Ehemaliger Hausarzt reist von Neuenhof nach Nairobi

Peter Ackle hat 27 Jahre lang seine Hausarztpraxis betreut. Im Herbst 2018 war er in Laos und im Winter 2019 in Kenia im Einsatz.

In Aktion: <em>Peter Ackle während seines Einsatzes in einem Gesundheitszentrum in Nairobi, Kenia. zVg</em>
In Aktion: <em>Peter Ackle während seines Einsatzes in einem Gesundheitszentrum in Nairobi, Kenia. zVg</em>

Der Kontrast könnte kaum grösser sein: Noch im Februar war Peter Ackle in Nairobi als Einsatzarzt in einem «Health Centre», einem Gesundheitszentrum tätig. In der kenianischen Hauptstadt hat er sich um Patienten mit Tuberkulose, HIV oder Malaria gekümmert. Jetzt sitzt er im Pausenraum des Doktorzentrums in Baden und wird sich schon bald wieder um Rückenbeschwerden, Migräne und Allergien kümmern. Als Ferienvertretung in einem Teilzeitpensum.

Für Peter Ackle war die Reise nach Nairobi nicht die Erste. Schon während seiner Zeit als praktizierender Arzt besuchte er Afrika. Er reise gerne und interessiere sich für Tropenmedizin, sagt Ackle. Nun, nach seiner Pension, habe er mehr Zeit dafür: 2018 reiste er zwei Mal nach Laos. Im August lernte er in einem Tropenmedizinkurs in der Hauptstadt Vientiane die wichtigsten Infektionskrankheiten kennen. «Dabei habe ich Krankheiten angetroffen, von denen ich noch nie gehört hatte», sagt der 66-Jährige über den Kurs, der vom Schweizerischen Tropeninstitut in Basel organisiert wurde. Währenddessen sei er zu einer wichtigen Erkenntnis gelangt: Der Ultraschall ist speziell für die Medizin in Entwicklungsländern sehr geeignet, da die Geräte immer handlicher und günstiger werden. Zudem könne man sich damit schnell einen umfassenden Überblick verschaffen. Richtig als Arzt tätig war Ackle in dieser Zeit nicht. Er absolvierte den Kurs und begleitete einheimische Ärzte auf ihren Visiten.

Im oktober 2018 reiste er erneut nach Laos. Diesmal mit einer Hausärzte-Delegation des «Swiss Laos Hospital Project». Die Reise führte nach Muang Kam und Nong Het. Zwei Orte an der Peripherie von Laos. Dort war er als fallbezogener Berater und Ausbilder für die einheimischen Ärzte tätig. Ackle: «Wir haben keinen direkten Behandlungsauftrag, sondern sorgen für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur.» So hat er etwa den Neubau des neuen Kinderspitals in Muang Kam mitverfolgt, der in Kooperation mit «Swiss Laos Hospital Projects» entstand. Oder bei einem Motorrad-unfall mit einem schwer verletzten Reisbauer Tipps gegeben. Dabei geht es um Fragen wie: Lohnt sich die achtstündige Autofahrt ins nächste Spital? Wird er bleibende Beeinträchtigungen haben? Wenn ja, zieht dies eine Verarmung der Familie nach sich?

Wenn Peter Ackle, Brille, hellbraune Haare, grau melierter Bart, spricht, dann tut er es überlegt. Mehrmals nimmt er die Unterlagen von seinen Einsätzen hervor, damit er nichts Falsches erzählt. Erstmals als operativer Arzt war er schliesslich in Nairobi im Einsatz. Von 8 bis 17 Uhr sind die 25 Zimmer im Gesundheitszentrum der deutschen Organisation «German Doctors» geöffnet. Gemeinsam mit zwei Deutschen und einer Österreicherin bot Peter Ackle dort Sprechstunden an. Immer mit dabei: eine einheimische Übersetzerin. «Die Sprache war jeweils eine grosse Herausforderung», erinnert er sich. Meist beschrieben die Patienten mehrere Beschwerden. Es galt, die wesentlichen Diagnosen, wie zum Beispiel HIV-, Tuberkulose- oder Malariainfektionen, sofort zu erfassen. Obwohl Ackle nur die neu ankommenden Patienten und die Notfallpatienten behandeln musste, betreute er pro Tag manchmal bis zu 300 Patienten. Die Behandlung von den übrigen Patienten übernahm speziell ausgebildetes Pflegepersonal.

Seit Mitte Februar ist Peter Ackle aus Kenia zurück. Seither ist er wieder als Senior an einer Schule tätig und begleitet den Umbau seines Eigenheims in Ehrendingen. Für den kommenden Spätherbst plant er schon den nächsten Einsatz: Kalkutta, Indien. Der Grund: «Ich bin sehr an fremden Kulturen interessiert und die Medizin garantiert mir tiefe Begegnungen mit den einheimischen Menschen. Und ja, am liebsten helfe ich dort, wo es am meisten gebraucht wird.»

Weitere Artikel zu «Neuenhof», die sie interessieren könnten

Im Zukunftslabor bereiteten die Schülerinnen und Schüler vor, was am 30. Oktober um 18 Uhr im Gemeindehaus in Neuenhof ausgestellt wird.Bild: Melanie Bär
Neuenhof28.10.2026

Schüler schätzen, was echt ist

Was kann die echte Begegnung, was künstliche Intelligenz nicht kann? In einem Kulturvermittlungsprojekt gehen Neuenhofer Jugendliche dieser Frage auf den Grund.

…
Vater und Tochter sind glücklich über ihre Räbe.
Neuenhof28.10.2026

Rekord am Räbeliechtli-Spektakel

Duftende Räben, warme Kürbissuppe und leuchtende Kinderaugen: In Neuenhof schnitzten rund 280 Personen ihre Räbeliechtli und zogen anschliessend gemeinsam durch…

Walter Benz (Mitte) übergibt sein Treuhandunternehmen bald an Enkel Patrick Benz. Er führt das Unternehmen künftig mit seinem Kollegen Nicolas Frick (l.).
Neuenhof21.10.2026

Begeisterung als Erfolgsrezept

65 Gewerbetreibende trafen sich am Industrieapéro in Neuenhof. Dabei ging es um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts, fehlende Einsatzkräfte bei der Feuerwehr…