Politisches Engagement von Jungen erwünscht

Um Jugendliche und junge Erwachsene fürs politische Engagement zu gewinnen, lud der Gemeinderat sie zum Austausch ein. Das kommt nicht bei allen gut an.

«Wir möchten euch besser spüren», sagte Gemeindeammann Anton Möckel (parteilos) zu den Jugendlichen im Gmeindschäller. 21 Jugendliche waren vergangene Woche der Einladung des Gemeinderats zum Austauschgespräch gefolgt.

Knapp zehn Prozent der Würenloser Bevölkerung ist zwischen 18 und 29 Jahren alt. Für Möckel sind sie nicht per se aufgrund der Anzahl eine wichtige Bevölkerungsgruppe, sondern aufgrund ihres Alters. «Sie werden die Folgen der heutigen Entscheidungen tragen. Unser Ziel ist deshalb, sie für politische Gremien zu gewinnen, damit sie ihre Zukunft mitbestimmen», sagt der 61-Jährige. Als Ressortverantwortlicher der Jugend ist es ihm von Amtes wegen ein Anliegen, vor allem aber ein Herzensanliegen: «Sie denken anders als meine Generation und sie sind unverbraucht.»

«Doofe Fragen sind gut»

Bei der Vorstellung der Gemeinderäte fiel Nico Kunz auf, der mit 39 Jahren zusammen mit Lukas Wopmann zu den mit Abstand jüngsten Mitgliedern gehört. Als er vor 12 Jahren Gemeinderat wurde, habe er «doofe» Fragen gestellt. «Doofe Fragen sind gut», sagte er mit einem Augenzwinkern. Wer nicht schon alles wisse, stelle nämlich die richtigen Fragen und bringe neue Perspektiven ein.

Fragen hatten auch die Jugendlichen. So wollte jemand wissen, was die Gemeinde tue, um zahlbaren Wohnraum zu schaffen: «Wenn es überhaupt mal eine bezahlbare Mietwohnung hat, die wir Jungen uns leisten könnten, dann bewerben sich sehr viele darauf.» «Die Ortsbürger wollen im Gebiet Gatter­ächer günstigen Wohnraum schaffen», antwortete Möckel. Es sind 13 Reiheneinfamilienhäuser und 22 Wohnungen geplant. Die Gemeinde wolle nach den Sommerferien diesbezüglich eine Arbeitsgruppe einsetzen. «Wer würde in einer solchen Arbeitsgruppe mitmachen?», fragte er in die Runde. Ein Jugendlicher meldete Interesse an.

Die Jugendlichen äusserten vergangene Woche auch Wünsche und Anliegen. Ein Jugendlicher störte sich daran, dass der rote Platz nicht beleuchtet ist und je nach Jahreszeit deshalb abends nicht mehr genutzt werden kann. Jemand bat darum, die Strassenbeleuchtung nicht bereits um 1 Uhr abzuschalten «Es ist nicht angenehm, wenn man nachts im Stockdunkeln heimlaufen muss». Weitere Wünsche waren Kunstrasenplätze, Holz und Abfalleimer bei Feuerstellen, mehr Bänke im Naherholungsgebiet, mehr Spielplätze und Möglichkeiten für Kinderbetreuung sowie eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Positiv erwähnt wurde die Jugendarbeit, Jungbürgerfeier, Dorffeste oder solche Diskussionsrunden. «Vor einer Woche fand hier auch eine Infoveranstaltung statt, da wärt ihr auch eingeladen gewesen, nutzt diese künftig doch», rief Möckel auf. Er überlege sich, auch mal an einer Gemeindeversammlung teilzunehmen, «wenn ich auch ein paar Kollegen zum Mitkommen motivieren kann», sagte ein Jugendlicher im Anschluss.

Zwei andere zeigten Interesse, in einer Kommission mitzuwirken. Trotz bescheidener Teilnehmerzahl zeigte sich Möckel im Anschluss des Abends zufrieden. «Qualität vor Quantität, wir müssen eine Beziehung zur jungen Generation schaffen, wenn wir wollen, dass sie sich in der Gemeinde engagiert.» Der Anlass werde nun ausgewertet. Allenfalls würden weitere Angebote für diese Altersgruppe organisiert.

Anlass sei diskriminierend

Dagegen wehrt sich Hugo Rolli. Er kritisiert, dass nicht alle, sondern nur die unter Dreissigjährigen eingeladen waren, und bezeichnete dies als Diskriminierung. «Der Anlass ist eine versteckte Wahlpropaganda des jetzigen Gemeinderates auf Kosten der Steuerzahler», schreibt er an die Redaktion, «genauso wie das vom Steuerzahler finanzierte Seniorenessen mit dem Gemeinderat kurz vor den Wahlen 2025.»

«Es ist nicht Aufgabe des Gemeinderates, auf Kosten des Steuerzahlers politische Bildung bei der U30-Bevölkerung zu machen», so Rolli. Das habe er auch dem Gemeindeschreiber sowie dem Rechtsdienst des Kantons mitgeteilt. «Aufgabe des Gemeinderats ist es, Gemeindeversammlungen attraktiv, transparent und neutral zu gestalten», sagt Rolli, der sich eine elektronische Aktenauflage wünscht.

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