Wettingen
14.10.2020

Grüne Welle ist bei den Fahrzeugen auch bemerkbar

Der Elektrobus der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen ist seit knapp einem Jahr im Einsatz. Der RVBW-Direktor ist zufrieden damit. Sandra Ardizzone/Archiv

Der Elektrobus der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen ist seit knapp einem Jahr im Einsatz. Der RVBW-Direktor ist zufrieden damit. Sandra Ardizzone/Archiv

Elektrofahrzeuge sind in der Region im Trend: Sowohl die RVBW als auch verschiedene Gemeindewerke und Transportfirmen setzen auf erneuerbare Energien.

Von: Rahel Bühler

Seit knapp einem Jahr ist er unterwegs, der Elektrobus der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW). Er fällt durch die grünen Blätter auf den Scheiben auf und pendelt auf der Linie 8 zwischen Neuenhof, Kirchfeld, Wettingen und Busdepot. Das dauert 30 Minuten. Im Depot lädt er während dreier Minuten die Batterien auf, dann geht es wieder los. Stefan Kalt, RVBW-Direktor, zieht ein positives Fazit: Das Fahrzeug übertreffe die Erwartungen in den meisten Punkten deutlich. Es brauche längstens nicht die erwartete Stromkapazität. Zudem sei es leiser, fahre sanfter als ein Dieselfahrzeug und erzeuge kein CO2. Der Bus sei zu Forschungszwecken zwei Jahre in der Region im Einsatz. Dann geht er zurück ins Werk nach Schweden. Dort wertet der Hersteller die Daten aus und braucht sie für die Produktion eines Serienmodells. Deshalb sagt Kalt auch, es gebe noch Finessen zu verbessern: «Der Fokus unseres Testbusses liegt auf dem Motor, nicht etwa dem Ambiente.» Mit diesem Testbus sei man auch ein Risiko eingegangen, da man nicht wusste, wie er sich bewähren würde.

Bereits jetzt sei aber klar, die Zukunft der RVBW werde elektrisch sein. Das hat der Verwaltungsrat 2018 entschieden. Bereits jetzt sind 4 der 70 Busse Hybriden. In den kommenden Jahren werde die RVBW nach und nach die gesamte Flotte erneuern.

Der Elektrobus ist nicht das einzige Fahrzeug in Wettingen: Beim Werkhof sind 2 von 20 Fahrzeugen elektrobetrieben. Sie kämen hauptsächlich bei der Abfallbewirtschaftung und der Grünarbeit zum Einsatz, schreibt die Gemeinde. Dort, wo kleine, wenige Fahrzeuge gefragt seien. Bereits vor 30 Jahren habe der Werkhof mit dem Einsatz von E-Mobilen begonnen. Die jüngsten Ersatzbeschaffungen fanden vor zwei Jahren statt. Man werde auch bei künftigen Beschaffungen den Fokus auf umweltfreundliche Fahrzeuge legen. Die Regionalpolizei verwendet derzeit keine Elektrofahrzeuge. Da ihre Reichweite beschränkt ist, würden sie sich nicht unbedingt im polizeilichen Einsatz, der nicht voraussehbar ist, eignen.

Bald sind zwei elektronisch betriebene Abfallwagen im Einsatz

In den kommenden Tagen wird die Neuenhofer Transportfirma Obrist zwei Elektrofahrzeuge in Betrieb nehmen. «Für den Stop-and-go-Verkehr sind sie genau die Richtigen. Bei uns ist dieser Verkehr noch extremer als bei Bussen. Wir halten für jeden Abfallsack an», begründet der Geschäftsleiter Thomas Benz. Die Elektromotoren seien ruhiger und ermöglichten ein flüssigeres Fahren. Pro Fahrzeug spare die Transportfirma 60 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Die Anschaffungskosten seien je nach Modell zwei- bis dreimal höher als bei einem Dieselfahrzeug. Letzteres koste – auch hier gilt: je nach Ausrüstung – um die 300000 Franken. Dafür spare die Firma im Alltag: Strom sei günstiger als Diesel und sie müssten keine Schwerverkehrsabgabe bezahlen, sagt Benz. Die Firma besitzt 25 Fahrzeuge und sammelt in 60 Gemeinden Kehricht und Grüngut ein. Man plane zudem, weitere Elektrofahrzeuge anzuschaffen. Sie könnten auch mit Wasserstoff betrieben sein.

Die acht Fahrzeuge, die die Gemeinde Neuenhof besitzt, sind alle mit Dieselmotoren betrieben. Angebote für passende Hybridfahrzeuge seien nicht vorhanden und Elektroautos hätten hohe Anschaffungskosten, teilt Max Caironi, Leiter des Bauamts, mit. Man nehme die Entwicklung aber mit Interesse wahr. In den nächsten zwei Jahren sei kein Ersatz von Fahrzeugen geplant.

Dafür steht seit einem Monat eine Ladestation für E-Autos neben dem Gemeindehaus. Für eine Zwischenbilanz sei die Betriebsdauer jedoch noch zu kurz, lässt die Betreiberin, die Regionalwerke Baden, verlauten.

Solche Ladestationen gibt es auch bei der Raststätte Würenlos oder im Parkhaus vom «Tivoli». Auch die sechs Fahrzeuge der Gemeinde Würenlos fahren nicht elektrisch. Bei der Anschaffung einer Reinigungsmaschine sei die Variante Elektro in Betracht gezogen, aber aus finanziellen Gründen nicht berücksichtigt worden. Der Anschaffungspreis wäre 290000 Franken anstelle von 150000 gewesen, schreibt die Gemeinde auf Anfrage. Bei den Technischen Betrieben Würenlos ist im Budget 2021 die Beschaffung eines Elektrofahrzeugs vorgesehen, bei der Bauverwaltung ist momentan keine Anschaffung geplant.

In Spreitenbach fahren 2 von 20 Fahrzeugen elektrisch

Die Gemeinde Killwangen besitzt drei Gemeindefahrzeuge. Alle Fahrzeuge sind treibstoffbetrieben. Die Anschaffung von einem Elektro- oder Hybridauto sei nicht geplant, schreibt Gemeindeschreiberin Sandra Spring auf Anfrage.

Anders hingegen die Gemeinde Spreitenbach: Von den 20 Fahrzeugen, die für die Gemeindewerke im Einsatz sind, sind 2 elektrisch betrieben: ein Kleintransporter und ein Personenwagen. «Elektrofahrzeuge sind im Nahverkehr aus unserer Erfahrung günstiger in Wartung und Verschleiss», schreibt Viktor Ott von den Gemeindewerken. Zudem sei die Bedienung einfach. Der Anschaffungspreis sei zwar höher, die Akzeptanz auf Geh- und Fusswegen bei der Bevölkerung sei indes grösser als bei Verbrennungsmotoren.