Wettingen
07.08.2019

Kampf gegen Neophyten: Die Schöne ist ein Biest

Werkhof-Mitarbeiter Sämi Wälchli reisst das einjährige Berufkraut aus. Es hat Ähnlichkeit mit der Kamille. zVg

Werkhof-Mitarbeiter Sämi Wälchli reisst das einjährige Berufkraut aus. Es hat Ähnlichkeit mit der Kamille. zVg

Das einjährige Berufkraut ist hübsch anzusehen, gehört aber zu den Neophyten. Wie kann man es bekämpfen?

Rahel Bühler

Rein optisch könnte das einjährige Berufkraut mit der Kamille verwandt sein: Die äusseren Blüten sind weiss und grob gezähnt. Jene im Inneren weiss. Die Blätter sind hellgrün und flaumig behaart. Insgesamt wird die Staude etwa einen Meter hoch. Mit der Kamille hat sie aber gar nichts zu tun. Das Kraut gehört zu den Neophyten. Also zu jenen gebietsfremden Pflanzen, die sich invasiv verhalten.

Auch in Wettingen hat sich das Berufkraut angesiedelt. Mehrere E-Mails hat der Werkhof Wettingen in diesem Jahr bereits erhalten, die auf das Vorkommen der Pflanze aufmerksam machen. Werkhofleiter Remy Monney ist sich des Problems bewusst: «Das Berufkraut breitet sich in der ganzen Gemeinde stark aus. Es wächst sehr aggressiv und verdrängt einheimische Arten.» Es gäbe gar Wiesen, auf denen nur noch das Kraut blühe.

Der Werkhof ist für die Neophytenbekämpfung auf Gemeindegebiet zuständig. Die Mitarbeiter des Werkhofs reissen die Pflanzen aus und mähen die Parzellen. Beide Bekämpfungsmethoden haben laut Monney ihre Vor- und Nachteile: «Das Jäten ist zeitaufwendig, aber effektiv. Wenn eine Pflanze ausgerissen wurde, kommt sie sicher nie mehr. Mähen ist schneller. Es kann aber sein, dass das Kraut im nächsten Jahr wieder an derselben Stelle nachwächst.» Der Grund dafür ist der Folgende: Wird das Berufkraut vor dem Absamen gemäht, also etwa im Juli, so können sich die Samen nicht weiter verbreiten. Nach dem Absamen sei jäten die einzig sinnvolle Bekämpfungsvariante.

Viele der betroffenen Parzellen gehören indes nicht der Gemeinde, sondern Privatpersonen. Stark betroffen sind die Gebiete nordwestlich der Staumauer und im Übergang der Siedlung zum Rebberg. «Das Berufkraut ist grundsätzlich eine schöne Pflanze. Viele Leute sehen sie nicht als fremdländisch an und denken gar nicht daran, dass sie einheimische Arten vertreiben könnte.» Bislang konnte der Vormarsch des Krauts nicht eingedämmt werden. Monney: «Um dies zu erreichen, müssen Grundstückbesitzer auf allen betroffenen Gebieten alle aufkommenden Berufkräuter entfernen.»

Auch im Einwohnerrat waren die Neophyten schon mehrmals Thema. So etwa im Oktober 2018. «Die Neophytenbekämpfung wird vom Werkhof tagtäglich im ordentlichen Unterhalt gemacht und ist auch dort budgetiert», sagte damals Gemeinderätin Kirsten Ernst. Auch die Landwirte und der Forstbetrieb seien in die Bekämpfung involviert: Die Landwirte würden ihre Wiesen und Äcker behandeln, die Forstwarte den Wald. «Sollten in privaten Gärten Neophyten vorkommen, dürfen sich die Eigentümer für eine Beratung beim Werkhof melden», sagte Ernst damals weiter.

Für die Bekämpfung des einjährigen Berufkrauts hat Monney folgende Tipps: «Man kann sie zwischen Mai und Oktober alle drei bis vier Wochen vorsichtig ausreissen. Oder man mäht die Wiese vor der Blütezeit. So kann das Absamen und die Verbreitung auch verhindert werden.»