Wettingen
30.06.2021

Der Schulraum ist knapp

Beat Brändli (Die Mitte) nach seiner Inpflichtnahme im Rat.   Melanie Bär

Beat Brändli (Die Mitte) nach seiner Inpflichtnahme im Rat. Melanie Bär

Vor einer Woche befasste sich der Einwohnerrat mit der Schulraumplanung 2016–2030 und diversen Kreditanträgen und -abrechnungen.

Von: Melanie Bär

«Handlungsbedarf bei der Schaffung von Schulraum», so das Fazit des Gemeinderats und der Schulpflege im Bericht zur Schulraumplanung bis 2030 und zum Monitoring 2021. Als Gründe werden darin das Bevölkerungswachstum, die Siedlungsentwicklung und die Umsetzung des Lehrplans 21 genannt. «Diese Effekte zusammen führen zu diesem Bedarf», sagte Gemeinderat Sandro Sozzi (Die Mitte). Gabriela Keller (FDP) fand, dass der Bericht keine neuen Erkenntnisse gebe: «Der Schulraum ist und bleibt knapp.» Sylvia Scherer regte im Namen der SVP an, die Bezirksschule abzureissen und stattdessen ein Oberstufenzentrum zu bauen. «Das ist ein spannender Input», so Sozzi und versprach, diese Vision aufzunehmen. Alain Burger (SP) gab zu bedenken: «Dies alles wird es nicht kostenneutral geben.» Lara Rüfenacht (Die Mitte) kritisierte das späte Reagieren: «Es ist absolut sträflich, dass die Schülerzahlen von Wettingen und Neuenhof zum wiederholten Mal von der Schulraumplanung ausgeklammert worden sind.» Zum gleichen Thema regte Orun Palit (GLP) an, dass eine Leistungsvereinbarung mit diesen Nachbargemeinden zu treffen sei: «Das Schulgeld muss weiterhin nach Wettingen fliessen, nicht dass wir die Infrastrukturkosten übernehmen müssen.» Sozzi erwiderte, dass der Gemeinderat mit den beiden Gemeinden eine Schulgeldvereinbarung mache, um eine langfristige Zusicherung zu erhalten. Lukas Rechsteiner (EVP) forderte einen klaren Plan vom Gemeinderat, «damit wir der Bevölkerungsentwicklung voraus sind und genug Raum für Reserve einplanen können».

Auch der Altbau wird saniert

Vergangenes Jahr war die Liegenschaft an der Schartenstrasse 42 mit einem Anbau erweitert worden. Aus Kostengründen und aufgrund der Priorisierung sei im Zuge des Anbauprojekts auf eine Energiesanierung des Altbaus verzichtet worden, heisst es im Bericht. Das negative Ausmass des energetischen Zustands des Altbaus werde durch den neuen Erweiterungsbau nun umso deutlicher. Diesen will der Gemeinderat nun mit einer Sanierung beheben. Mit grosser Mehrheit stimmte der Einwohnerrat dem Kredit von 350000 Franken für diese Sanierung zu. Nicht jedoch, ohne vorher gewissem Unmut Raum zu geben. Ursi Depentor (Die Mitte) erwartet, dass mehr in die Zukunft geschaut werde, anstatt nur an morgen oder übermorgen zu denken. Auch die SVP zeigte sich von der «Salamitaktik» enttäuscht, wie Peter Lütolf das Vorgehen nannte: «Die baulichen Massnahmen hätten mit vernünftiger Planung des Alt- und des Neubaus gemeinsam realisiert werden können.» Auch Manuela Ernst (GLP) ist der Meinung, dass die Arbeiten «in einem Wisch» hätten gemacht werden können. Diese Gratisratschläge ärgerten Leo Scherer (Wetti­Grüen): «Diejenigen, die jetzt reden, haben damals gesagt, es müsse weniger kosten.» Sie hätten systematisch bekämpft, dass der Gemeinderat weitsichtig und währschaft planen und das Projekt überarbeiten konnte.

Bibliotheksausleihe wird modernisiert

Zustimmung fand auch der Kreditantrag von 180000 Franken für die Erneuerung der Ausleihe in der Gemeindebibliothek. Mit dem Geld soll die Ausleihe im Erdgeschoss erneuert werden. Künftig sollen die Besucherinnen und Besucher ihre Medien selbst verbuchen können. Das Personal soll stattdessen vermehrt in die Beratung und die Intensivierung des Service am Kunden investieren. Christa Camponovo (SP) begrüsste diesen Schritt, der mehr Kapazität zur Leseförderung als Kerngeschäft ermögliche: «Es ist mehr Vermittlung und Beratung nötig.» Auch alle anderen Wortmeldungen waren im Sinne der Kreditsprechung. Die SVP stellte einzig den Antrag, den Betrag von 9000 Franken für Unvorhergesehenes zu streichen. Mit 13 Ja- und 31 Nein-Stimmen wurde dieser Antrag aber deutlich abgelehnt.

Unbestritten waren auch die Kreditabrechnungen für den Neubau eines Turnhallentrakts mit Dreifachturnhalle im Margeläcker. Dort gab einzig die vergessene Photovoltaikanlage zu reden. Man war sich einig: Nie wieder soll ein derart grosses Dach ohne eine solche Anlage gebaut werden. «Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche», sagte Gemeinderat Martin Egloff (FDP).