Pflegenotstand trifft Raumplanung

Die Stiftung Sonnmatt will zusätzliche Pflegeplätze schaffen – doch die Gemeinde hat das Baugesuch für einen Erweiterungsbau abgelehnt. Der Grund liegt im umstrittenen Entwicklungsprojekt «Neue Höfe» im Gebiet Härdli.
Vier von fünf Aufnahmegesuche muss die Stiftung Sonnmatt derzeit ablehnen. Mit einem geplanten Annexbau wollte die Alterssiedlung auf den steigenden Bedarf reagieren und 21 zusätzliche Pflegeplätze sowie Alterswohnungen schaffen. Doch das entsprechende Baugesuch wurde von der Gemeinde Neuenhof abgelehnt – obwohl während der öffentlichen Auflage keine Einsprache eingegangen war. Vergangene Woche wandte sich die Stiftung deshalb mit einem offenen Brief an die Bevölkerung.
Siegerprojekt blockiert Erweiterung
Der Grund für die Ablehnung liegt in der Entwicklung des Gebiets Härdli. Die Bau- und Nutzungsordnung unterstellt das Gebiet einer Gestaltungsplanpflicht. 2021 wurde ein Kredit über 520000 Franken für einen Projektwettbewerb bewilligt, als Sieger ging das Projekt «Neue Höfe» des Zürcher Planungsbüros Salewski Nater Kretz hervor. Dieses sieht auf jener Landreserve, die der Sonnmatt für eine spätere Erweiterung zur Verfügung steht, eine Grünzone vor. Der Gemeinderat begründet die Ablehnung dementsprechend nüchtern: «Das Areal der Sonnmatt befindet sich im Bearbeitungsperimeter ‹Gestaltungsplan Härdli›. Aus diesem Grund konnten wir aus rechtlicher Sicht für diesen Erweiterungsbau keine Baubewilligung erteilen.» Für Urs Humbel, Präsident der Stiftung Sonnmatt, zeigt das vor allem eines: «Der neue Gemeinderat ist nicht unbedingt gegen unser Projekt, aber ihm sind die Hände gebunden.» Das Siegerprojekt sei für die Behörden zur verbindlichen Grundlage geworden.
Kritisch sieht Humbel jedoch den bisherigen Planungsprozess: Zwar sei die Sonnmatt eingeladen worden, sich am Verfahren zu beteiligen – zumindest finanziell: «Einen Vertreter in der Jury hätten wir nicht gehabt.» Für die Stiftung sei das keine Option gewesen. «Wir können kein Geld einsetzen, wenn wir nicht mitentscheiden können, was damit gemacht wird.» Hinzu komme die Vorgeschichte des Grundstücks. Die Baulandreserve ist der Sonnmatt einst von den Ortsbürgern überlassen worden – mit der ausdrücklichen Auflage, dass sie nur für Erweiterungen der Alterssiedlung genutzt werden dürfe. «Wenn man nun auf diesem Land nichts mehr bauen darf, kommt das einer Enteignung gleich.» Für Humbel ist das Siegerprojekt schlicht eine Fehlplanung: «Wie kommt man auf die Idee, auf einer heutigen Grünfläche verdichtet bauen zu wollen und dort, wo heute die Tennisplätze und die Gemeinschaftsgärten stehen, eine Grünfläche zu realisieren?» Das sei unverständlich, gegen Widerstände nicht realisierbar und auch nicht finanzierbar: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stimmbürger das Projekt Härdli unterstützen werden.»
Alternative nicht umsetzbar
Auf Anfrage sagt der Gemeinderat, man stehe weiterhin mit der Stiftung in Kontakt und habe mögliche Alternativen aufgezeigt. Konkret wurde ein Anbau auf der Südwestseite des bestehenden Gebäudes entlang der Bahnlinie ins Spiel gebracht. Für die Stiftung ist diese Variante jedoch keine Lösung: «Wir liessen Zeichnungen erstellen und sind zum Schluss gekommen, dass wir als Stiftungsrat ein solches Projekt nicht verantworten können», so Humbel. Für die Erschliessung eines derartigen Anbaus müssten bestehende Pflegezimmer zurückgebaut werden, zudem würde dieser der bestehenden Liegenschaft wortwörtlich in der Sonne stehen. Auch die unmittelbare Nähe zur Bahnlinie spreche gegen ein solches Projekt.
Showdown an der Gemeindeversammlung
Nun richtet sich der Blick auf die Gemeindeversammlung vom 22. Juni. Dort soll eine Kostenüberschreitung von 200000 Franken für die bisherige Planung im Härdli genehmigt werden. Die Stiftung will diese nicht bekämpfen, fordert aber gleichzeitig einen Planungsstopp für das Projekt «Neue Höfe». Aus Sicht Humbels braucht es diesen Neustart: «Es würde dem Gemeinderat entgegenkommen, wenn ihn die Bevölkerung aus dem Projekt entlässt.» Zudem würde eine Sistierung der Sonnmatt den Weg ebnen, einen Teilgestaltungsplan auszuarbeiten. Die Stiftung wäre bereit, die Planung selbst zu finanzieren.
In einem zweiten Antrag soll vom Gemeinderat gefordert werden, Wege aufzuzeigen, wie zusätzliche Pflegeplätze zeitnah geschaffen werden können. Dass Bedarf vorhanden ist, ist allen Seiten bewusst: «Es ist bekannt, dass künftig in der ganzen Region mehr Pflegebetten benötigt werden», hält der Gemeinderat fest. Sollten die politischen Vorstösse scheitern, will die Stiftung dennoch nach Möglichkeiten suchen, zusätzliche Pflegeplätze zu schaffen – etwa durch Umnutzungen innerhalb des bestehenden Gebäudes oder durch Kooperationen mit externen Wohnangeboten. Den Bedarf vollständig decken könne man damit allerdings nicht. «Für viele ältere Menschen aus Neuenhof würde das bedeuten, dass sie im Pflegefall auf Institutionen ausserhalb der Gemeinde ausweichen müssen», sagt Humbel.
Informationsanlass Stiftung Sonnmatt: 26. Juni, 17 Uhr, im Restaurant Sonnmatt.


