«Uns geht das Blut aus»
Die Kiesgrube Lugibachtal auf Wettinger Boden ist Ende 2027 erschöpft. Als Ersatz will die Tägerhard Kies AG auf diesen Zeitpunkt im Bifig-Flüefeld Kies abbauen. Bis am 20. März liegt die Nutzungsplanung auf.
Die Otelfingerstrasse trennt die Landflächen Lugibachtal und Bifig-Flüefeld voneinander. Nachdem die Tägerhard Kies AG voraussichtlich Ende 2027 das vorhandene Kies im Lugibachtal herausgeholt hat, will sie als Ersatz auf der gegenüberliegenden Fläche Bifig-Flüefeld Kies abbauen. Dieses liegt auf Würenloser Boden. Um die Erlaubnis dafür zu erhalten, ist eine mehrjährige Planung nötig.
Mit der Genehmigung des Richtplans ist die erste Hürde genommen. Während des öffentlichen Anhörungsverfahrens haben nicht nur die Bevölkerung, sondern auch NGOs wie Bird Life und Pro Natura ihre Anliegen eingegeben. «Wir haben auf Augenhöhe diskutiert und uns auf einen ökologischen Ausgleich geeinigt», sagt Urs Meier, Verwaltungsratspräsident der Tägerhard Kies AG. Diese Massnahme besteht aus Hecken, Obstbäumen und Feuchtbiotop und wird auf Wunsch der NGOs an den südöstlichen Rand des Abbauperimeters verlegt. Für die Umsetzung musste das Einverständnis der Landeigentümer eingeholt werden.
Schritt zwei: Nutzungsplanung
Die zweite Hürde steht nun an: Die Nutzungsplanung liegt seit vergangenem Freitag öffentlich auf. Die Würenloserinnen und Würenloser können Pläne zu Zufahrt, Transportwegen und Umweltverträglichkeit einsehen und sich bis zum 20. März dazu äussern. «Wir sind guter Dinge, dass es keine Einsprachen gibt. Wir hatten im Vorfeld viele gute Gespräche», so Meier. Sollte er recht behalten, werden die Stimmberechtigten an der nächsten Gemeindeversammlung im Juni über die Teiländerung der Nutzungsplanung von Landwirtschafts- in Kiesabbauzone abstimmen. Geht auch das glatt über die Bühne, wird als dritter Schritt das Baugesuch ausgearbeitet und aufgelegt. «Wenn alles richtig gut läuft, dann können wir im besten Fall Mitte 2027 mit der Erschliessung und danach mit dem Kiesabbau starten.»
«Wir sitzen auf Nadeln»
Rund zehn Jahre dauert es, bis alle formellen Schritte gemacht sind und auf einer Landfläche Kies abgebaut werden kann. Kostenpunkt: im siebenstelligen Bereich. Nicht nur wegen des finanziellen Risikos sei man während eines solchen Verfahrens nervös: «Wir sitzen auf Nadeln, denn uns geht das Blut aus. Denn Kies ist das Blut in unserer Branche und einer der wenigen Bodenschätze der Schweiz, wir müssen sorgfältig damit umgehen», sagt Meier. Kies wird etwa bei der Produktion von Beton verwendet. Durch die verdichtete Bauweise ist der Rohstoff begehrt. Um die regionale Versorgungssicherheit zu gewährleisten, hat der Kanton Aargau ein Rohstoffversorgungskonzept (RVK) erarbeitet. Dieses zeige auf, wo Rohstoff vorhanden ist und wo er gebraucht wird. Bifig-Flüefeld sei unter anderem wegen des kurzen Transportweges ohne Fahrt durch Siedlungsgebiet und wegen guter Verkehrsanbindung eines der bestbewerteten Kiesabbaugebiete im Kanton Aargau. «Weil die regionale Nachfrage gross ist, müssten wir sonst Kies ennet dem Baregg holen.»
Um Verständnis für den Kiesabbau zu gewinnen, setzt die Tägerhard AG auf Kommunikation. «Wir mussten in der Vergangenheit lernen, wie wichtig transparente Kommunikation für unser Unternehmen ist», so Meier. Er spricht damit unter anderem die geplante Aushubdeponie Steindler an, deren Realisierung im 2021 vom Volk abgelehnt wurde.
Fakten zur Kiesgrube Bifig-Flüefeld
3,5 Hektaren Abbaufläche, 750000 m3 Kiesabbauvolumen, 100000 m3 jährliche Abbaumenge. Voraussichtlicher Abbaubeginn Mitte 2027 mit Etappe Nord. Rund 7 bis 9 Jahre wird abgebaut. Danach erfolgt die Wiederauffüllung und Rekultivierung bis 2037. Ab dann kann die Fläche wieder zur Landwirtschaft genutzt werden. Die Tägerhard Kies AG ist nur Nutzer der Fläche, der Eigentümer bleibt und wird pro Menge Aushub entschädigt. Die Kiesgrube ist ein Ersatz für jene im Lugibachtal. (bär)






