Konsequenz dieser Umnutzung würde der Kanton eine neue Limmatbrücke für Autos und Lastwagen bauen.

Das Vorhaben im Raum Baden-Wettingen kostet 980 Millionen Franken. Seit dem 18. Oktober läuft nun die öffentliche Auflage. «Es geht darum, die Bevölkerung anzuhören», sagte Attiger. Im Anschluss entscheidet der Grosse Rat über die Festsetzung im Richtplan. Erst dann kann das Baudepartement mit der konkreten Planung beginnen.

In der Fragerunde wurden mehrere Verständnisfragen zum Vorhaben gestellt. Es gab aber auch viele kritische Stimmen. «Ich glaube nicht, dass das Vorhaben unsere Lebensqualität fördert», monierte ein Votant. Zwei Neuenhofer meinten, ihre Gemeinde brauche die LTB gar nicht. Der S-Bahn-Ausbau reiche. «Wir wollen, dass der 12er-Bus Richtung Spital ausgebaut wird», sagte eine Neuenhoferin. Ein Wettinger kritisierte die geplante Linienführung der LTB durch die Geisswies. Aus der Fragerunde ging auch hervor, dass die Gemeinden Wettingen und Baden Vorbehalte gegenüber dem Projekt haben.

Der zweistündige Anlass reichte nicht, um alle Fragen zu beantworten. «Nutzen Sie die Chance. Nehmen Sie an der Anhörung teil», forderte Attiger die Bevölkerung auf. Die Unterlagen liegen im Bezirkshauptort Baden öffentlich auf und sind auf der Website des Kantons zu finden.