Neuenhof
31.03.2021

Seine Fröhlichkeit bewahrt er sich

Fast 68 Jahre verheiratet: Jubilar Karl Süess und seine Frau Brigitte halten auch im Alter fest zusammen. (Bild: Sibylle Egloff)

Fast 68 Jahre verheiratet: Jubilar Karl Süess und seine Frau Brigitte halten auch im Alter fest zusammen. (Bild: Sibylle Egloff)

Karl Süess wird am 6. April 92 Jahre alt. Auf sein langes Leben blickt er in Dankbarkeit zurück. Er reiste viel und kümmerte sich stets um seine Familie. Mit ihr will er seinen Ehrentag gebührend feiern.

Von: Sibylle Egloff

Fröhlich und dankbar sein, das ist Karl Süess’ Rezept für ein langes Leben. Der Neuenhofer feiert am 6. April seinen 92. Geburtstag. «Ich freue mich darauf», sagt der Senior. Seit drei Jahren lebt er mit seiner Frau Brigitte in der Alterssiedlung Sonnmatt in Neuenhof. Das Ehepaar liebt sich noch wie am ersten Tag. «Meine Frau ist mein Leben. Wir sind froh, dass wir einander immer noch haben», sagt Süess. Am 10. Oktober können die beiden ihren 68. Hochzeitstag zelebrieren.

Kennengelernt hat der Jubilar seine Gattin in Baden in einem Auslandschweizerverein. Beide sind in Deutschland geboren, besitzen aber den Schweizer Pass, weil ihre Grossväter Schweizer waren. 1948 zogen er und seine Frau mit ihren Familien ins Heimatland der Vorfahren. Seit über 70 Jahren ist Neuenhof seine Heimat. Der Start in der Gemeinde war aufgrund seiner Herkunft und seiner Konfession nicht leicht. «Meine Frau und ich wurden als Schwaben bezeichnet und dass wir protestantisch waren, passte den Leuten im Dorf auch nicht», sagt Süess.

Er baute während des Zweiten Weltkriegs einen Flughafen

Er kam am 6. April 1929 in der Nähe von Kassel im Bundesland Hessen zur Welt und wuchs mit einer älteren und einer jüngeren Schwester auf. Als Teenager erlebte er den Zweiten Weltkrieg. «Ich hätte an der Westfront pickeln und schaufeln müssen. Doch ich wehrte mich. Schliesslich musste ich helfen, einen Flugplatz für Nachtflugzeuge bei einem Steinbruch zu bauen», erzählt Süess. Ins Militär eingezogen wurde er nicht. «Ich war zum Glück ein Jahr zu jung.» Doch kaum war Süess in der Schweiz, musste der damals 19-Jährige die Rekrutenschule absolvieren.

Sein Vater und er fanden in Brugg eine Stelle bei einem Plättlileger. «Ich hatte in Deutschland eine Lehre zum Fliesenleger und Kühlhausbauer abgeschlossen», sagt Süess. Später war er lange bei einem Bauunternehmen in Zürich als Maurer tätig und erstellte zahlreiche Gebäude für die BBC in Baden. Süess arbeitete sich zum Vorarbeiter und zum Polier hoch. «Doch irgendwann wurde es mir in der Baubranche zu streng.» Er trat in Killwangen eine Stelle als Packmeister in einer Firma für Diktiergeräte an und arbeitete dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993.

Neben seiner Arbeit blieb ihm wenig Zeit für Hobbys. Jede freie Minute widmete er seiner Familie. Brigitte und Karl Süess haben vier Kinder. Die älteste Tochter Sieglinde kam 1954 zur Welt, darauf folgte Ellen 1957. Sohn Manfred wurde 1959 geboren. Das Familienglück komplettierte Nachzügler Jürgen 1967. Mittlerweile sind die Süess stolze Gross- und Urgrosseltern von acht Enkeln und zwei Urenkeln.

Der Jubilar ist ein Familienmensch. Gerade ist sein ältester Sohn Manfred mit Schwägerin Sonja zu Besuch, um die Planung des Geburtstags zu besprechen. «Wir werden vermutlich eine Fleisch-Käse-Platte bestellen und gestaffelt vorbeikommen», sagt Manfred Süess. Er ist dankbar für jedes Jahr, das seinen Eltern geschenkt wird. «Es ist nicht selbstverständlich. Wir sind sehr froh, dass unsere Familie immer noch intakt ist.»

Feste und Ferien organisierte er gerne

Der Sohn erlebte seinen Vater als Macher. «Er hat früher viele Feste organisiert und sich um die gemeinsame Ferienplanung gekümmert. Diese Aufgabe fehlt ihm heute am meisten», erzählt Manfred Süess. Die Familie verreiste oft zusammen. Karl und Brigitte Süess besassen jahrelang ein Ferienhaus im spanischen Denia. Doch auch sonst kamen sie weit herum. «Wir sind fünfmal durch die USA gereist. In Marokko, Kenia, China, Polen, am Nordkap und in Moskau waren wir auch», sagt Süess. Nach Tokio verschlug es die Familie ebenso. «Mein Sohn Jürgen hat dort geheiratet», erzählt Süess. Eindrücklich sei für ihn auch der Besuch von Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gewesen.

Einen speziellen Wunsch für seinen hohen Geburtstag hat Süess nicht. «Hauptsache, ich kann ihn mit meiner Familie verbringen.» Dass die Pandemie das Festefeiern komplizierter macht, findet er mühsam. «Das Virus stört, doch es gibt halt nicht nur Jubel und Heiterkeit.» Nichtsdestotrotz bleibt Süess dankbar und zuversichtlich. «Das Leben ist heute viel besser und angenehmer als früher. Es ist wichtig, vor allem in schwierigen Zeiten, seine Fröhlichkeit zu bewahren.»