Neuenhof
28.08.2019

Mit dem geplanten Pastoralraum macht sich die Kirche fit für die Zukunft

Regula Arnitz vor der katholischen Kirche in Neuenhof: «Die Kirchgemeinden bleiben eigenständig.» Rahel Bühler

Regula Arnitz vor der katholischen Kirche in Neuenhof: «Die Kirchgemeinden bleiben eigenständig.» Rahel Bühler

Dieser Raum fördert die Zusammenarbeit in den Gemeinden im Aargauer Limmattal. Er ist nicht zum ersten Mal ein Thema.

Rahel Bühler

Die katholische Kirche in der Region ist im Umbruch: Der Bischof möchte den Pastoralraum Aargauer Limmattal errichten. Das bedeutet eine Zusammenarbeit von mehreren Kirchgemeinden. Im November stimmen die Kirchgemeinden aus Baden-Ennetbaden, Wettingen, Würenlos, Neuenhof, Killwangen und Spreitenbach über den dazugehörenden Zusammenarbeitsvertrag ab. «Wir entscheiden nicht über die Einführung des Pastoralraums, sondern nur über den Vertrag. Der Raum wird auch eingeführt, wenn wir den Vertrag ablehnen», betont Regula Arnitz, Präsidentin der Kirchgemeinde Neuenhof.

Es geht bei der Abstimmung also nur darum, wie die Zusammenarbeit innerhalb des Pastoralraums aussehen wird. Die neue Organisationsform ist keine Fusion. «Die Kirchgemeinden bleiben eigenständig. Mit eigenem Budget und eigener Rechnung», sagt sie.

Wieso braucht es Pastoralräume? «Ich will es nicht schönreden: Wir haben weniger Personal, das für die Kirche arbeitet», so die Neuenhoferin. Der Pastoralraum soll Ressourcen bündeln. «Wir brauchen einander für die Kirche der Zukunft.» Innerhalb des Pastoralraums können Vorträge, der Lehrplan für den Religionsunterricht oder Themen für die Erstkommunion gemeinsam erarbeitet werden. «Die Umsetzung übernimmt jede Pfarrei selbst.» An den Gottesdiensten wird sich durch den Pastoralraum nichts ändern: «Kirche findet weiterhin vor Ort statt.»

Der Vertrag beinhaltet die Aspekte Finanzen und Administration. Passend dazu wird der Pastoralraum zwei Organe umfassen: Die Administrativkommission legt den Stellenplan für den Pastoralraum fest und erstellt das Budget und den Jahresbericht. Die Finanzkommission prüft Budget und Jahresbericht. «Anfangs wird es Mehrkosten für die einzelnen Kirchgemeinden geben. Langfristig nicht», ist Arnitz überzeugt. Je mehr Katholiken eine Gemeinde umfasst, desto höher ist ihre Beteiligung an den Personalkosten. Die Sachkosten werden nach Finanzkraft der Kirchgemeinde aufgeteilt. Eine kleine Gemeinde mit wenig Vermögen bezahlt also weniger. Der Vertrag kommt zwischen jenen Kirchgemeinden zustande, die Ja dazu sagen. Aber: «Zum Pastoralraum gehören alle.»

Wird der Vertrag abgelehnt, heisst das nicht das Ende des Pastoralraums. Es bedeutet aber einen Mehraufwand. «Dann müssen wir vor jedem gemeinsamen Anlass die Leute fragen, aus welcher Kirchgemeinde sie stammen», erklärt die Kirchgemeindepräsidentin. Mit dem Vertrag wäre dies schon geklärt. Bildlich gesprochen: Sind an einem Vortrag 20 Spreitenbacher und 5 Killwangener dabei, übernimmt Spreitenbach den grösseren Anteil an den Kosten.

Der Pastoralraum Aargauer Limmattal wird etwa 25000 Katholiken umfassen. Eine grosse Zahl. Deshalb wird er in drei Leitungseinheiten unterteilt: Baden-Ennetbaden, Wettingen-Würenlos und Neuenhof-Killwangen-Spreitenbach. Die Leitung hat Pastoralraumleiter Josef Stübi, Badens Stadtpfarrer.

Es ist nicht der erste Anlauf für den Pastoralraum Limmattal. Vor zwei Jahren lehnten die stimmberechtigten Katholiken das Vorhaben ab. Laut Arnitz einerseits wegen eines Sockelbeitrags, den jede Gemeinde jedes Jahr hätte bezahlen müssen. Andererseits hätten viele Leute nicht gewusst, über was sie abstimmten. «Man befürchtete ein riesiges, teures Gebilde.» Diese Bedenken teilt sie nicht: «Keine Kirchgemeinde steht finanziell gut da. Niemand kann sich ausufernde Kosten erlauben.» Auch an eine Kontrollübernahme der beiden grossen Kirchgemeinden, Baden-Ennetbaden und Wettingen, glaubt sie nicht: «In der Administrationskommission zählen alle Stimmen gleich viel.»

Den Sockelbeitrag gibt es beim diesjährigen Vertrag nicht mehr. Alle Kosten werden nach Finanzkraft und Anzahl Katholiken pro Gemeinde verrechnet. Damit die Leute beim zweiten Anlauf besser Bescheid wissen, gibt es einen Informationsanlass am 2. September in Neuenhof. Dabei geht es um das Konzept des Pastoralraums. «Wir möchten den Leuten vor allem aufzeigen, wie es weitergehen wird», sagt Arnitz.

Egal wie die Abstimmung endet: Der Pastoralraum wird errichtet. Wann, ist noch offen. Arnitz rechnet im Frühling damit.