22.07.2020

«Bleiben Sie solidarisch»

Reto Nause Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie in Bern. zVg

Reto Nause Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie in Bern. zVg

Reto Nause* hätte die 1.-August-­Rede in Neuenhof gehalten. ­­­Mit diesen Zeilen wendet sich der Politiker bereits jetzt an die Bevölkerung.

Liebe Neuenhoferinnen und Neuenhofer

Ich hätte mich sehr gefreut, in meine alte Heimat zurückzukehren und den 1. August mit Ihnen in Neuenhof zu verbringen. Ich bin in Birmenstorf geboren, in Baden zur Schule gegangen und lebte von 1991 bis 2001 in Neuenhof. Ich habe einen grossen Freundeskreis in der Region Baden und hatte vor, mit acht gleichaltrigen Kollegen unseren 49. Geburtstag am 6. August in der Stanzerei in Baden zu feiern. Doch die Party fällt nun coronabedingt genauso ins Wasser wie die 1.-August-Feier in Neuenhof. Beides wird aufs nächste Jahr verschoben. Dem Limmattal will ich aber bereits vorher einen Besuch abstatten. Die Trafo-Hallen, in denen sich heute unter anderem das Trafo-Hotel Baden befindet, sind für mich ein magischer Ort. Mein Vater wirkte darin als Ingenieur für die BBC. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich ein paar Tage im Hotel zu Gast sein werde. Das gibt mir die Möglichkeit, die Region wieder neu zu entdecken. Mir imponiert die Dynamik im Limmattal. Es ist seit meinem Wegzug nach Bern sehr urban geworden. Die Gemeinden sind beinahe zu einer Stadt zusammengewachsen. Nichtsdestotrotz ist es ihnen allen gelungen, ihre eigene Identität zu bewahren und lokale Strukturen aufrechtzuerhalten. Das stiftet Zusammenhalt. Zusammenhalt, der vor allem während der Coronakrise an Bedeutung gewonnen hat. In der Not zeigten viele Menschen Solidarität, Einkaufsgemeinschaften entstanden, Jüngere kümmerten sich um Ältere. Es ist nicht das einzig Positive, das die Pandemie mit sich brachte. Die Menschen besinnen sich zurück aufs Lokale, unternehmen Ferien und Ausflüge in der Schweiz. Das Coronavirus zeigt uns aber auch, dass wir die Selbstversorgung nicht komplett aus der Hand geben dürfen. Dank der Krise erhielt die Digitalisierung überdies einen massiven Schub. Innerhalb einer Woche war die Stadtverwaltung Bern online einsatzbereit. Eine Errungenschaft, für die man im Normalfall 77 Arbeitsgruppen und 5 Jahre Zeit benötigt hätte. Die Krise hat uns aber auch vor Augen geführt, wie bedeutend alle Organe sind, die sich mit Krisenbewältigung und Sicherheit beschäftigen. In der Vergangenheit wurden die Feuerwehr, der Zivildienst oder Armeeeinheiten geringgeschätzt oder gar belächelt. 

Für mich persönlich war es auf der Stadtverwaltung Bern zu Beginn eine sehr intensive Zeit, die Situation änderte sich von Tag zu Tag. Gleichzeitig dauerte die Krise an, nicht wie etwa bei einem Hochwasser, das nach 14 Tagen bewältigt ist. Darauf wurde das Leben in der Exe­kutive mit dem Lockdown heruntergefahren, es fanden keine Parlamentssitzungen mehr statt, Kongresse fielen aus. Irgendwann schaute ich abends um 18 Uhr auf meine leere Agenda. Es war seit zwölf Jahren das erste Mal, dass ich wieder einmal einen freien Abend hatte – für mich nach all den Herausforderungen mit Covid-19 ein willkommenes Stück Lebensqualität. 

Wir sehen uns hoffentlich am 1. August 2021! Bleiben Sie solidarisch, liebe Neuenhoferinnen und Neuenhofer, halten Sie zusammen und unterstützen Sie das lokale Gewerbe. 

* Reto Nause (49) amtet seit 2009 als Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie der Stadt Bern. Der CVP-Politiker lebt in der Bundeshauptstadt. Geboren und aufgewachsen ist er in Birmenstorf. Zehn Jahre lang wohnte er in Neuenhof.