Als es die Silbermünzen noch gab

Monika Regensburger zusammen mit ihrer Enkelin Nuria. zVg
Monika Regensburger zusammen mit ihrer Enkelin Nuria. zVg

Auch mit 83 Jahren fasst Monika Regensburger das Weltgeschehen hin und wieder in Versform zusammen. Und schreibt darin, «so, wie mir der Schnabel gewachsen ist».

«Mein Grosi hat mir heute ein Versli vorgetragen, in dem sie in ihren Worten den Januar 2026 zusammenfasst hat. Ich finde es sehr gelungen», schreibt Nuria Regensburger an die Redaktion. Im Gespräch mit ihrer Grossmutter Monika Regensburger stellt sich heraus: Das Schreiben ist nicht das einzige Spannende im Leben der 83-Jährigen. «Ja, ich hatte ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Leben», sagt die Neuenhoferin, die mitten in der Luzerner Altstadt aufwuchs und vor 57 Jahren nach Neuenhof zog.

Die Touristenstadt prägte das Leben von Monika Regensburger. Wie ihre Mutter besuchte sie eine Nebenabteilung der Kantonsschule Luzern. «Es waren nur Mädchen zugelassen. Wir lernten vor allem Sprachen, Geografie, Geschichte und Kunst – alles, was man damals brauchte, um in einer Touristenstadt wie Luzern beruflich Fuss zu fassen», erinnert sich Monika Regensburger zurück.

In Paris, Rom und London gelebt und gearbeitet

Anders als ihre Kolleginnen stieg sie aber nicht in den Tourismusbereich ein. Sie arbeitete in einer Galerie mit Auktionshaus, wo auch Touristen Kunstwerke kauften. Später lebte und arbeitete sie in Paris, Rom und London. «Nach Neuenhof kam ich der Liebe wegen», sagt die Seniorin und lacht. Ihr Mann führte einen Familienbetrieb im Bausektor. «Deshalb war klar, dass ich nach Neuenhof ziehe.» Das war vor 57 Jahren. Auch wenn ihr Mann schon lange nicht mehr lebt, blieb sie in ihrer neuen Heimat. 12 Jahre war sie Mitglied der Neuenhofer Schulpflege und der Sozialkommission. Ihr Sohn Titus Regensburger war jahrelang Präsident des Handels- und Gewerbevereins.

Sie schrieb für die Limmatwelle

Noch heute gehört das Schreiben zu einem ihrer Hobbys: «Ich bringe meine Gedanken gerne zu Papier, manchmal auch in Prosaform.» Immer handschriftlich – in Stenografie, das beherrscht sie seit ihrer Ausbildung nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache.

«Nur in meinen dunkelsten Zeiten habe ich nicht geschrieben, obwohl mir das vielleicht dann besonders gutgetan hätte.» Zum Tiefpunkt gehört der Tod ihres Mannes. «Nach 23 Jahren guter Partnerschaft fällt man schon in ein Loch, wenn der Ehemann stirbt.»

Die Fasnächtlerin aus Luzern

Monika Regensburger hat nicht nur für «den Hausgebrauch» geschrieben, wie sie es bezeichnet, sondern vor vielen Jahren auch hin und wieder für die Limmatwelle. Ihr Mann war damals Mitglied der Redaktionskommission, die Limmatwelle entstand auf Initiative des Neuenhofer Gewerbevereins.

Texte für Schnitzelbänke hat sie hingegen nie verfasst. Dies, obwohl sie als gebürtige Luzernerin mit der Fasnacht aufwuchs und Mitglied einer Guggenmusik war. «Es war eine grosse Freude, mit Freunden zusammen eigene Gwändli herzustellen», erinnert sie sich zurück. Ein Kostüm hat sie nie vergessen. Als Ende der 60er-Jahre das Schweizer Silbermünzgeld durch Kupfer-Nickel-Münzen ersetzt wurde, haben sie das zum Fasnachtsmotto gemacht. «Ich erinnere mich noch ganz genau daran, dass wir das Lied ‹Weine nicht, kleine Eva› spielten und das Publikum damit aufforderten, dem Silber nicht nachzutrauern.»

Fasnacht aus der Ferne

Heute nimmt sie nicht mehr aktiv an der Fasnacht teil, sondern verfolgt die fünfte Jahreszeit in ihrer alten Heimat am Bildschirm. Das Weltgeschehen in Versform festzuhalten, tut sie aber immer noch gerne. «So, wie mir der Schnabel gewachsen ist», sagt sie lachend und erlaubt der Limmatwelle, ihr Resümee über den Monat Januar in der nebenstehenden Box abzudrucken – damit sich nicht nur ihre Enkelin daran erfreuen kann.

«Wie mer de Schnabel gwachse esch»

2026 ish bös agange,

jungi Lüt, in Flamme gfange

Dutzendi ums Läbe bange –

cha mer so viel Leid verstoh?

Es got teil Mönsche nid i d’Chöpf

welle Gott plogt sini Geschöpf?

So viel Schrecklichs, so viel Trur

vo Erbarme jo kei Spur.

De Rettigslüt es Rieselob,

händ Krasses gseh i ihrem Job.

Mänge us em Alltag grisse,

möcht die Nacht gärn vermisse.

Witer gohts de Schritt für Schritt.

De Januar bringt nüt Guets mit.

E alte Ma mit grosser Schnorre,

wott überall noch Öl go bohre.

Ob Norde, Süd, Ost oder West:

America first; Trump at its best.

Im Iran gseht mer d’Mullas wüete,

ihri Gheimnis tüend si hüete.

Wer ned läbt noch ihrem Plan

wird gköpft oder ghänkt in Teheran.

Und z’Davos do chömeds zäme

Prominenz, illustri Näme

redet, losed, lehred wie

mer sich cha us Affäre zieh.

Doch öppis isch doch au no schön

ob Biese, Westwind oder Föhn,

de Innerschwyzer Odermatt

find’s Rase uf em Schnee so glatt.

I sim Supermännligwand

bringt er Freud i üses Land.

Und mier sälber sind jetzt dra.

Chas denn eso wietergah?

Mier wette friedlich witterläbe

tüend üsi Ufgab, üs besträbe.

Und witerhi uf Bessers hoffe.

Doch 1000 Frage blibed offe.

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