Neuenhof
18.08.2021

Die Müllabfuhr wird elektrisch

In Neuenhof wird der Müll mit einem E-Kehrichtfahrzeug entsorgt. (Bilder: Romi Schmid)

Die Saubermänner (v.l.): Davide Siletta und die Brüder Lukas und Dominik Ondrisak.

In Neuenhof wird der Müll mit einem E-Kehrichtfahrzeug entsorgt. (Bilder: Romi Schmid)

In Neuenhof wird der Müll mit einem E-Kehrichtfahrzeug entsorgt. (Bilder: Romi Schmid)

Die Saubermänner (v.l.): Davide Siletta und die Brüder Lukas und Dominik Ondrisak.

In Neuenhof wird der Müll mit einem E-Kehrichtfahrzeug entsorgt. (Bilder: Romi Schmid)

Die Saubermänner (v.l.): Davide Siletta und die Brüder Lukas und Dominik Ondrisak.

Die Saubermänner (v.l.): Davide Siletta und die Brüder Lukas und Dominik Ondrisak.

Alle sind froh, wenn der Müll abgeholt wird. Dahinter stecken viel Aufwand und Muskelkraft. Rund 70 Angestellte der Obrist Transport + Recycling AG entsorgen in mehr als 60 Städten und Gemeinden, was andere wegwerfen – auch in Neuenhof.

Von: Romi Schmid

Es ist sechs Uhr morgens, als Lukas Ondrisak den Motor des E-Kehrichtfahrzeugs einschaltet. «Mit 255 Kilowattstunden pro Ladung können wir eine Strecke von rund 130 Kilometern zurücklegen, was für einen normalen Sammeltag vollkommen ausreicht», erklärt der Chauffeur.

Es ist eines von insgesamt sechs vollelektrischen Autos der Obrist Transport + Recycling AG. Die übrigen 17 Lastwagen laufen mit Dieselmotoren, darunter ein Hybrid. «Unsere strombetriebenen Kehrichtfahrzeuge sind umweltfreundlich, leise und beziehen ihren Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Schweizer Energie», sagt Sabine Bärlocher, Inhaberin der Obrist Transport + Recycling AG, und ergänzt: «Wir stellen kontinuierlich auf Elektro um, denn wir sind überzeugt, dass das die Zukunft ist.»

Säcke ohne Ende

Montags fährt Lukas Ondrisak jeweils die Neuenhof-Tour. «Uns erwarten viele Einfamilienhäuser, Wohngebiete und Säcke ohne Ende», sagt er. Dann gehts auch schon los. Die ersten Säcke und Tonnen stehen an der Strasse. Die Belader, Dominik Ondrisak und Davide Siletta, schwingen sich von ihren Trittbrettern, die am Heck des Fahrzeugs befestigt sind. Die Säcke fliegen innert Sekunden in die Presse. «Immer schön aus der Drehung werfen», sagt Dominik und schmunzelt, «das ist das Geheimnis.»

Das und der «Krakengriff»: drei Säcke in jeder Hand. «Mit der Zeit wird man schneller», sagt der Belader, der seit rund vier Jahren dabei ist. Immer wieder komme es vor, erzählt er, dass die Leute Sperrgut und Möbel mit dem Müll entsorgen oder keine Abfallmarke auf die Säcke kleben. «Das ist ärgerlich. Jeder sollte seinen Müll richtig entsorgen.» Bei Verstössen gegen die Entsorgungsregeln muss die Müllabfuhr den Abfall nicht mitnehmen.

35 Tonnen Müll

Einer fährt, zwei laden auf – so die Aufgabenverteilung. Dazwischen wird immer wieder mal abgewechselt, und manchmal packt auch der Chauffeur mit an. «Ich fahre lieber, aber ich helfe auch mal mit oder bin auf einer Tour der Belader», sagt der junge Chauffeur, der jeweils die Montagstour durch Neuenhof fährt. Seit zwei Monaten habe er das Lastwagenbillet, erklärt er stolz. Seitdem arbeitet er als Chauffeur und nur noch aushilfsweise als Belader. «Als Belader ist man am Ende des Tages körperlich müde, als Chauffeur mental», erklärt Lukas Ondrisak, der gern am Steuer des E-Fahrzeugs sitzt. «Im Vergleich zum Dieselfahrzeug sind die Elektrolastwagen viel geschmeidiger zum Fahren», erklärt er und schaut auf die Uhr. Die Zeit läuft. Fünf Stunden haben die drei Männer noch für ihre Tour durch Neuenhof. Bis dahin gilt es, noch einige Ladungen Müll in die Presse zu werfen.

Alles unter Kontrolle

Behutsam lenkt Lukas Ondrisak das tonnenschwere Müllfahrzeug durch die Strassen. Schifft es um enge Kurven, manövriert rückwärts und behält seine Kollegen über eine Kamera und die Rückspiegel ständig im Auge. «Da soll mal einer sagen, Männer können kein Multitasking», sagt er lachend. Er fährt, funkt und behält die Uhr akribisch im Blick – denn: Alles ist genau getaktet. «Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen unseren Zeitplan einhalten, sonst stehen wir plötzlich irgendwo im Stau», sagt er.

Nach knapp drei Stunden muss die erste Ladung entleert werden. Lukas Ondrisak lenkt den Müllwagen dazu nach Turgi in die Kehrichtverbrennungsanlage, wo der Abfall der Neuenhofer gesammelt wird. Nach dem Entladen gehts wieder auf die Strasse. Rund 35 Tonnen sammeln die drei so im Laufe eines Tages ein. «Es gibt noch viel zu tun», sagt der junge Chauffeur und steigt wieder auf seinen Sitz. Er drückt aufs Gas, und der orange Riese ruckelt leise davon.