«Das letzte Wort»

Nach mehr als zwei Monaten ist das Ammannbüro im Neuenhofer Gemeindehaus wieder belebt. An der Wand hängt eine Neuenhofer Fahne von der Expo 1964. Am Pult sitzt Tobias Baumgartner. Der Parteilose wurde am Sonntag zum Ammann gewählt (Interview S. 8/9). Eine Überraschung ist das nicht. Er war der einzige Kandidat, der sich zur Verfügung gestellt hat.
Ursprünglich hatte die langjährige Frau Vizeammann Petra Kuster Gerny (SVP) mit dem Amt geliebäugelt, dann aber im August verkündet, dass sie sich komplett aus der Neuenhofer Politik zurückzieht. Auch Gemeindeammann Martin Uebelhart (Mitte) stellte sich nach nur anderthalb Amtsperioden nicht mehr zur Wahl. Immer wieder war der Gemeinderat in Kritik geraten. Mehrmals wurde der Rücktritt aller langjährigen Exekutivmitglieder gefordert. Zur Rochade kam es trotzdem nicht. Es stellten sich nur fünf Personen für die fünf Sitze zur Verfügung, davon drei Bisherige. Das Amt des Vize und der fünfte Gemeinderatssitz wurden gar in stiller Wahl vergeben.
Anfangs wollte niemand von ihnen das Ammannamt übernehmen. Nur unter der Bedingung, das Amt in einem 40-Prozent-Pensum auszuüben, hat sich Tobias Baumgartner zur Verfügung gestellt. Die geplante Reorganisation – Operatives und Strategisches zwischen Gemeinderat und Verwaltung zu trennen – wird damit nun umgesetzt.
Zwar gehört Baumgartner auch zu den Bisherigen. Allerdings ist der 44-Jährige erst seit vergangenem Frühjahr politisch aktiv. Er kam, als es längst brodelte. Trotzdem ist es nun an ihm, den Turnaround zu schaffen. «Die Geschichte ist geschrieben. Ich schaue in die Zukunft», sagt er. Ob es ihm gelingt, das Vertrauen zurückzugewinnen, hängt stark damit zusammen, wie der Gemeinderat in Sachen Finanzen, Kommunikation und Härdli weitergeht. Feedback an:
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