Ein Pilz bringt die alte Pappel zu Fall
Die Schwarz-Pappel zwischen Aula und dem alten Schulhaus war krank und wurde gefällt.
Der riesige Kran zwischen Aula und altem Schulhaus ist nicht zu übersehen. Ebenso die Männer in oranger Arbeitskleidung. Sie haben es letzte Woche auf die über 20 Meter hohe Schwarz-Pappel abgesehen. Während eines externen Gutachtens im vergangenen Juni fanden Experten Fäden des Hallimasch-Pilzes im Stamm. Der Pilz gilt als einer der gefährlichsten Wurzel- und Holzzerstörer. Die Expertise ergab zudem mehrere grossflächige offene Fäulnisstellen, Höhlungen und Totholzbildung. Das Fazit der Experten: Die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes ist kritisch. «Wenn es um die Sicherheit auf Schulanlagen geht, diskutiere ich nicht. Der Baum muss gefällt werden», sagt Lukas Koch, stellvertretender Leiter Tiefbau und Leiter Bauamt und Werkhof der Gemeinde Neuenhof.
«Verständlich», findet Lorenz Usteri von der Firma «hau-ab». Der einstige Neuenhofer Einwohner hat vor sechs Jahren schon die einsturzgefährdete Weide vor der Wiese an der Zürcherstrasse gefällt. «Doch es tut weh, einen so alten Baum zu fällen», sagt er und beobachtet, wie die Greifzange des Fällkrans Ast um Ast abschneidet. Vor sechs Jahren kletterte er selbst auf den 20 Meter hohen Baum. Am Kranseil befestigt, schnitt er mit der Motorsäge Ast für Ast ab. Das erledigt die Maschine an diesem Mittwochmorgen im Schnellzugtempo. «Das ist effizienter und an diesem Standort zwischen der Aula und dem Schulhaus sinnvoll und sicherer», sagt Usteri. Der Fällkran kann über 30 Meter hohe Bäume und über 80 Zentimeter dicke Stämme fällen. Normalerweise wird er beim Holzschlag entlang von SBB-Linien, Autobahnen, Kantonsstrassen, Hochspannungsleitungen und bei Alleebäumen eingesetzt.
«In der Schweiz ist es das einzige Fahrzeug mit dieser Reichweite», sagt Stefan Schroiff, der den Kran bedient. Nach etwas mehr als 30 Minuten stoppt er. Usteri nimmt seine Motorsäge und eine Leiter, steigt ein paar Treppen hoch und schneidet den letzten Ast ab. Anschliessend haut er mit der Motorsäge einen Kerb in den unteren Rand des Baumstamms. Ein letztes Mal greift die Zange des Fällkrans zu und reisst den Stamm ab. «Das ist maschinenschonender, immerhin wiegt der Stamm etwa fünf Tonnen», begründet Schroiff. Usteri freuts, dass am Schluss trotz Maschine seine Handarbeit gefragt ist.
Nach einer Stunde Baum gefällt
Nach etwa einer Stunde stehen Forstwarte, Maschinisten und die Mitarbeiter des Werkhofs um den Baumstrunk herum. Gespannt zählen sie die Baumringe. In der Mitte liegt etwa ein Zentimeter zwischen den Ringen, später sind sie kaum noch auseinanderzuhalten. «Knapp 70. Eindrücklich, wie stark der Baum in den ersten Jahren gewachsen ist. Am Anfang hat er richtig Gas gegeben», sagt Usteri. Über 150 Zentimeter Durchmesser weist der Stamm auf. Die Hälfte des Wachstums erreichte er gemäss Baumringen in den ersten 20 Jahren. «Da ging es ihm richtig gut», sagt der Baumspezialist und blickt immer noch fasziniert auf die Jahrringe. Woran das liegt, will einer der Gemeindearbeiter wissen und erfährt, dass Witterungseinflüsse und Platzverhältnisse einen grossen Einfluss haben. «Wenn es heiss und trocken ist, wachsen Bäume weniger.»
Schroiff verabschiedet sich. Der Einsatz des Fällkrans ist getaktet, der nächste Einsatz im Kanton Zürich steht bevor. Es dauert nicht lange und dann fährt die Häckselmaschine vor. Nach zwei Stunden hat er das Holz zu rund 17 Tonnen Holzschnitzel verarbeitet. «Das Pappelholz verbrennt zwar schnell und ist deshalb weniger ergiebig als anderes Holz, aber trotzdem brauchbar», sagt Usteri.
Die Wurzel wird entfernt, um an gleicher Stelle eine Traubeneiche zu pflanzen. Vermutlich im April wird der Hochstammbaum mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimeter gepflanzt. «Ein Abschiedsgeschenk der Regionalen 2025», sagt Lukas Koch, ehe auch er sich Richtung Büro verabschiedet.








