«letztes Wort»

Melanie Bär, Redaktionsleiterin

«Zukunft Gewerbeverein Neuenhof» lautete das Traktandum sieben an der Generalversammlung. Diese Formulierung und der Umstand, dass einige Mitglieder schon länger ihren Rücktritt ankündigten, liessen es erahnen: Die Zukunft des Vereins steht auf der Kippe.

Seit 1946 setzt sich der Verein «für die Interessen des lokalen Gewerbes» ein, wie auf seiner Website steht. Auch die Limmatwelle verdankt ihm ihre Geburt. Mit einer eigenen Zeitung wollten sich Gewerbler gegen aussen sichtbar machen. Schliesslich war der Gewerbeverein eine wichtige Stimme, auch auf politischer Ebene.

Die Technik hat vieles verändert. Zwar sind Gewerbetreibende immer noch auf gute Vernetzung und persönliche Kontakte zu Kundschaft, anderen Gewerbetreibenden, Politik und Behörden angewiesen. Doch Kontakt und Konkurrenz finden auch im Netz statt. Man kann sich online an einem Mitwirkungsverfahren beteiligen, das schöne Möbelstück auf Instagram zeigen und im Online-Shop verkaufen. Der Handwerker wird nicht ausschliesslich beauftragt, weil man ihn persönlich kennt, sondern weil man ihn im Netz gefunden hat, sein Produkt die besten Bewertungen erhielt.

Das bedeutet Veränderung und Mehraufwand. Für Gewerbeverbände und Unternehmer. Verständlich, dass man sich nicht auch noch die Mitarbeit im Vorstand auflasten will. Doch die «Krise» im Gewerbeverein kann auch als Chance genutzt werden. Jedenfalls dann, wenn die Mitglieder bereit sind, die an der GV angefangene Diskussion fertig zu führen. Sich Gedanken über Zweck, Aufgaben und Zukunft zu machen. Zu diskutieren, welche Veränderungen nötig sind, um zukunftstauglich zu bleiben. Zusammenhalt ist durch neue Technologien wichtiger und persönliche Begegnung zu etwas Speziellem geworden. Ich hoffe, dass die Krise neuen Schwung bringt – für welche Variante man sich auch entscheidet.Feedback an:

melanie.baer@chmedia.ch

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