Warum auf dem Furtbach keine Schiffe fahren

Zurzeit revitalisieren die Kantone Aargau und Zürich den Furtbach im Gebiet Würenlos und Hüttikon. Noch vor 100 Jahren dachte man über eine Erschliessung für den Schiffsverkehr nach. Warum es nicht dazu kam.

Sicht auf die Baustelle zur Renaturierung in Richtung ARA Otelfingen.Dieter Minder

Einst war das Furttal ein grosses Sumpfgebiet, durch das sich der Furtbach schlängelte. Dann wurde der Furtbach kanalisiert, das Tal wurde zum ertragsreichen Landwirtschaftsgebiet. Jetzt wird sich das Bett das Furtbachs wieder ändern. Wie bereits oberhalb der ARA Otelfingen geschehen, wird nun das Gebiet zwischen ARA und Würenlos renaturiert. Bis Ende Jahr entsteht eine bis zu 40 Meter breite Zone, in der der Bach künftig mit unterschiedlicher Geschwindigkeit dem Dorf entgegenfliessen kann. Flache Ufer, Gehölz, Bäume, Sitzmöglichkeiten, Wege und weitere Elemente sollen ihn zu einem Lebensraum für Mensch und Tiere machen. Rund 4,8 Millionen Franken kostet das Projekt. Davon übernimmt der Bund zirka 70 %, zirka 18 % teilen sich die Kantone Aargau und Zürich sowie die Gemeinden Hüttikon und Würenlos. Weitere Beiträge kommen vom EWZ und den SBB. Mit der neuen Bauordnung beabsichtigt der Gemeinderat Würenlos, dem Furtbach auch im Siedlungsgebiet mehr Raum zu geben.

Schiffsverkehr auf dem Furtbach

Doch es hätte auch ganz anders kommen können. Vor rund 100 Jahren wurde ernsthaft über die Schiffbarmachung des Furtbachs nachgedacht. Mit einer Wasserstrasse sollte das entstehende Industriegebiet nördlich von Zürich und am Greifensee an den internationalen Schiffsverkehr angeschlossen werden. Der schiffbare Furtbach war eine logische Fortsetzung der damals geplanten Schiffbarmachung von Hochrhein, Aare und Limmat. In der Fachzeitschrift «Schweizerische Wasserwirtschaft» von 1920 heisst es dazu: Durch einen Wasserweg von der Limmat via Katzensee nach Oerlikon würde das Industriedreieck Zürich – Oerlikon – Baden organisch erschlossen.

Um das Projekt zu realisieren, wären verschiedene Bauten nötig gewesen. Einer der imposantesten wäre sicher das Schiffshebewerk von Würenlos gewesen. Rund 40 Meter sollten die Schiffe mit diesem Lift von der Limmat auf das Niveau des Furttales gehoben werden. Der anschliessende rund 17 km lange Kanal sollte fast in gerader Linie durch das Furttal führen. Sein Scheitelpunkt war beim Katzensee vorgesehen. Die Höhendifferenz, über 20 Meter, sollte mit 3 Schleusen überwunden werden. Mit weiteren Schleusen sollten die Schiffe von dort rund 15 Meter zum geplanten Hafen Oerlikon abgesenkt werden. In diesem Bereich sollte der Kanal dem Katzenbach entlang geführt werden. Die Kosten für den Abschnitt Würenlos bis Oerlikon wurden damals auf rund 15 Millionen Franken geschätzt.

Projekt beerdigt

Dem Vorhaben stellten sich einige Hindernisse in den Weg. So sollte der Kanal nur für Schiffe bis 600 Tonnen ausgelegt sein. Üblich waren damals schon Schiffe mit mehr als dem doppelten Gewicht. Heute sind auf dem Rhein Schiffe mit gegen 8000 Tonnen Nutzlast unterwegs. Der Hauptmangel am Projekt war aber das Wasser. Das Volumen des Katzensees, als Reservoir für den Schleusenbetrieb vorgesehen, wurde für einen sicheren Betrieb als zu gering beurteilt.

Das Projekt wurde beerdigt, ebenso wie die Schiffbarmachung des Rheins oberhalb von Rheinfelden und damit auch der Aare und der Limmat. Dabei hätte gerade Letztere, mit mehreren Staustufen und Schleusen, einige ingenieurtechnische Herausforderungen gebracht. So wurde überlegt, ob das Limmatknie bei den Bädern nicht mit einem Tunnel unter der Stadt Baden abgekürzt werden könnte. Der Schutz der Thermalquellen war bei all den Überlegungen ebenso wenig ein Thema wie der Naturschutz im Furttal.

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