«Das letzte Wort»

«Vielleicht war es übertrieben, alles am Familientisch zu diskutieren», gab sich der Würenloser Verleger Peter Wanner am vergangenen Freitag selbstkritisch. Zusammen mit Sohn Michael liess er am Gesprächsabend des Kulturkreises tief in sein Arbeits- und Privatleben blicken (Artikel S. 15). Statt zu schweigen, habe er Freud und Leid mit Kindern und Frau beim Abendessen geteilt. Michael Wanner und seine drei Geschwister bekamen mit, wenn in der Druckerei gestreikt wurde oder ein Chefredaktor über die Stränge schlug. Im Gegenzug erlebten sie die Radsporttage Gippingen an vorderster Front mit. Sahen, wie sich ihr Vater 1996 über die Fusion mit der Aargauer Zeitung freute. Indem er seine Kinder miteinbezog, erlebten sie, was es heisst, ein Unternehmen zu führen. Sie lernten fürs Leben – oder in seinen Worten ausgedrückt, sie wurden «sozialisiert».
Auch die Einführung in den Kapitalismus hat Peter Wanner bei seinen Kindern selbst übernommen, wie er am Freitag mit verschmitztem Lachen verriet: beim gemeinsamen Monopoly-Spiel.
«Ein Unternehmer, der nach Hause kommt, nie etwas erzählt und alles in sich hineinfrisst, darf sich nicht wundern, wenn seine Kinder später nichts mit dem Unternehmen zu tun haben wollen», sagte Wanner. Seine Offenheit hat sich ausbezahlt: Drei der vier Kinder sind ins Familiengeschäft eingestiegen und führen das Unternehmen in fünfter Generation.
Die meisten Menschen haben nicht das Privileg, ein Familienunternehmen zu führen und weiterzugeben. Doch das Beispiel Wanner zeigt, dass ein ehrlicher Meinungsaustausch auf Augenhöhe Verständnis und Vertrauen schafft. Das ist viel wichtiger, als das Bild eines immer starken Vaters, einer fehlerlosen Mutter abgeben zu wollen. In diesem Sinne: Nein, es ist nicht «übertrieben», sich von seiner menschlichen Seite zu zeigen. Nicht nur am Familientisch. Es zahlt sich für alle aus, echt zu sein. Auch für sich selbst. Feedback an:
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