Limmat hilft Reben und Winzern

Der Kälteeinbruch macht der Landwirtschaft zu schaffen. Die Winzer in Würenlos profitieren von der Lage und der Limmat.

Milena Pfister freut sich am Dienstag, dass die Reben im Bickgut kaum Frostschäden haben.Melanie Bär

Es ist Montagmorgen und es schneit. Statt im Rebberg zu stehen und Ausbesserungsarbeiten zu machen, sitzt Milena Pfister im Büro und tauscht sich online mit anderen Winzern aus. «Das Aprilwetter ist grauenhaft. Wir hoffen, dass es keinen Frost mehr gibt», sagt Milena Pfister, die sich um die Reben im Würenloser Weingut Bickgut kümmert.

Weil das Wetter Anfang April sommerlich warm war, haben die Reben bereits früher als üblich ausgetrieben. Fallen die Temperaturen nun ein oder mehr Grad ins Minus, besteht Gefahr, dass die jungen Triebe erfrieren. «Schlimm wäre es, wenn es am Abend regnet, in der Nacht die Wolkendecke verschwindet und sich dadurch die Umgebung abkühlt», so Martin Wetzel vom Würenloser Weingut Wetzel, der das Wetter ebenfalls gut beobachtet. Flache Reblagen in windgeschützten Muldenlagen sind besonders gefährdet.

Die Reben in Würenlos hingegen profitieren vom steilen Standort und von der Nähe zur Limmat. Sie haben das Wetter bis Redaktionsschluss am Dienstag mehrheitlich unbeschadet überstanden. «Die Limmat hat immer über null Grad und wärmt daher die absinkende Luft wieder auf», so Wetzel. Er erklärt, dass Luft, die zirkuliert, in der Regel weniger kalt ist. Auch Pfister spricht von Glück, dass die Reben in Würenlos am Hang über der Limmatsenke stehen: «Die kalte Luft fliesst generell ab, sodass wir hoffen können, dass die jungen Triebe die Frostnächte glimpflich überstehen.»

Teure Massnahmen als Prävention

Der Leiter der Fachstelle Weinbau beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, Yannick Wagner, hat den Austausch mit den Weinbauern am Morgen geführt. «Im Moment halten sich die Frostschäden in Grenzen», sagt er. Doch erst in fünf bis sieben Tagen sehe man, welche Auswirkungen der Wetterumbruch tatsächlich habe. Heizdrähte, Frostkerzen oder im Winter beim Rebenschneiden sogenannte Frostruten stehen zu lassen, seien einige Präventivmassnahmen. «Das Heizen ist sehr kostspielig und zeitaufwendig», sagt Pfister. Sie und auch Wetzel sehen davon ab. «Heizen würde höchstens in einer abgelegenen Muldenlage etwas bringen, um die kalte Luft am Absinken zu hindern», so Wetzel. Beide Winzer haben hingegen das Gras im Rebberg gemäht. So entsteht weniger Feuchtigkeit und die kalte Luft fliesst schneller zur Limmat ab.

Von der Gastronomie zum Weinbau

Martin Wetzel hat knapp 40 Jahre Erfahrung im Weinbau und dabei gelernt, mit den Launen der Natur zu leben. «Die Vegetation ist im Vergleich zu früher in den letzen Jahren rund zwei bis drei Wochen voraus.»

Für Milena Pfister ist es erst die fünfte Saison im Rebberg. Auch sie hat schnell gelernt, «dass wir sehr abhängig von der Natur, ja ihr ausgeliefert sind». Trotz Wetterstrapatzen – für sie ist die Arbeit im Rebberg ein Traumjob. Dafür hat die einstige Restaurantleiterin und Produktemanagerin die Gastronomie hinter sich gelassen. Der spontane Entscheid, vom hektischen Gastgewerbe in den Rebberg zu wechseln, hat sie nie bereut. «Ich bin zwar viel alleine in der Natur, doch ich geniesse das.» Als Quereinsteigerin – sie hat einst die Hotelfachschule absolviert – war sie besonders am Anfang viel im Kontakt mit Fachleuten und hat an Kursen das Winzerhandwerk gelernt. Mittlerweile hat sie im Bickgut auch die Betriebsleitung übernommen und freut sich über die Vielfalt im Job. «Einerseits die Handarbeit und andererseits die strategische Planung. Diese Abwechslung motiviert mich.» Und fehlt ihr mal der «Gastrogroove», wie sie ihn nennt, dann besucht sie ihre Gastrokunden, stellt ihre Weine vor oder schult das Personal. «Da schlägt mein Herz höher.»

Weine degustieren und mit den Winzern ins Gespräch kommen kann man auch an den von «Swiss Wine» initiierten «offenen Weinkellern» vom 27. April bis 1. Mai. Das Bickgut ist am 28. April von 10 bis 17 Uhr geöffnet und das Weingut Wetzel am 1. Mai von 11 bis 18 Uhr. Infos zu den «offenen Weinkellern» im Limmatwelle-Gebiet findet man auf der Agenda Seite 24; Infos zu allen offenen Betrieben in der Deutschschweiz unter www.swisswine.ch/de/offene-weinkeller.

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