«Das letzte Wort»

«Sie hielten sich kaum an Regeln, beschädigten Mobiliar und tyrannisierten die anderen.» So beschreiben die Jugendarbeiterinnen in Spreitenbach die frühere Situation im Jugendtreff mit älteren Jugendlichen. Dank den neuen Regeln und Angeboten konnten die Probleme Schritt für Schritt entschärft werden (siehe Artikel auf Seite 12/13). Dass solche Szenen keine Seltenheit sind, wenn Kinder und Jugendliche aufeinandertreffen, stimmt mich nachdenklich.
Meine ältere Tochter kommt im Sommer in den ersten Kindergarten. Sie freut sich darauf, dann auch zu den «Grossen» zu gehören und ihre früheren Spielgruppen-Gspänli, die bereits den Chindsgi besuchen, wieder zu sehen. Ich blicke dem Kindergarteneintritt jedoch mit gemischten Gefühlen entgegen. Schön ist, dass mein Kind dadurch ein bisschen unabhängiger wird und neue Erfahrungen und Eindrücke sammelt.
Dass meine Erstgeborene aber bereits ihre ersten Schritte auswärts geht und ihren schulischen Weg startet, macht mich wehmütig. Eine Zerrissenheit, die wohl die meisten Eltern plagt. Man freut sich, wenn der Nachwuchs selbstständiger und älter wird. Es gibt einem mehr Luft und Freiheit, die man an so manch hektischem Tag oder in so manch unruhiger Nacht als Elternteil herbeisehnt. Doch gleichzeitig wünscht man sich, dass die Kinder klein bleiben und nie aufhören, einen zu brauchen.
Ängstlich bin ich, weil ich mein Kind im Chindsgi nicht mehr beschützen kann, wenn es zu Konflikten, Ungerechtigkeiten oder Tyrannei kommt, wie das Beispiel aus Spreitenbach zeigt. Gut, dass mir noch vier Monate Zeit bleiben, um mich mental auf das nächste Kapitel meiner Tochter vorzubereiten. Und natürlich will ich sie stärken, damit sie selbstbewusst ihren Weg geht – bei dem ich nach und nach immer mehr meinen Platz am Rand suchen muss.Feedback an:
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