Kunst, die polarisiert und zum Innehalten einlädt

Vor dem Kunstwerk: Art-Flow-Kurator Christoph Doswald (l.) und Künstler Beat Zoderer.Ursula Burgherr
Vor dem Kunstwerk: Art-Flow-Kurator Christoph Doswald (l.) und Künstler Beat Zoderer.Ursula Burgherr

Es war nicht einfach, das letzte Exponat des dreijährigen Kunstprojektes Art Flow zu platzieren. Aber nun steht Beat Zoderers Eisenskulptur «Zack» an ihrem Standort beim Bahnhof Killwangen und ist ein wahrer Blickfang.

Art Flow hat in den letzten drei Jahren 25 Kunstprojekte im öffentlichen Raum im Limmattal realisiert, die auf unterschiedlichste Art berührt und herausgefordert haben. Die meisten waren vergänglich, viele polarisierten und regten zu Diskussionen an. Das letzte Werk in dieser Reihe ist die Monumentalskulptur «Zack» des Wettinger Künstlers Beat Zoderer. Letzte Woche wurde es eingeweiht und ragt nun als permanentes Denkmal nahe dem Bahnhof Killwangen in den Himmel.

Was soll das acht Meter hohe Stahlkonstrukt, das fortan Blickfang für Abertausende von Zugreisenden und Autofahrenden sein wird, eigentlich darstellen? Symbolisiert es den Zickzack einer Lebenskurve? Das Mäandern eines Flusses? Oder stellt es einen Blitz dar, der einschlägt? Die Skulptur «Zack» lässt vielfältige Interpretationsmöglichkeiten zu. Zoderer, der in Wettingen lebt und arbeitet, entwarf sie, nachdem er jahrelange Studien über das «zeitliche Hin und Her» in Form von Malereien und Papierarbeiten gemacht hatte. «Zack» ist in der Schweiz das bisher grösste Exponat, das der international bekannte Künstler geschaffen hat. Seine leuchtende orange Signalfarbe bildet einen Kontrast zum Grau der umliegenden Strassen und ist eine Anlehnung an die Stahlbautradition, in der orangefarbene Eisenmennige jeweils als Rostschutz zum Einsatz kamen.

1500 Arbeitsstunden aufgewendet

«Zack» besteht aus zirka drei Tonnen Baustahl. Für die Planung und Produktion des Werks wurden rund 1500 Arbeitsstunden aufgewendet. Statiker Andreas Galmarini entwickelte die Konstruktion nach Zoderers Entwurf. Nach langer Standortsuche wurde auch ein Landbesitzer gefunden, der mitzog.

Um das riesige Kunstwerk vom Spritzwerk an seinen Bestimmungsort zu bringen, waren Spezialtransporte nötig. Die Sonderbewilligungen dafür zu erhalten, gestaltete sich als so schwierig, dass die Vernissage von «Zack» kurzfristig um eine Woche verschoben werden musste.

Aber das sind Tempi passati. «Wir haben es geschafft – Freude herrscht», jubelte die Art-Flow-Medienverantwortliche Simone Toellner am Einweihungsanlass. In einem Podiumsgespräch liess sie nochmals einige der Hauptprotagonisten rund um das Projekt zu Wort kommen. Markus Schmid, Gemeindeammann von Killwangen, lobte Zoderers «Zack», auch wenn ihn das Werk bei einem ersten Blick auf den Entwurf etwas sehr futuristisch angemutet habe: «Es wertet den Ort auf und der Pfeil Richtung Himmel ist ein Symbol für die Entwicklung des Limmattals. In allen Gemeinden geht es vorwärts», meinte das Kommunaloberhaupt.

André Odermatt, Zürcher Stadtrat und Vizepräsident von Art Flow, findet, dass Kunst im öffentlichen Raum, die polarisiert, einer Region ungemein guttut: «Die Leute bleiben stehen, schauen genauer hin, fangen an zu diskutieren. Und nehmen plötzlich einen Standort wahr, den sie vorher vielleicht gar nie richtig beachtet haben. Das schafft Identität.» Markus Schneider, Stadtammann von Baden und Präsident des Kunstprojekts Art Flow, machte zum grossen Finale nochmals einen Rückblick auf drei ereignisreiche Jahre, in denen oft viele Hürden überwunden und zahlreiche Bewilligungen eingeholt werden mussten: «Wir haben in kurzer Zeit extrem viel realisiert, und ich bin stolz auf alle Kunstschaffenden und Gemeinden, die mitgewirkt haben», bekundete er dankbar. Toellners Frage, ob er Art Flow vermissen werde, beantwortete er mit «Ja».

Brücke zwischen Kunst und Leben

Art-Flow-Kurator Christoph Doswald bezeichnete Beat Zoderer in seiner Ansprache als einen Kreativschaffenden, der Brücken schlägt zwischen der Kunst und dem Leben. «Er arbeitet mit Alltagsmaterialien, die er im künstlerischen Prozess so transformiert, dass sie ihr eigenes Leben entwickeln», sagte er und zeigte sich erleichtert, dass bis zum Schluss alles gut gelaufen ist. Zurzeit ist er in der Abschlussphase des Buches «Art Flow – Kunst im Limmattal 2023–2025», das kommenden April im Verlag für moderne Kunst Wien herauskommen wird.

Zoderer freut sich darauf, dass er fortan «Zack» seinem Enkel zeigen kann, wenn er mit den öV von Wettingen nach Zürich fährt. Während viele Kunstprojekte von «Art Flow» temporärer Natur waren, haben in Zürich die «Glacier Blocks» von Lara Almarcegui und «The Point of Interest» von Karin Sander sowie inBaden die skulpturale Feuerstelle «Lighthouse» von Oscar Tuazon einen permanenten Standort gefunden. Auch Bernhard Meiers «Zeitlose Zeit» – zurzeit am Kirchturm der römisch-katholischen Kirche Würenlos – bleibt für die Öffentlichkeit bestehen. Die überdimensionale Aludose «Lumpy Purple Can» von Tobias Kaspar, die derzeit am Limmatuferweg Unterengstringen platziert ist, wird ein Eyecatcher auf dem Kulturweg Limmat sein.

 

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