«Das letzte Wort»

«Ich habe das Gefühl, in meinem Traumland angekommen zu sein», sagte Pamela Nayler, als sie am Champman’s Peak Drive anhielt und übers Meer zu den Houds Bay schaute. Vor 34 Jahren ist die 59-Jährige nach Südafrika ausgewandert. Dorthin, wo meistens die Sonne scheint und die Menschen in den widrigsten Umständen ihre positive Lebenseinstellung behalten, wie sie sagt.
Doch die Schweizerin hat mir während des Interviews auch von den sozialen Unterschieden und der Kriminalität erzählt. Vom Zweifel, nach der Scheidung finanziell nicht über die Runden zu kommen. Der sie bewog, nach acht Jahren zurückzukehren und in Killwangen ihren kranken Vater zu pflegen.
Während ich ihr zuhörte, sah ich hinter die Fassaden einer Auswanderung. Wie schwierig es ist, Familie und Freunde zu verlassen. Manchmal sieht man auf den ersten Blick nur die Erfolgsgeschichten. Sieht nicht die Zweifel und Widrigkeiten auf dem Weg zum Glück.
Ich kenne diese Zweifel gut. Sie kommen jedes Mal, bevor ich für eine Reportage alleine ins Ausland reise. Ich liebe dieses Sahnehäubchen meines Jobs sehr. Und trotzdem weiss ich mittlerweile, dass sich kurz vor der Abreise Zweifel ausbreiten. Schaffe ich es, mich im Linksverkehr allein durch die Millionenstadt zu manövrieren?
Pamela Nayler hat ihre Zweifel überwunden. Ihre Sehnsucht war stärker. Nach 16 Jahren in der Schweiz wanderte sie erneut aus. Und lebt nun in ihrem Traumland, wie sie sagt.
Dort habe ich sie im Februar besucht. Auf der zweistündigen Autofahrt habe ich zwar ab und zu Scheibenwischer statt Blinker betätigt, mich ansonsten problemlos im Linksverkehr behauptet.
Es hat sich auch für mich gelohnt, meine Zweifel zu überwinden, die Komfortzone zu verlassen. Im Wissen, dass es Mut braucht, um Träume zu verwirklichen. Zweifel und Glück gehen manchmal Hand in Hand. Feedback an:
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