«Das Letzte Wort»

Irene Hung-König, Redaktorin Limmatwelle

Unvergessen sind die Bilder, als die Bevölkerung während der Pandemie auf den Balkonen stand und für das Pflegepersonal klatschte, um damit Danke zu sagen. Schnell gerieten die Bilder wieder in Vergessenheit, diese aufopferungsvolle Arbeit wurde schon vor Corona gestemmt, nur wurde sie nicht als systemrelevant empfunden. Am internationalen Tag der Pflege, am 12. Mai, wurde den Menschen in den Pflegeberufen für ihre Arbeit gedankt. «Es nützt nichts, dass man die Mitarbeitenden an einem Tag der Pflege würdigt. Die Wertschätzung für unsere Mitarbeiter besteht schon in unseren Leitsätzen, das ist unsere Unternehmenskultur. Wenn das nicht gesamthaft gelebt wird, dann funktioniert das nicht», ist Karsten Sasse, der Leiter Betreuung und Pflege am Alterszentrum St. Bernhard in Wettingen, überzeugt.

Doch wie gelingt den Pflegenden der Ausstieg aus Überlastung und Frustration? Karsten Sasse weiss: Zuhören ist das A und O. Er sieht sich als Dirigent eines Orchesters, der die Töne auf die Harmonieebene bringen muss, damit es funktioniert. Wenn eine Mutter für ihre Kinder das Mittagessen zubereiten möchte, dann kann sie täglich von 7 bis 11 Uhr arbeiten. Das Umfeld spiele heute eine grössere Rolle als früher. Denn was macht es mit den Mitarbeitenden, wenn sie sieben bis zehn Tage am Stück arbeiten? Wo bleibt da die Familie, wo bleibt der Mensch?, fragt Karsten Sasse. Im Pflegeberuf steht der Mensch im Fokus, er ist kein Produkt. Die Pflegenden müssen auf ihn eingehen, sein Vertrauen gewinnen. Die klatschenden Menschen gaben ein gutes Bild ab, doch ohne zu wissen, was die Menschen in den Pflegeberufen umtreibt und frustriert, ist das Zuhören und Handeln nur ein erster Schritt.

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