16.07.2020

Er organisierte die Kantonsschule

An der Kanti Wettingen trifft Geschichte auf Moderne. Hier steht Thomas Renold auf dem neueren Sportgelände.  Rahel Bühler

An der Kanti Wettingen trifft Geschichte auf Moderne. Hier steht Thomas Renold auf dem neueren Sportgelände. Rahel Bühler

Zehn Jahre war Thomas Renold Leiter der zentralen Dienste an der Kantonsschule Wettingen. Er koordinierte Stundenpläne, organisierte den ersten Schultag. Jetzt geht er in Pension. Und möchte sich dem Wasser widmen.

Von: Rahel Bühler

Thomas Renold führt durch einen hellen Gang im Hauptgebäude der Kantonsschule Wettingen. Sie befindet sich in den alten Räumen des Klosters Wettingen. Hier trifft Geschichte auf Moderne: Während einige Böden neu gefliesst sind, läuft man andernorts über alten Parkettboden. Zehn Jahre lang wandelte er die Gänge der Kantonschule auf und ab: Er leitete die Zentralen Dienste. Zum Abschiedsporträt mit der «Limmatwelle» lädt er in die Sommerabtei ein. «Früher war dieser Raum hier der Empfangsbereich für den Abt», sagt er und setzt sich auf einen der antiken Stühle, die am langen Holztisch stehen. «Heute finden hier oft Sitzungen, wie zum Beispiel die Notenkonferenz, statt.»  Er selbst habe in diesem Zimmer einmal Italienisch gelernt. Das sei das Spezielle an der Kanti Wettingen: Die historischen Säle seien alle in den Tagesbetrieb eingebunden. 

Als Leiter der Zentralen Dienste ist Renold vor allem für das Organisatorische, das an einer Mittelschule ansteht, zuständig. Er sagt von sich selbst, er sei das Bindeglied zwischen Schulbetrieb und Schulleitung. Konkret heisst das: Er ist an der Organisation vom ersten und letzten Schultag beteiligt, kümmert sich um Konzerte, schaut, dass jeder Lehrer zu Beginn des Schuljahres ein Zimmer hat, in dem er unterrichten kann. Er half auch bei der Organisation von Konzerten, Klosterführungen oder beim alljährlichen Klosterfest. Ein sehr vielseitiger Job: «Ja, und ich brachte vor zehn Jahren ideale Voraussetzungen dafür mit: Ich bin Organisator, Kommunikator, Vorgesetzter und Troubleshooter.» 

Diese Voraussetzungen habe er aus seinen vorherigen Berufen mitgebracht: Zuvor war er als Journalist beim «Tages-Anzeiger» und «Radio Argovia» tätig. Davor arbeitete er als Lastwagen- und Buschauffeur. Als Erstausbildung absolvierte er das Lehrerseminar – ebenfalls in den Räumen des Klosters Wettingen. «Ich beende meine berufliche Laufbahn also am gleichen Ort, wie ich sie angefangen habe», sagt der 65-Jährige. 

«Alles, was mit Statistiken zu tun hat, ist nicht mein Ding»

Vor allem der erste und der letzte Schultag haben es dem zukünftigen Pensionär angetan: «Am ersten Schultag strömen lauter 15-jährige Jugendliche durch die Gänge. Alles ist neu, sie kennen niemanden. Am letzten Schultag gehen junge Erwachsene von unserer Schule ab. Es ist schön zu sehen, wie sie sich entwickelt haben.» 

Am liebsten habe er zudem nicht geplante Situationen, in denen man schnell und zielführend eine Lösung parat haben muss. Er bezeichnet sich selbst denn auch als Chaot. «Eine Mitarbeiterin hat in einem Abschiedsbrief geschrieben, in den zehn Jahren habe sie die Oberfläche meines Arbeitstischs ganze dreimal gesehen», sagt der Vater dreier erwachsener Kinder und schmunzelt. 
Leiter der Zentralen Dienste sei ein Traumjob. Es brauche aber ein, zwei Jahre, bis man drin ist. Aufgaben, die Renold nicht so gemocht hat, gab es auch: «Alles, was mit Statistiken und Budgets zu tun hat, ist nicht so mein Ding.» 

Jetzt, in den Sommerferien, sei es für die Administration, der die Zentralen Dienste angegliedert sind, die strengste Zeit: Schüler und Lehrer kommen und gehen, der Stundenplan muss erstellt werden, die Zimmer zugeteilt. Ein ziemlicher Kontrast zur Coronazeit: «Dann waren mein Nachfolger und ich teilweise die Einzigen hier.» Er sei aber froh, dass wieder Leben in die Gebäude eingekehrt sei. Er brauche den Kontakt zu den Menschen. «Eine Schule ohne Schüler und Lehrer ist keine Schule.» 

Ab 1. August wird Lukas Baer Renolds Job übernehmen. Beim Einarbeiten würde er Baer oft Geschichten über die Kanti erzählen, sagt Letzterer. Wie zum Beispiel diese: «So ziemlich jeder Bundesrat war schon mal hier.» Oder: «Das Schweizer Fernsehen hat eine Staffel des Bestatters hier gedreht.» Oder: «Wir erhalten immer wieder Anfragen von Diskussionssendungen, ob sie nicht einen Mönch oder Gewänder ausleihen dürften. Das Kloster ist seit 1841 keines mehr. Das ist bei vielen noch nicht angekommen.» 
Renold wird seinen Nachfolger am ersten Schultag noch unterstützen. Auch, weil noch immer unklar ist, wie dieser überhaupt aussehen wird: «Momentan gehen wir davon aus, dass wir alle neuen Schülerinnen und Schüler zusammen begrüssen können.» Das hänge aber vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. 

Am meisten werde er die Menschen von der Kanti vermissen

Konkrete Pläne hat Renold für die Pension nicht. Aber Ideen: Zwei sind es an der Zahl: Der ursprünglich aus Baden stammende Wettinger möchte allein mit dem Töff nach Griechenland fahren. «Ich habe immer gesagt: Ich möchte einmal durch den ‹Baregg› fahren, und nicht abbiegen, sondern weiterfahren bis ans Meer.» Als zweites Projekt hat er sich eine Reise von Wettingen bis Amsterdam auf dem Flussweg vorgenommen. Sonst geht er gerne velofahren und segeln. Was er denn am meisten von der Kanti vermissen werde? «Die Menschen.»