Killwangen
10.02.2021

Ein Schritt Richtung Zukunft

Akilash Gnanasegar aus Killwangen besucht die WMS in Baden. Im Rahmen eines Schulprojekts designt und verkauft er mit seinem Team Jutebeutel. (Bild: zVg)

Akilash Gnanasegar aus Killwangen besucht die WMS in Baden. Im Rahmen eines Schulprojekts designt und verkauft er mit seinem Team Jutebeutel. (Bild: zVg)

Akilash Gnanasegar aus Killwangen hat mit fünf Klassenkameraden ein Miniunternehmen gegründet. Sie verkaufen Tote Bags. In Pandemiezeiten ist das eine Herausforderung.

Von: Rahel Bühler

Was es heisst, sein eigenes Unternehmen durch eine Krise zu führen, erleben Akilash Gnanasegar aus Killwangen und seine Klassenkameraden im Moment: Sie besuchen das zweite Jahr der Wirtschaftsmittelschule (WMS) in Baden. In diesem Schuljahr gründen die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Miniunternehmen. Dahinter steckt Young Entreprise Switzerland (YES). Das Projekt heisst «Company Programme» (siehe Box).

Gnanasegar hat im August mit Jerry Rickli, Misliyna Gökdemir, Seung-Eun Kuk, Carolina Dätwyler und Senija Dacik das Unternehmen Atelier 6 gegründet. Sie gestalten und verkaufen Tote Bags. Zu Deutsch: Jutebeutel. Sie produzieren etwas Handwerkliches, und das Team besteht aus sechs Mitgliedern. Deshalb «Atelier 6».

An der Kanti Baden gibt es momentan sieben solcher Gruppen. Pro Woche stehen ihnen drei Lektionen zur Verfügung, in denen sie an ihren Firmen arbeiten können. In der Regel reiche das nicht, sagt Wirtschaftslehrer Michael Stutz. Er betreut drei der Gruppen. «Vieles machen die Schülerinnen und Schüler in der Freizeit.» Seit zwei Wochen ist zudem Fernunterricht angesagt. Bisher klappe das gut, sagt er. Man kommuniziere via «Microsoft Teams». Gnanasegar gefallen diese Videokonferenzen: «Wir haben es lustig und bleiben doch professionell.»

50 Stück der ersten Kollektion sind schon verkauft

Sein Team habe schnell gewusst, was es umsetzen will: «Wir interessieren uns für Mode. Schliesslich hatten wir die Wahl zwischen T-Shirts und Taschen.» Weil es schon viele Unternehmen gebe, die Shirts produzieren, sei ihre Wahl auf Taschen und konkret auf Jutebeutel gefallen. Durch Zufall, wie der Killwangener sagt: «Ein Gruppenmitglied hatte einen solchen Bag dabei.» Dass sich ihr Beutel von den existierenden unterscheiden muss, war ihnen klar. «Wir setzen auf Nachhaltigkeit.» So haben sie einen Baumwollstoff ausgewählt, der robust ist und lange halten soll. «Wir sind junge Leute mit Interesse an unserer Umwelt. So möchten wir unseren Teil dazu beitragen.» Dazu haben sie die Stoffe in Läden getestet. Die Skyline von Baden ziert die Beutel. «Wir haben unsere Firma dort gegründet. Mit dem Motiv wollen wir möglichst viele Menschen ansprechen.»

Im September fand die Gründungsveranstaltung statt. Dort waren laut dem 18-Jährigen vor allem Eltern, Kollegen und Lehrpersonen anwesend. Sie konnten sich am Ende der Veranstaltung Partizipationsscheine erwerben. Am Ende hatte das Team 56 Scheine verkauft. Das Geld diente als Startkapital.

Nach der Gründung liess das Team 50 Exemplare in Deutschland produzieren. «Wir haben niemanden gefunden, der näher ist. Aber wir haben geschaut, dass die Produktion nicht allzu weit weg ist», sagt Gnanasegar. Weil die ersten 50 Taschen innerhalb von zwei Tagen ausverkauft waren, haben sie nochmals 50 Stück nachbestellt.

Im Hinblick auf den Weihnachtsmarkt an der Kanti hat das Team Ende November eine zweite Kollektion lanciert: Sie trägt die Umrisse der Badener Kanti als Motiv. Auch davon haben sie 50 Stück bestellt. Etwa 15 davon haben sie noch. Die Gruppe tüftelt derzeit an einer dritten Kollektion. Was als Motiv dienen wird, ist noch unklar. Vielleicht die Limmat oder die Stadt Zürich.

Grösster Stolperstein für das Miniunternehmen ist der Verkauf

Wirtschaftslehrer Stutz ist davon überzeugt, dass die jetzigen Erfahrungen den Schülern im späteren Berufsalltag helfen werden: «Sie lernen nicht nur die Theorie, sondern auch die praktische Anwendung.» Wenn also jemand künftig in der Finanzbuchhaltung arbeitet, habe er schon einmal eine vereinfachte Mehrwertsteuerabrechnung selber erstellt. Gnanasegar ergänzt: «Man lernt auch, welche Stolpersteine es gibt, wenn man eine eigene Firma gründen will.» Zum Beispiel funktioniere nicht immer die erste Idee. Man brauche immer einen Plan B.

Grösster Stolperstein für das Team ist der Verkauf ihrer Beutel. Für die vorherigen Jahrgänge gab es Messen, etwa im Shoppi in Spreitenbach oder im Tägipark in Wettingen, wo sie ihre Unternehmen vorstellen konnten. Heuer nicht. Also versuchen sie es via soziale Medien und Onlineshop. «Zudem fragen wir Firmen an, die etwas mit Baden zu tun haben, ob sie Interesse hätten, unsere Beutel zu verkaufen.»

Er selbst könne sich gut vorstellen, später einmal eine eigene Firma zu gründen. In welche Richtung es gehen soll, weiss er aber noch nicht. Zuerst möchte er die WMS beenden und dann ein einjähriges Praktikum im kaufmännischen Bereich machen. Das ist Teil der Ausbildung. Nach der Rekrutenschule würde er gerne studieren. Ingenieur oder etwas Wirtschaftliches würden ihn interessieren.

Mehr Informationen finden sich online unter atelier6ix.ch

Über YES

Young Entreprise Switzerland (YES) ist eine Non-Profitorganisation, die Wirtschaftsbildungsprogramme für Schülerinnen und Schüler entwickelt und betreut. Ziel ist es, Wirtschaft und Schule zu vernetzen.

Im «Company Programme» gründen und führen Schüler im Alter von 16 bis 20 Jahren ihre eigenen Miniunternehmen. So lernen sie während eines Schuljahrs, was es bedeutet, ein Unternehmer zu sein. Lehrpersonen und praktische Berater von YES unterstützen sie dabei. (rb)