Limmattal
28.10.2020

CVP-Politiker aus der Region stimmen «Der Mitte» zu

Wird die CVP bald «Die Mitte» heissen? Darüber haben die Mitglieder abgestimmt. Keystone

Wird die CVP bald «Die Mitte» heissen? Darüber haben die Mitglieder abgestimmt. Keystone

In einer nationalen Abstimmung stimmten die Parteimitglieder für den neuen Namen. Auch Vertreter aus dem Limmattal waren darunter.

Von: Rahel Bühler

«Die Mitte». So wird künftig die christlich-demokratische Partei, auch bekannt als CVP, heissen. So haben die Parteimitglieder in einer nationalen Abstimmung von Ende September bis Mitte Oktober entschieden. Sie stimmten dem neuen Namen mit 60,6 Prozent zu. Die Stimmbeteiligung lag bei 27,2 Prozent. Das gab die CVP in einer Mitteilung vom Dienstag bekannt. Die Gründe für den Namenswechsel nannte die Parteileitung bereits vor der Abstimmung: Wählerverlust, eine abschreckende Wirkung des C, Neuorientierung. Was meinen CVP-Vertreter aus der Region zum Namenswechsel? Die Limmatwelle hat nachgefragt. Das Fazit: Auch die Mehrheit der angefragten Politikerinnen und Politiker stimmte für den neuen Namen.

Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster sagt, der christliche Hintergrund sei für ihn nicht zentral. Wichtig seien ihm Werte wie Individualität, soweit sie nicht zum Schaden anderer wird, Subsidiarität, also Lösungen vorerst im Kreise der Betroffenen suchen, Solidarität, wenn es den Effort der Gesamtheit der Bevölkerung braucht. Er sei CVP-Mitglied, weil sie in der Mitte die Extreme der Pole mit einer lösungsorientierten Sachpolitik verbinde. Der Killwangener Gemeinderat Markus Schmid sagt, mit dieser Mittepolitik und den vorgelebten Werten und Strategien der Partei könne er sich identifizieren. Gleicher Meinung ist die Würenloser Gemeinderätin Barbara Gerster. Und: «Ich schätze unsere spannenden Debatten mit Frauen und Männer aus den verschiedensten Berufsfeldern.»

CVP-Politik: Sachlich und manchmal auch etwas langweilig

Für Martin Uebelhart, Gemeindeammann von Neuenhof, ist entscheidend, dass sich die Partei am Wohl des einzelnen Menschen und der gesamten Bevölkerung orientiert, ohne dass damit andere ausgegrenzt oder benachteiligt werden.

Für Spreitenbachs Ortsparteipräsident Mato Banovic hingegen war der christliche Hintergrund ausschlaggebend für seine Wahl der CVP als politische Heimat. «Wenn man den Begriff christlich nicht zu eng, im Sinne von religiös, auslegt, stellt man fest, dass unsere Rechtsordnung, unser Wertesystem und unsere Bräuche im Wesentlichen auf christlichen Grundwerten fussen.» Er wolle eine Politik, «die sachlich ist und deswegen vielleicht etwas langweilig erscheinen mag, aber echte Lösungen bietet». Er stehe für den Namen CVP und dafür ein, den Bürgern die Interpretation des C zu vermitteln. Ob und was er abgestimmt hatte, möchte er nicht in der Zeitung lesen.

Auch für Regierungsrat Markus Dieth ist der christliche Hintergrund wichtig: «Es geht um ethisch-moralische Grundwerte, wie die christliche Nächstenliebe, gegenseitigen Respekt, den Fokus auf die Gemeinschaft oder das Einstehen für die Schwächeren.» Auch Sandro Sozzi, Gemeinderat aus Wettingen, sagt, er finde die christlichen Werte wichtig. «Sie haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind.» Trotzdem befürworten beide die Namensänderung.

Einen Wechsel zu einer anderen Partei will niemand vollziehen

Einen Parteiwechsel strebt niemand der angefragten Politiker und Politikerinnen an. Dieth und Sozzi argumentieren etwa damit, dass sich der Name ändere, aber nicht die Politik. Oder dass die Partei damit nur noch deutlicher macht, was sie schon lange ist: eine Mittepartei. Urs Alt, Parteipräsident aus Killwangen, sagt dazu etwa: «In einer Zeit, in der extreme Positionen zunehmen, geht es darum, die Mitte zu stärken. Das geht nur mit neuen Wählern. Deshalb bin ich für den neuen Namen.» Andreas Schorno, der Würenloser Ortsparteipräsident, findet es richtig, die Basis in den Prozess einzubeziehen. Er nennt den Namenswechsel aber auch einen mutigen Schritt, der zuerst «in den Köpfen verarbeitet werden» müsse.

Wettingens Ortsparteipräsidentin Ursi Depentor bläst ins gleiche Horn: Der Schritt gebe der Partei die Chance, neue Wählerinnen und Wähler und sogar neue Parteimitglieder zu gewinnen. «Ich sehe es wie bei einer Hochzeit: Zwei vermählen sich und jemand erhält einen neuen Namen, ohne seine persönlichen Werte zu verlieren.»

Für diesen Artikel wurden auch Spreitenbachs Vizepräsident Markus Mötteli und Neuenhofs Grossrätin Susanne Voser kontaktiert. Sie haben jedoch nicht auf die Anfragen reagiert.

In der Abstimmung entschieden die Mitglieder über den neuen Namen der gesamten Partei. Die nationale Parteileitung legt den Orts-, Bezirks- und Kantonalparteien allerdings nahe, in den nächsten vier Jahren den Namenswechsel zu vollziehen, sollte die Urabstimmung positiv ausfallen.