Er präsentiert vergessene Klosterkunst

Bei der Vernissage: Hubi Spörri mit Wettinger   Regierungsrat Markus Dieth.zVg
Bei der Vernissage: Hubi Spörri mit Wettinger Regierungsrat Markus Dieth.zVg

Hubi Spörri hat das Abtzimmer im einstigen Erholungsheim des Klosters Wettingen auf dem Sennenberg in Killwangen neu gemalt. Jetzt zeigt der 83-jährige Wettinger sein Werk der Öffentlichkeit.

Über 3000 Stunden Arbeit hat Hubi Spörri in sein Megaprojekt gesteckt. Am Sonntag machte der 83-jährige Komponist, Dirigent und ehemalige Wettinger Lehrer an einer Vernissage in Anwesenheit von Festredner und Wettinger Regierungsrat Markus Dieth und über 220 Interessierten ein besonderes Zimmer öffentlich zugänglich. Der Senior aus Oberrohrdorf hat die vergangenen eineinhalb Jahre damit verbracht, Tafelbilder aus dem 18. Jahrhundert neu zu malen. Sie schmückten einst den Dachstock im ehemaligen Erholungsheim des Klosters Wettingen auf dem Sennenberg in Killwangen. Das rekonstruierte Zimmer befindet sich in der Lindenhofscheune in Oberrohrdorf – nur etwa zwei Kilometer vom ursprünglichen Standort entfernt.

Die in den 1720er-Jahren vom damaligen Wettinger Abt Alberik Beusch beauftragten Wandmalereien existieren heute nicht mehr. «Anlässlich eines Umbaus von 1920 gingen wertvolle Malereien verloren, ein Teil davon wurde ins Historische Museum Baden überführt», erzählt Spörri. Das Problem: Dort sind sie unzugänglich gelagert. Der Künstler musste deshalb die Neumalung in Acrylfarbe sowie die Rekonstruktion des Zimmers im Massstab 1:1,25 mithilfe von alten, teils unscharfen und schwarz-weissen historischen Aufnahmen bewältigen. «Die Fotos sind vielfach so verschwommen, dass ich die Gesichter darauf nicht erkennen konnte. Ich habe mir daher erlaubt, ein paar Familienmitglieder zu verewigen», verrät Spörri mit einem Schmunzeln und zeigt auf eine Bauernfamilie, die aus seinem Sohn, seiner Frau und einem Enkel besteht.

Verlorene Schätze zurückholen

Bei seiner Arbeit hat der Senior auch Neues entdeckt. So konnte er einen vermeintlichen Baumkletterer auf einem Sujet als Spanner entlarven. Und erst kürzlich bemerkte er aufgrund eines Hinweises einer Kunstführerin im Kloster Wettingen, dass der französische Schlossgärtner, der als Detail am Rande eines Bildes auftaucht, ziemlich sicher André Le Nôtre, der Gartenarchitekt des «Sonnenkönigs» Ludwig XIV., war. «Auch wenn ich Laie bin, ist es mir gelungen, die verlorenen Schätze so gut es geht zurückzuholen», so Spörri. Doch wozu der immense Aufwand? «Ich will zeigen, was mit der Klosteraufhebung 1841 alles verloren gegangen ist.»

Das Abtzimmer will er nun in Form von Gruppenführungen und Schulklassen auf Anmeldung zeigen. Bis im Sommer ist das möglich. Danach ist die Zukunft für Spörris Werk ungewiss. «Die Lindenhofscheune wird verkauft. Im August soll klar sein, an wen.» Es wäre möglich, dass das Zimmer in ein Bauprojekt integriert würde, findet Spörri. «Ein zweites Mal sollen die Malereien nicht mehr verschwinden.»

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