Reiten, klettern oder die Tischbombenfabrik besuchen
Zum ersten Mal fand der «Ferienspass» im Frühjahr statt im Herbst statt. Das soll künftig so bleiben.
«Hat jemand eine Idee, wie man ein Pferd putzt?», fragt Lotta Heim in die Runde. Die zehn Kinder, die im Stall der «Buechbuehls Miniature Horses» in Killwangen stehen, antworten nicht. Sie sind vor ein paar Minuten von ihren Eltern hergebracht worden und wirken noch sehr scheu. Auch gegenüber den Minipferden, die vor ihnen stehen. Heim hebt eine ovalförmige Plastikbürste in die Höhe und erklärt, dass man damit das Fell der Pferde bürsten kann. «Immer in Richtung des Fells streichen», sagt die Jugendliche, die im Stall mithilft. Noch immer getrauen sich die Kinder nicht so recht, selbst Hand anzulegen. Ein Junge beginnt zu weinen, will zu seiner Mutter.
Stefanie Neukom nimmt ihn an der Hand und spricht ihm Mut zu. Sie ist eine der neun Vorstandsmitglieder des Vereins «Ferienspass Spreitenbach und Killwangen». Die Frauen organisieren verschiedene Kurse, die alle Kindergärtler und Schulkinder von Spreitenbach und Killwangen besuchen können. Zum ersten Mal finden die Kurse nicht wie bisher in den Herbst-, sondern in den Frühlingsferien statt. «Wir haben gemerkt, dass die Herbstferien bei vielen Familien beliebt sind, um wegzufahren. Die Frühlingsferien verbringen hingegen viele daheim», begründet Neukom, weshalb sie die Kurse neu in der zweiten Frühlingsferienwoche anbieten.
85 Kindern an 12 Kursen
Bei der diesjährigen ersten Durchführung im Frühjahr blieb wenig Zeit fürs Organisieren. Deshalb beschränkten sich die Frauen auf drei Tage. 85 Kinder nahmen an den 12 durchgeführten Kursen teil. Ausgebucht waren zum Beispiel die Kurse auf dem Bauernhof, in der Tischbombenfabrik oder eben bei den Minipferden. Ebenso wie der Fimo-Workshop, Tortendekoration oder der Turnhallenbesuch. Vier Kurse mussten mangels Anmeldungen abgesagt werden. «Das gehört dazu», sagt Neukom. Manchmal seien Kurse im einen Jahr beliebt und haben ein Jahr später keine Resonanz mehr.
Die Abnahme der Teilnehmerzahl in diesem Jahr begründen sie damit, dass nur an drei Tagen Kurse angeboten werden. Weil sie jetzt wieder ein ganzes Jahr Zeit haben, Kurse zu organisieren, wollen sie im nächsten Frühling wieder an fünf Tagen Angebote schaffen. Denn die Motivation bei den Vorstandsmitgliedern ist gross, sich ehrenamtlich für den «Ferienspass» einzusetzen: «Wir sind alles Mütter, unsere Kinder nahmen oder nehmen selbst an Kursen teil. Diese Erlebnisse wollen wir ihnen und auch anderen Kindern ermöglichen.»
Auf Initiative der Jugendkommission Spreitenbach ist das Angebot für Spreitenbacher Schulkinder vor elf Jahren entstanden, drei Jahre später beteiligte sich auch der Elternverein Killwangen daran. Bis vor fünf Jahren lief das Projekt unter der Trägerschaft des Familientreffs Spreitenbach, einer Untergruppe des katholischen Frauenvereins. Nach dessen Auflösung im Jahr 2021 wurde der Verein «Ferienspass Spreitenbach und Killwangen» gegründet. Zwischen 7 und 25 Franken kostet ein Kurs. Dank finanzieller Unterstützung der Gemeinde Killwangen, den Spreitenbacher Ortsbürgern und Sponsoren kann der Beitrag so tief gehalten werden.
Pferde als Resilienztrainer
Mittlerweile haben die Kinder die Pferde gebürstet und draussen einen Parcours aufgestellt. Mutig führen sie die kleinen Pferde über ein bewegliches Brett und auf ein Podest. Die Scheu ist bei den meisten verflogen. Auch der Junge denkt nicht mehr daran, seine Mutter zu vermissen. Er streicht dem Pferd über den Rücken und redet ihm gut zu, übers Brett zu gehen, statt dem Hindernis auszuweichen.
Gabriele Voser wundert die Veränderung nicht. Die Inhaberin des Pferdehofs erlebt oft, wie sich die Tiere positiv auf Menschen auswirken. Mittlerweile bietet sie auf dem Hof auch Resilienz-Kurse an. «Mit ADHS oder Autismus betroffenen Kindern machen wir tolle Erfahrungen damit.» Ihre eigene Tochter war der Grund, dass im Mai 2005 auf dem Killwangener Hof das erste Minipferd in der Schweiz geboren wurde. «Wir wollten für sie ein kleines Pferd, das kinderfreundlich, willig und gleichzeitig mutig ist.» Mittlerweile ist die Tochter erwachsen, studiert Psychologie und ist auf dem Hof für die Zucht und Ausbildung zuständig. Ihr psychologisches Fachwissen will sie künftig noch mehr auf dem Hof einfliessen lassen, der mittlerweile zum grössten Zuchtbetrieb von amerikanischen Miniaturpferden in der Schweiz geworden ist.






