70 und kein bisschen leise

Er war Geoinformatiker, spielte in verschiedenen Bands und ist Mitorgani-sator der Ausstellung «Guitars & more», die am 22. März im Tägerhard Wettingen über die Bühne geht. André Bernath ist ein Mann mit vielen Talenten.
«Zwei Herzen schlagen ach! in seiner Brust» – diese Abwandlung eines Zitats von Johann Wolfgang von Goethe trifft hundertprozentig auf den 70-jährigen André Bernath zu. In seinem Tonstudio und Übungsraum in Lenzburg lässt er seiner künstlerischen Ader freien Lauf, komponiert Musik, nimmt Songs auf und probt für seine Auftritte als Blues-Gitarrist und Sänger. Beruflich hat er sich bis zu seiner Pension jedoch den Wissenschaften verschrieben und als Geoinformatiker gearbeitet. Rationalität und Kreativität sind bei ihm kein Widerspruch, sondern ein komplementäres Paar. Zurzeit nimmt er im Alleingang seine vielen Eigenkompositionen auf und spielt alle Instrumente gleich selber. Und er ist zusammen mit Urs Haensler, Philippe Rey, Christian Spiegelberg und Bea Schneider mitten in den Vorbereitungen für die neunte Ausgabe des Grossevents «Guitars & more», der am 22. März im Tägerhard Wettingen über die Bühne geht. Dort werden 50 Gitarrenbauer und -händler aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland ihre Preziosen präsentieren.
Eine grössere Auswahl an Akustik-, E- und Spezialgitarren, Bässen sowie Verstärkern und anderem Zubehör auf einem Fleck gibt es praktisch nirgends. Die Ausstellung zieht Profis und Laien gleichermassen an. Immer wieder werden auch Prominente aus der Schweizer Musikszene gesichtet. Einer, der schon mit zahlreichen nationalen und internationalen Grössen zusammengespielt hat, ist Jean-Pierre von Dach. Die Gitarrenlegende gibt zur Feier des Tages einen Workshop für Anfänger und Fortgeschrittene. Weitere Highlights sind eine Jamsession mit der Hausband des Aarauer Bluesjams rund um Jeff Siegrist und verschiedene Live-Acts (siehe Box). Auf einem Flohmarkt werden gebrauchte Instrumente veräussert. «Alle werden fündig, denn es gibt Gitarren für jeden Bedarf und in unterschiedlichsten Preislagen», verspricht Bernath.
Mann mit zwei Hüten
Schon in der Bezirksschule gründete Bernath mit einigen Mitschülern seine ersten Bands. Mitte der 70er-Jahre zeitigte er mit der Formation «Space in Time» Erfolge und tourte durch die Schweiz. Mit der Band «Rave up» schaffte er es sogar ins Vorprogramm des weltbekannten US-Bluesers Champion Jack Dupree. «Wir spielten eine Maxi-Single ein, die heute im Internet für 130 Dollar gehandelt wird», freut sich Bernath. Die Chance, als Berufsmusiker Karriere zu machen, war zum Greifen nah. Doch Bernath wählte einen ganz anderen, pragmatischeren Weg und studierte Klimatologie und Hydrologie an der ETH.
Während seiner Doktorarbeit erlebte er den Wandel von analog zu digital hautnah mit und arbeitete sich in die Informatik ein. «Wir befanden uns damals noch auf einer grünen Wiese und mussten alles selber herausfinden», erinnert er sich. Auch hier war Kreativität gefragt. Allerdings auf eine ganz andere Art. Seine unterschiedlichen Wissensgebiete konnte er in seinem Beruf als Geoinformatiker vereinen, den er 30 Jahre lang ausübte.
Wertvolles Netzwerk
Das Gitarrenspiel brachte sich Bernath überwiegend im Selbststudium bei. Zusätzlich nahm er zweieinhalb Jahre Unterricht an der Jazzschule in Bern. Über all die Jahrzehnte schaffte er es immer, sowohl im Beruf als auch beim Musikmachen, vollen Einsatz zu geben. Nicht zuletzt auch dank seiner Frau, die ihm stets den Rücken freihielt. Derweil erlebte er viele Veränderungen in der Musikszene mit. «Reine Gitarrenbands sind heute selten geworden, in vielen aktuellen Stilrichtungen tritt die Gitarre eher in den Hintergrund», meint der gebürtige Umiker. Zudem sei das Konzertbusiness wesentlich härter geworden. «Deshalb ist ein Anlass wie ‹Guitars & more› wichtig. Wir halten die Fahne für alle Gitarrenliebhaber hoch – seien es Musikschaffende oder Instrumentenbauer – und bringen Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen. Dadurch können neue wertvolle Netzwerke aufgebaut werden», ist Bernath überzeugt. Die Idee stösst beim Publikum auf Gegenliebe. Die Ausstellung erfreut sich einer stetig wachsenden Fangemeinde. Ob sich André Bernath selber nochmals ein neues Instrument zulegen wird, bleibt offen. Im Lenzburger Studio stehen 20 seiner insgesamt 28 Gitarren, die er alle auch einsetzt. Einige davon bei seinen Auftritten als gefragter Solomusiker «Stumpin’ Blues Buddy». Vergangenes Jahr gab er mehr als 20 Konzerte. Zudem ist er Frontmann des Bluestrios «George’s Finest». Auch im fortgeschrittenen Alter pflegt André Bernath weiterhin den «Unruhestand» und macht Musik. Sie ist sein absolutes Lebenselixier.


