Enttäuschung nach Hitachi-Entscheid
Seit einer Woche ist klar: Hitachi Energy wird den geplanten Campus in Otelfingen und nicht in Wettingen realisieren. Die Enttäuschung in Wettingen ist gross.
Auch vier Tage nach dem negativen Entscheid war Gemeindeammann Markus Haas die Enttäuschung anzusehen. «Es schmerzt, die bestehenden rund 1000 Arbeitsplätze in Baden, Dättwil, Turgi und Seon zu verlieren», so der sichtlich enttäuschte Ammann. In einer Mitteilung bedauerte der Gemeinderat, dass Wettingen «dadurch eine attraktive und einmalige wirtschaftliche Ansiedlung und Entwicklung für die ganze Region entgeht.» Der Hitachi-Standort in Wettingen bleibe bestehen, die laufenden Planungen für den Campus hingegen sind hinfällig. Der Energiekonzern Hitachi will die 400 Millionen Franken in einen Campus in Otelfingen investieren, dort sollen dann rund 3000 Arbeitsplätze entstehen. Damit endet die über 130-jährige Ära in der Region. Das Hochspannungsgeschäft von Hitachi nahm seinen Anfang bei der BBC und ABB. Baden war Pionier bei der Stromübertragung.
Der Entscheid sei «auf Basis spezifischer betriebsinterner Kritieren» erfolgt, schreibt die Gemeinde. Ausschlaggebend seien unter anderem die bereits bestehende S-Bahn-Haltestelle am alternativen Standort, die spezifische Logik der Bauetappen sowie eine detaillierte Risikoabwägung zwischen einem Umbau bestehender Substanz und einem kompletten Neubau gewesen. Wettingen habe Hitachi dabei bis zuletzt eine interessante Perspektive geboten. Der Widerstand der Nachbargemeinden, insbesondere aus Würenlos, die mit Beschwerde bis vor Bundesgericht drohten, dürfte den Entscheid beeinflusst haben.
Wie gehts weiter?
Sämtliche Planungsschritte im Rahmen der Richt- und Nutzungsplanung erfolgten unter dem Vorbehalt eines positiven Standortentscheids und werden nun eingestellt, teilt die Gemeinde mit. Das Areal verbleibt in der Landwirtschaftszone. Aktuell bestehen keine weiteren Planungen für eine Entwicklung dieses Gebiets.
In einer Medienmitteilung gab die GLP Wettingen zu bedenken, dass die bereits erbrachten Planungsleistungen noch nicht beziffert sind. «Damit hat sich das Risiko verwirklicht, wenn für ein Unternehmen eigens ein planerisches Verfahren durchgeführt wird.» Aus ihrer Sicht «hätte das Projekt im Tägerhardächer das Potenzial gehabt, ein ‹grünliberales Projekt› zu werden, das sowohl wirtschaftliche Entwicklung als auch ökologischen Mehrwert kombiniert hätte».
Trotz Enttäuschung sieht der Wettinger Gemeinderat einen überregionalen Nutzen und wünscht dem Energiekonzern viel Erfolg: «Auch ohne direkten Standort in Wettingen stärkt dieses Grossvorhaben den Werkplatz Schweiz insgesamt und entfaltet positive regionale Effekte über die Kantonsgrenzen hinaus.»


