Das sanierte Tägi öffnet, aber mit Einschränkungen

Morgen Freitag hätte die Wiedereröffnung des sanierten Tägis gefeiert werden sollen. Stattdessen beschäftigt sich Tägi-Chef Marco Baumann mit Schutzkonzept und Auflagen, um das Bad voraussichtlich am 8. Juni für die Bevölkerung zu öffnen.

Marco Baumann vor dem noch geschlossenen Tägi. Melanie Bär
Marco Baumann vor dem noch geschlossenen Tägi. Melanie Bär

Nach über zweijähriger Um- und Ausbauphase war für morgen die Einweihungsfeier für das neue Tägi geplant. Wie schwer fiel es Ihnen, diese abzusagen?

Marco Baumann: Es ist eine sehr schwierige Situation. Statt des Eröffnungsfests herrscht grosse Unsicherheit. Wir wissen zum Beispiel noch nicht, mit welchen Einschränkungen wir das Bad öffnen dürfen. Auch in welcher Art und Weise eine Eröffnungsfeier zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden kann, ist völlig ungewiss. 

Gemäss Bundesratsentscheids darf die Öffentlichkeit voraussichtlich ab 8. Juni wieder ins Bad.

Ja, wir dürfen am nächsten Montag, 11. Mai, das Schwimmbecken grundsätzlich nur für Trainingsgruppen von Sportklubs freigeben. Und auch sie dürfen nur mit einer maximalen Gruppengrösse von fünf Personen trainieren. Diese Gruppengrösse gilt auch für Kurse und Ausbildungen wie Badmeisterkurse.
Der öffentliche Badibetrieb wird voraussichtlich ab dem 8. Juni möglich sein – unter welchen Auflagen und Einschränkungen, werden wir aber wohl erst Ende Mai erfahren. Wir rechnen mit starken Einschränkungen. Es ist von einer Personenbegrenzung, sowohl im Wasser als auch im Liegebereich, auszugehen. Der Verband Hallen- und Freibäder (VHF), in dessen Vorstand ich mich persönlich engagiere, ist im Austausch mit verschiedensten Verbänden, dem Bundesamt für Sport und Swiss Olympic. Im VHF haben wir auch ein Schutzkonzept erarbeitet, das bei der Öffnung von den Badbetreibern umgesetzt werden soll.

Wie sieht das im Moment aus?

Hygiene sowie die Massnahmen zur Einhaltung des Social Distancing stehen im Vordergrund. Handläufe, Toiletten usw. müssen regelmässig gereinigt und desinfiziert werden. Abstände müssen überall eingehalten werden können. Für Trainingsgruppen ist eine Rückverfolgbarkeit vorgeschrieben. Sportvereine müssen also Auskunft geben können, wer wann mit wem trainiert hat, und über ein bewilligtes Schutzkonzept verfügen. Im Bereich der Gastronomie müssen die separaten Vorgaben für Restaurantbetriebe umgesetzt werden. All dies wird zu einem grossen Mehraufwand und Mindereinnahmen führen. Auch im Event-Bereich gibt es viele Veränderungen. Grossanlässe sind allesamt abgesagt – davon sind auch wir sehr stark betroffen. Einige Anlässe haben wir bereits sechsmal verschoben und wissen nicht, wann sie durchgeführt werden können. Anstelle der Publikumsanlässe gehen wir von einer Nachfrage aus, Säle für Sitzungen zu mieten. Aufgrund der Abstandsregeln braucht es grössere Räumlichkeiten. Aktuell wird beispielsweise geprüft, ob Einwohnerratssitzungen im Tägi abgehalten werden können.

War auch eine Überlegung, das Tägi geschlossen zu halten?

Wenn wir öffnen dürfen, werden wir öffnen. Das Tägi soll als Freizeit- und Sportangebot für die Bevölkerung zugänglich sein. Wir wollen einen aktiven Beitrag dazu leisten, dass sich das Leben wieder normalisiert. Aber es ist klar, dass wir mit all den Einschränkungen dieses Jahr ein deutliches Minus ausweisen werden. Den letztjährigen Spitzentag im Juni mit 4500 Besuchern werden wir diesen Sommer beispielsweise nicht erreichen können. Diese und viele weitere Einnahmen werden fehlen. Für uns ist das umso schwieriger, weil uns aufgrund der sanierungsbedingten Schliessung dieses Jahr ja sowieso Einnahmen von einem Vierteljahr fehlen. Zudem wurde die gemeindeeigene Tägi AG erst Anfang 2018 gegründet, wir sind also noch eine junge Firma, die noch nicht über Reserven verfügt.

Verlief der Schluss der Sanierung plangemäss?

Die am 20. März geplante Bauübergabe hat stattgefunden, die Handwerker sind nun an den Ausbesserungsarbeiten. Aber natürlich gab es aufgrund der Pandemie ein paar Verzögerungen. Das Mobiliar für die Sauna ist zum Beispiel noch immer in Italien oder die Schulung für das Parksystem wurde verschoben. Doch grossmehrheitlich sind wir parat und könnten öffnen, was den Bau betrifft.

Kann der Kredit von 51 Millionen Franken eingehalten werden oder kommt zum Nachtragskredit von 4,5 Millionen Franken noch mehr dazu?

Es ist schwierig, jetzt schon eine Aussage über die Schlussabrechnung zu machen. Die Bauabrechnung wird bis in einem Jahr abgeschlossen sein.

Mussten Sie für Ihre Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden?

Ein Grossteil der Mitarbeiter ist aktuell in Kurzarbeit. Bis am 20. April haben wir die Vorbereitungsarbeiten für die Saisoneröffnung des Freibades gemacht, wie beispielsweise die Beckenreinigung oder den Abbruch der Container. Danach haben wir einen Stopp eingelegt. Die Mitarbeiter halten sich auf Abruf bereit.

Wie geht es Ihnen dabei?

Ich erlebe ein totales Wechselbad der Gefühle. Einerseits herrscht bei uns Euphorie und Aufbruchsstimmung, weil die Sanierung abgeschlossen ist und die Wiedereröffnung bevorsteht. Andererseits frage ich mich, ob die Strategie des Bundes aufgeht, was passiert, wenn sich bei uns jemand ansteckt oder die Infektionszahlen wieder steigen. Es kommt mir vor wie ein schlechter Traum. Als ich in den Skiferien die Bilder aus China sah, habe ich zu meiner Frau gesagt, dass ein solcher Lockdown nur in China möglich sei. Und einen Monat später sind wir gleich weit. Mein Schwiegervater war der erste Covid-19-Patient im Spital in Olten. Mittlerweile geht es ihm wieder gut. Es war jedoch eine schwierige Zeit, als er auf der Intensivstation lag, wir ihn nicht besuchen durften und nicht wussten, ob wir ihn nochmals sehen werden. Auf einmal war der Virus ganz nah und ich sah die Situation aus einer ganz anderen Perspektive.

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