Wettingen
11.11.2020

Margrit Wahrstätter war schon zweimal in Quarantäne: «Man fühlt sich wie ein Tier»

Margrit Wahrstätter im Wohnzimmer ihres Hauses in Wettingen, wo sie zweimal zehn Tage in Quarantäne war. Gaby Kost

Margrit Wahrstätter im Wohnzimmer ihres Hauses in Wettingen, wo sie zweimal zehn Tage in Quarantäne war. Gaby Kost

Die Wettingerin verbrachte bereits zweimal zehn Tage in Quarantäne, ihr Mann ist an Covid-19 erkrankt.

Von: Melanie Bär

Am einem Samstag im September ist Margrit Wahrstätter aus ihren Veloferien zurückgekehrt. Am Sonntagabend erhielt sie eine E-Mail vom Contact Tracing Center des Kantons. Darin wurde Wahrstätter informiert, dass eine Person aus dem Velolager positiv auf Covid-19 getestet worden sei und sie am nächsten Tag von einem Mitarbeiter des Kantons kontaktiert werde. Er wollte wissen, ob sie sich zu besagter Person länger als 15 Minuten mit weniger als 1,5 Meter Abstand ohne den Schutz einer Maske aufgehalten habe. Wahrstätter verneinte und wurde informiert, dass sie demnach keinem Risiko ausgesetzt gewesen sei und nicht in Quarantäne müsse. «Trotzdem war ich verunsichert, es war das erste Mal, dass mir das Virus so nah kam», erinnert sie sich zurück. Kurze Zeit später meldete sich das Kontaktcenter erneut. Weil sich eine zweite Person angesteckt hatte, mussten nun doch alle Ferienteilnehmer für zehn Tage in Quarantäne. «Ich war froh, dass mich die Mitarbeiterin klar und freundlich informierte.» Obwohl Wahrstätter keine Symptome hatte, liess sie sich testen. «Denn ich war besorgt, weil ich am Sonntag an einem Geburtstagsfest neben einer 90-Jährigen gesessen war. Weil sie nicht mehr gut hört, habe ich den Abstand beim Sprechen nicht immer eingehalten.» Wahrstätter erhielt ein negatives Testresultat und war beruhigt. Wie verordnet, blieb sie zehn Tage in Quarantäne.

«Am Anfang wollte ich mich instinktiv entschuldigen»

Doch es sollte nicht für lange sein. Anfang Oktober, zwei Tage nachdem sie mit ihrem Mann aus einer Ferienwohnung im Toggenburg zurückgekehrt war, fühlte sich ihr Mann müde und appetitlos. «Zuerst dachten wir uns nichts dabei, als er dann aber einen Tag später immer noch nur herumlag und schlief, wurde ich stutzig», sagt Wahrstätter. Die Folgen der Veloferien waren allzu präsent. Ihr Mann liess sich testen. Ein Tag später das Resultat: positiv. «Wir fielen aus allen Wolken. Fühlten uns wie Täter und überlegten, wo er sich angesteckt haben könnte. Wir waren vorwiegend wandern und in Gartenrestaurants eingekehrt.»

Als Folge musste er in Isolation und sie in Quarantäne. Ebenso alle Personen, mit denen sie weniger als 48 Stunden vor dem ersten Symptom Kontakt gehabt hatten. Da war die Familie der Tochter, mit der sie am Montag nach den Ferien den Znacht gemeinsam vorbereitet und gegessen hatten. Ebenso der jüngste Sohn, vier Kollegen und eine Nachbarin waren in näherem Kontakt. «Auch wenn wir wussten, dass wir uns nicht fahrlässig verhalten hatten, fühlten wir uns schuldig. Sie mussten wegen uns in Quarantäne und wir befürchteten, dass sich jemand von ihnen angesteckt haben könnte.» Es sei ihr nicht leicht gefallen, das Umfeld selbst zu informieren: «Am Anfang wollte ich mich instinktiv entschuldigen.»

Mittlerweile ist ihr Mann wieder gesund. Von den Kontaktpersonen hat sich niemand angesteckt. «Doch es war eine emotional anspruchsvolle Zeit. Und zehn Tage können lange sein, selbst in einem Haus mit Garten.»

Im Interview mit Psychologin Paola Gallati wird auf die Thematik Schuldgefühle im Zusammenhang mit Covid-19 eingegangen.