«Das letzte Wort»

«Ist alles gut? Funktioniert dein Handy?», fragte mich meine Mutter vor ein paar Wochen am Telefon. Ihre Stimme wirkte nervös. Sie habe folgende WhatsApp-Nachricht erhalten: «Hallo Mami, mein Handy ist kaputt.» Weiter wurde eine Telefonnummer angegeben und dazu aufgefordert, die neue Nummer abzuspeichern und per WhatsApp zu bestätigen, dass alles angekommen sei.
Zum Glück tat meine Mutter nicht, wozu sie aufgefordert wurde, sondern rief mich umgehend an. Schreibfehler in der Nachricht hätten sie zweifeln lassen, dass sie von mir stammte.
Eine gesunde Portion Skepsis ist gut, sagte Polizist Bernhard Hitz, als er kürzlich in Spreitenbach über Cybercrime referierte (Artikel S. 16). Es ist typisch, dass Täter sich als bekannte Person oder Firma ausgeben. Sein Tipp: Links, Anhänge, Anfragen, unerwartete Aufforderungen hinterfragen, Angaben und Anfragen über einen Zweitkanal verifizieren – so wie es meine Mutter getan hat.
Was ihr passierte, ist kein Einzelfall. Digitale Straftaten spielen weltweit in derselben Liga wie Waffen-, Drogen- und Menschenhandel. Sie sind zu einer riesigen Industrie geworden. Gerade im Trend sind gefälschte Rechnungen mit Malware, Phishing-Fallen mit angeblich unbezahlten Parktickets und eine gefälschte Galaxus-Umfrage mit Gratisangebot. Darüber wird auf cybercrimepolice.ch informiert. Dort findet man auch Tipps, wie man sich schützen und Ereignisse melden kann.
Eine kritische Haltung ist Voraussetzung, um nicht betrogen zu werden. Eigentlich schade. Das einzig Positive an diesem digitalen Phänomen: Der persönliche Kontakt mit einer Person wird wieder wichtiger. Ebenso, ihre Eigenheiten zu kennen und so zu merken, wenn jemand anderes vorgetäuscht wird. Ich jedenfalls habe mich gefreut, mit meiner Mutter zu telefonieren.
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