Neuenhof
03.11.2021

Ein Bilderbuch über Flucht als Maturaarbeit

Aarthiga Arulmukavarathan hat ein Bilderbuch zum Thema Flucht illustriert. (Bild: Romi Schmid)

Aarthiga Arulmukavarathan hat ein Bilderbuch zum Thema Flucht illustriert. (Bild: Romi Schmid)

Aarthiga Arulmukavarathan hat als Maturaarbeit ein Bilderbuch über das Thema Flucht gestaltet. Darin erfährt der kleine Akim Ausgrenzung, aber auch Respekt und Freundschaft.

Von: Romi Schmid

Aarthiga Arulmukavarathan blättert in ihrem Bilderbuch. Hauptperson darin ist ein kleiner Junge namens Akim, ein süsses dunkelhaariges Kind mit braunen Augen und treuherzigem Blick. Akim ist, gemeinsam mit seiner Mutter, auf der Flucht. Die beiden gelangen über viele Umwege in die Schweiz, wo sie ihr neues Zuhause und neue Freunde finden. Sie lernen die Schweizer Kultur und Besonderheiten kennen, erfahren aber auch Ausgrenzung und begegnen Herausforderungen. Immer dabei: Akims kleiner Teddybär. «Auf der Flucht kann man nur das Nötigste mitnehmen. Für Akim ist der Teddy das Nötigste. Er erinnert ihn an seine Heimat», erklärt die junge Autorin.

Liebevoll illustriertes Bilderbuch

Wie versteht ein Kind, was ein Flüchtling ist? Was bedeutet das Thema Flucht? Und warum ist Integration so wichtig? Antworten darauf gibt die 21-Jährige in dem von ihr illustrierten Bilderbuch «Akims grosse Reise». «Ich wollte, inspiriert durch die Flüchtlingswelle 2015, ein einfaches und leicht verständliches Bilderbuch zum Thema Flüchtlinge zu gestalten», sagt die junge Schweizerin, die das Bilderbuch vor rund einem Jahr als Maturaarbeit an der Schule Neuenhof eingereicht hat. Ihr Ziel sei es gewesen, mit einer fesselnden Geschichte und eindrücklichen Bildern das Verständnis für andere Kulturen und das Thema Flucht schon bei Kindern zu wecken. Obwohl für Kinder von 6 bis 10 Jahren konzipiert, merkte sie noch während des Entstehungsprozesses, dass die Geschichte alle Altersstufen und Nationalitäten ansprechen kann, denn sie spricht durch die Bilder.

Ein hartes Stück Arbeit

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, sich des Schreibens und der Illustration eines Bilderbuches anzunehmen? «Ich zeichne gerne, und die Maturaarbeit bildete die ideale Gelegenheit, mich vertieft eines persönlichen Projekts anzunehmen», antwortet sie prompt. Obwohl sie von Anfang an «Vollgas» gegeben habe, die Skizzen innert kürzester Zeit angefertigt waren und das Konzept parat gewesen sei, sei die Erstellung des Bilderbuchs trotzdem eine «emotionale Achterbahnfahrt» gewesen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich mir mit meiner Maturaarbeit so viel Arbeit aufhalsen würde», blickt sie zurück. Gelohnt hat sich die Arbeit allemal: Sie erhielt für ihre Maturaarbeit die Note «5,5» und grosses Lob. «Das Buch ist deshalb so bemerkenswert, weil es sehr anschaulich zeigt, wie ein Flüchtlingskind den Schulalltag erlebt. Das Thema Flucht ist nicht nur sehr einfühlsam beschrieben, sondern auch liebevoll und detailtreu illustriert», sagt Renate Baschek, Gesamtschulleiterin Schule Neuenhof.

Keine rosarote Brille

Aarthiga Arulmukavarathan ist in der Schweiz geboren. Ihre Eltern, die Tamilen sind, stammen aus dem Norden Sri Lankas, wo über 25 Jahre ein unerbittlicher Bürgerkrieg wütete. «Sie kamen in den 90er Jahren in die Schweiz. Ihre eindrücklichen Erlebnisse und Erzählungen vom Krieg haben auch meine Kindheit geprägt», erklärt sie. Veröffentlicht hat die junge Autorin ihr erstes Werk bisher noch nicht – ausgestellt ist das Bilderbuch bisher lediglich in der Bibliothek der Schule Neuenhof, ein weiteres Exemplar bewahrt Arulmukavarathan bei sich zuhause auf. «Ich würde mich freuen, wenn ich das Buch irgendwann herausbringen und noch viel mehr Kindern zugänglich machen könnte», sagt sie. Ein Bilderbuch in der Hand zu halten und sich Zeit zu nehmen, mit Leichtigkeit in eine ernste Geschichte einzutauchen oder jemandem vorzulesen und sich dabei von aussagestarken Bildern inspirieren zu lassen – das wäre ein guter Grund für die Publikation des Bilderbuches, antwortet die Studentin.